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Nur wer die Hölle kennt Ostfriesland-Krimi von Wendelken, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2019
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Nur wer die Hölle kennt

Die fünfzehnjährige Melody schleicht sich heimlich fort, um den Geburtstag ihrer Freundin Simone zu feiern. Als sie heimkommt, steht der Reiterhof ihrer Mutter in Flammen. Ihre Mutter, ihr kleiner Bruder und eine Pferdewirtin kommen ums Leben. Der Brandstifter wird nicht gefasst. Zwanzig Jahre später kehrt sie nach Martinsfehn zurück und ist erneut auf Simones Geburtstag eingeladen. Simone verkündet auf der Feier, dass sie den Brandstifter kennt. Am nächsten Tag ist sie tot. Die Kommissare Nola von Heerden und Renke Nordmann müssen tief in der Vergangenheit graben, um den Täter zu finden. Barbara Wendelken wurde 1955 in Schwanewede bei Bremen geboren. Die gelernte Kinderkrankenschwester veröffentlicht seit 1996 regelmäßig Kinderbücher, Kriminalromane sowie zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien. Wenn sie nicht schreibt, genießt die Autorin mit ihrem Mann das Landleben in Ostfriesland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 01.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492991407
    Verlag: Piper
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Nur wer die Hölle kennt

Kapitel 4

In einer buchstäblichen Nacht-und-Nebel-Aktion hatte Melody die Beziehung zu Roland beendet. Sie war einfach mit Linus verschwunden, und es hatte sich angefühlt wie eine Flucht. Die Übergangswohnung war klein und dunkel und kein Ort, an dem sie bleiben wollte. Eher planlos war sie durch die großen Immobilienportale im Netz gesurft und dabei auf ein Haus in ihrem Heimatdorf Martinsfehn gestoßen. Sie erkannte es sofort. Die Küsterin hatte dort gewohnt. Inzwischen war sie offenbar verstorben, und es gab keine Erben. Sie hatte ihr Haus der Evangelischen Kirchengemeinde vermacht, die es nun anbot.

Ganz von selbst war Melody eingefallen, was die Therapeutin immer wieder gesagt hatte: Sie müssen sich mit der Vergangenheit aussöhnen. Fangen Sie dort an, wo Ihr Leben aus dem Ruder gelaufen ist. Plötzlich schienen die Worte einen Sinn zu ergeben. Entwurzelt durch ein schreckliches Unglück, mäanderte sie heimatlos durch das Leben, wusste nicht, wohin sie gehörte. All die Jahre hatte sie sich danach gesehnt, irgendwo anzukommen, und jetzt wusste sie, wo der Ort sich befand, an dem sie sich endlich zu Hause fühlen würde. In Martinsfehn.

Auf einmal kamen Erinnerungen hoch, Erinnerungen an glückliche Momente. Ihr erster Schultag, die rosarote Zuckertüte und das Kleid mit den Rüschenärmeln, Picknick mit ihren Freundinnen im Garten von Simones Eltern, die Pferde auf dem Hof, vor allem Flöckchen, ihr eigenes Pony, der erste Kuss und Thore natürlich, ihre große Liebe.

Von dem Geld, das die Lebensversicherung für den Tod ihrer Mutter ausgezahlt hatte und das unangetastet auf einem Konto lag, weil Melody sich sehr zu Rolands Ärger geweigert hatte, dieses Blutgeld anzurühren, kaufte sie das Haus. Und heute wagte sie sich zum ersten Mal auf den Friedhof.

In der alten Bäckerei gegenüber vom Friedhof hatte jemand ein Blumengeschäft eröffnet. Melody entschied sich für ein fertig bepflanztes Weidenkörbchen. Die hellblauen Glockenblumen auf hauchdünnen Stängeln wirkten zart und schutzbedürftig und schienen genau richtig zu sein für einen Zweijährigen.

Bevor sie durch das bogenförmige Friedhofstor schritt, holte sie einen kleinen Teddy aus weißer Keramik aus ihrer Tasche und setzte ihn mitten in die Glockenblumen. Für einen Moment schnürte ihre Kehle sich zusammen, es mochte dumm sein, doch sie war ziemlich aufgeregt.

Vor zwanzig Jahren hatte sie den Friedhof zum letzten Mal betreten, an die Beerdigung erinnerte sie sich als einen der schrecklichsten Tage in ihrem Leben. Es fiel ihr schwer, daran zu denken. Zweimal verlief sie sich auf dem großen Gelände. Sie wollte schon aufgeben, als sie endlich das Grab entdeckte.

Weiße Eisbegonien und dunkelrote Geranien blühten um die Wette, die Erde war von Unkraut befreit und sorgfältig geharkt, und auf dem Grabstein aus silbergrauem Granit erhob sich ein Pferd mit wallender Mähne auf die Hinterbeine, ein Barockpferd, wie es in der klassischen Dressur geritten wurde.

Verena Matzke hatte ihre sportlichen Erfolge als Springreiterin gefeiert, sie züchtete Holsteiner mit dem Ziel, ein Ausnahmetalent mit besonderem Springvermögen hervorzubringen. Das Pferd auf dem Grabstein hätte ihr nicht gefallen. Auch wenn Melody sich dafür schämte, es fühlte sich gut an, dass Wulf das falsche Pferd ausgesucht hatte.

Von Michel war nicht mehr viel geblieben, nur sein Name unter dem seiner Mutter, Michel Tobias Matzke, 1994 bis 1997 .

Dass allein der Anblick seines Namens so schmerzhaft sein würde, hatte Melody nicht erwartet. Längst vergessen geglaubte Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf, ein kleiner blonder Junge mit gelben Gummistiefeln, der in seiner Sandkiste spielte, lachte und die Arme nach ihr ausstreckte, der nicht schlafen konnte, wenn sie ihm nichts vorsummte.

Michel, kleiner Michel, du fehlst mir so. Mit leisem Wimmern sank sie vor der Umrandung aus dunklem G

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