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Nymphen gehören ins Meer von Millar, Margaret (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Nymphen gehören ins Meer

Nymphen gehören ins Meer, sonst richten sie Unheil an. Mit dem rätselhaften Verschwinden von Cleo fängt es auch schon an. Die irrwitzigen Verwicklungen, in die ein schwuler Lehrer, eine korrekte Schulleiterin, ein vorbestrafter Freak und auch der leichtlebige Neffe des attraktiven, naiv-zurückgebliebenen, von seinem Bruder überbeschützten Mädchens verstrickt werden, enden mit Mord und Verderben ... Margaret Millar, geboren 1915 in Kitchener, Ontario, studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Seit 1938 war sie mit Kenneth Millar, besser bekannt als Ross Macdonald, verheiratet. Die First Lady of Crime, gekrönt mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death, starb 1994 in Santa Barbara.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257607413
    Verlag: Diogenes
    Größe: 789 kBytes
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Nymphen gehören ins Meer

{23} 2

D er Tisch war lang und aus dunklem Nußbaumholz, kunstvoll gedrechselt im georgianischen Stil und für ein vornehmes englisches Speisezimmer gedacht. Aber Hilton saß an seinem Kopfende wie ein Kapitän, der seine Mannschaft unterwies, wie sie durch schwere See - sprich Steuern, Demokraten, Inflation, nicht ganz durchgebratenes Lamm und schlechte Manieren - zu manövrieren habe.

Die Mannschaft hörte ihm jedoch nicht sehr aufmerksam zu. Frieda, seine Frau, hatte eine Fernsehprogrammzeitschrift mit an den Tisch gebracht und überflog die Abendprogramme. Sie war eine hübsche Frau, die zur Rundlichkeit neigte und ein zänkisches Lächeln aufzusetzen pflegte, wenn sie sich ärgerte und es nicht zugeben wollte. Dieses Lächeln erschien des öfteren beim Essen, denn sie empfand es als himmelschreiende Ungerechtigkeit, daß Hilton offenbar essen konnte, was ihm in die Quere kam, ohne je ein Gramm zuzunehmen, während sie selbst an einem Schokoladeneclair nicht einmal vorbeigehen konnte, ohne gleich ein Pfund mehr auf den Rippen zu haben.

Die übrige Mannschaft war ebenso unaufmerksam. Lisa, die Collegestudentin, die allabendlich das Essen servierte, weil die Köchin sich weigerte, nach sieben Uhr noch zu arbeiten, bewegte sich mit rhythmischem {24} Wiegeschritt herein und hinaus und dahin und dorthin, als ob sie ein unsichtbares Radio im Ohr stecken hätte. Ihre hautengen Jeans und das ebenso hautenge T-Shirt wurden halb von einem bestickten weißen Schürzchen bedeckt - es war das Äußerste an Uniform, was Frieda bei ihr durchsetzen konnte. Sie war in Cleos Alter, aber außer einem gelegentlichen Achselzucken oder Augenrollen, wenn Hilton sie besonders langweilte, wechselten die beiden kaum einmal etwas Persönliches miteinander.

Cleo hatte den Kopf auf die linke Hand gestützt und hielt den Blick unverwandt auf den Teller vor sich gerichtet.

Frieda war mittlerweile ganz auf die Gesellschaft des Fernsehers angewiesen. Hilton war oft geschäftlich unterwegs, und selbst wenn er zu Hause war, bewegten die Gespräche sich auf Cleos Niveau, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlte. Dadurch fühlte sich Frieda ihrerseits ausgeschlossen.

"Nimm bitte den Ellbogen vom Tisch, Cleo", sagte Hilton. "Und iß deine Suppe wie ein wohlerzogenes Mädchen."

"Kann ich nicht. Da sind so komische Sachen drin, wie Muschelschalen."

"Es sind Muschelschalen. Das ist eine Bouillabaisse."

"Knochen auch."

"Und?"

"Der Gärtner gibt nicht mal seinem Hund Knochen. Er sagt, die können ihm Löcher in die Därme machen."

"Ich finde dieses Thema für ein Tischgespräch nicht sehr geeignet. Nun iß schön deine Suppe. Die Köchin kocht eine ausgezeichnete Bouillabaisse. Wer nichts verkommen läßt, leidet nie Not."

"Ach, du lieber Himmel!" sagte Frieda. "Laß die Suppe {25} stehen, wenn du sie nicht magst ... und nun erzähl uns mal, was du heute gemacht hast."

"Ich war im Museum."

"Du warst den ganzen Nachmittag fort."

"Ich hab ja auch Unmengen Bilder gesehen."

"Bist du auch Leuten begegnet?"

"Da waren Unmengen Leute."

"Ich meine, hast du mit jemandem gesprochen?"

"Nur einmal."

"Mit einem Mann oder einer Frau?"

"Einem Mann."

"Cleo, Liebes, wir wollen ja nicht neugierig sein", sagte Hilton, "aber worüber hast du dich denn mit diesem Mann unterhalten?"

"Ich hab ihn nach der Damentoilette gefragt. Er hat mir gesagt, wo sie ist, und dann noch 'Schönen Tag' gesagt, und ich auch."

Es war einen Augenblick still, dann sagte Hilton mit besorgter Stimme: "Ich dachte, das Museum sei montags geschlossen."

Das Mädchen saß blaß und stumm da und starrte auf die Gräten und Muschelschalen auf dem Teller, bis Lisa kam und ihn abtrug.

Ein Zucken spielte um Hiltons rechten Augenwinkel und ließ das Lid auf- und niedergehen. Es s

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