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Obdachlos Das Leben des Arno Kilian. von Markwirth, Torsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2016
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Obdachlos

Die Wege in der Obdachlosigkeit sind vielschichtig. Ihnen gemeinsam ist, dass sich die Wenigsten freiwillig auf diesen Weg begeben. Arno Kilian war einmal glücklich, reich und erfolgreich. Aufstrebender Wissenschaftler, renommierter Mediziner, liebender Familienvater. Er landet auf der Straße, er hat alles verloren. Auch seine Würde. Wie kann so etwas sein? Es kann sein. Es geschieht tagtäglich in unserem Land. Dieser Roman gewährt einen Einblick. Gezwungenermaßen wird Arno zum Mörder... Dr. Torsten Markwirth ist Internist und Kardiologe und schreibt seit acht Jahren. Seine Romane beinhalten stigmatisierende Themen und sind mit kriminalistischen Finessen gewürzt. Sie erlangten große Aufmerksamkeit durch mehrere Fernsehauftritte des Autors sowie ein breites Presseecho.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 600
    Erscheinungsdatum: 14.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740736569
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 986kBytes
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Obdachlos

"Herr Kilian, nehmen Sie doch Vernunft an!" Der Oberarzt blickt mich stirnrunzelnd an. "Verzeihen Sie mir meine Frage ... Aber was um Himmels Willens wollen Sie denn jetzt da draußen? Sie werden wohl kaum unaufschiebbare Verpflichtungen haben!"

"Doch."

Der Oberarzt stutzt überrascht.

"Ich muss einen Freund versorgen. Ich muss zu ihm."

Konrad.

"Das ist ... vollkommen irre ...", murmelt der Oberarzt kopfschüttelnd.

Was wäre mit Konrad, wenn ich hier tagelang abliegen würde?

Ich würde ihn verlieren, meinen Freund.

Ich unterschreibe die Entlassung gegen ärztlichen Rat.

"Wie kommen Sie nach ... äh ... nach Hause?" Der Oberarzt scheint mit den Worten zu ringen, aber seine Stimme scheint offenherzig. "Also ich meine, dorthin ... wo Sie jetzt hin wollen ...?"

Auf die Platte, meint er.

Ich zucke mit den Schultern.

"Für eine Taxifahrt reicht mein Geld nicht. Im Allgemeinen nicht und im Besonderen - also am heutigen Tag - schon gleich gar nicht." Ich versuche mich an einem Lächeln.

Es muss schaurig aussehen, wie ich dem erschrockenen Zucken des Oberarztes entnehme.

Keinen Cent mehr habe ich. Nada.

Zum Glück habe ich noch meine neu erworbenen Winterklamotten. Die große Plastiktüte steht neben meiner Liege.

Es war tatsächlich der Mann mit dem Hündchen, den ich aus den Augenwinkeln weit entfernt gesehen hatte, der die Polizei verständigt hatte.

So wurde es mir gesagt.

Mein Retter.

Wer weiß, was sie sonst mit mir ...

"Haben Sie Angehörige, die Sie abholen könnten?" Der Oberarzt insistiert.

Kopfschütteln.

Angehörige hätte ich schon, aber sie würden mich nicht abholen.

"Freunde, die man kontaktieren kann?"

Kopfschütteln.

Freunde habe ich, ja. Aber kontaktieren kann man sie nicht.

"Hm ..." Der Oberarzt blickt grübelnd. "Wie soll es jetzt mit Ihnen weitergehen?"

"Es läuft darauf hinaus, dass ich zu Fuß gehe. Bis zur nächsten Haltestelle, dann nehme ich die Straßenbahn. Schwarz. Dann wieder ein Stück zu Fuß.

Dann wäre ich am Ziel. Dass geht schon."

Der Oberarzt denkt nach.

Ich kenne nicht einmal seinen Namen, er trägt kein Namensschild.

"Wissen Sie was? Ich bin hier noch so drei, vier Stunden im Dienst. Wenn Sie möchten, bleiben Sie noch so lange hier in der Aufnahme, und dann nehme ich Sie mit. Sie sagen mir einfach, wo Sie hinwollen, ich fahre Sie."

Ich liege im Ambulanzraum auf meiner Trage.

Man verabreicht mir Schmerzmittel, eine Kurzinfusion Dolantin. Es lindert und macht mich dämmrig.

Mehrere Infusionsflaschen baumeln über mir. Man gibt mir reichlich Flüssigkeit, so dass die Nieren gespült werden und sich in den Harnwegen keine Blutkoagel bilden.

Ich habe die Skins vor Augen.

Ihre rohen Gesichter, ihre tumben Schädel.

Höre ihre Worte.

Was sie zu mir sagten.

Was sie über mich sagten.

Über mich, Arno Kilian.

Warum haben sie das gemacht?

Was habe ich ihnen getan?

Was haben sie von ihrem Tun?

Ich schließe die Augen, dämmere weg.

Ich sitze im oberärztlichen Audi A8.

Zum Glück ist mein Blut auf meinen Klamotten längst getrocknet.

Es riecht angenehm in dem Wagen.

Wahrscheinlich stinke ich.

Nein, ganz sicher.

Wir fahren durch die Stadt.

"Wie war Ihr Tag, heute?", erkundige ich mich.

"Der übliche Stress. Die normalen Malaisen der Klinikgaleere."

Es läuft leise klassische Musik.

"Sie werden zur Polizei gehen, oder?", fragt er.

"Vielleicht."

"Sie müssen es! Sie müssen diese Verbrecher anzeigen!"

"Es hat wenig Sinn ..." Ich schaue aus dem Fenster auf die belebten Straßen. Wenn mich so meine Kollegen sähen ... In dieser Karosse ... Ich muss schmunzeln.

"Die Polizei wird nicht viel unte

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