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Opfer Kriminalroman von Unsworth, Cathi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Opfer

Die verschlafene Idylle eines Küstenstädtchens im Norden Englands wird von einem grausamen Ritualmord erschüttert. Am Tatort wird die blutüberströmte Corrine Woodrow aufgegriffen und bald darauf zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch war die junge Außenseiterin tatsächlich die Hohepriesterin eines Satanskults, wie es in der Boulevardpresse hieß? Zwanzig Jahre später rollt ein junger Privatdetektiv die Ermittlung wieder auf, denn neue Beweise belegen, dass sich alles auch ganz anders abgespielt haben könnte ... Cathi Unsworth begann mit neunzehn Jahren für das legendäre Musikmagazin Sounds zu schreiben. Sie studierte am London College of Fashion und arbeitete als Kritikerin und Redakteurin u.a. für Melody Maker , Bizarre und The Guardian . Opfer ist ihr vierter Roman. Cathi Unsworth lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518731796
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Weirdo
    Größe: 1433 kBytes
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Opfer

2

AUF DEM FLACHEN LAND

August 1983

Edna Hoyle blieb noch eine Weile am Küchentisch sitzen, nachdem ihr Mann gegangen war. Ihre Wange war wund von dem hastigen Kuss, den er ihr, den einen Arm schon im Jackenärmel, aufgedrückt hatte, während seine Zigarette noch im Aschenbecher brannte. Normalerweise war Eric nicht nachlässig beim Rasieren und beeilte sich auch nicht so beim Abendessen, als hielte er es keine Sekunde mehr zu Hause aus. Aber normal war zur Zeit gar nichts mehr.

Edna drückte die Silk Cut aus. Die Zigaretten mit niedrigem Teergehalt waren Erics jüngstes Zugeständnis an die ärztliche Anordnung, besser auf sich aufzupassen - sie waren angeblich nicht so schlimm wie die normalen Rothmans, seine Stammmarke seit Jugendjahren. Nun rauchte er von den neuen doppelt so viele, und man sah ihm dabei die Wut über den verwehrten Genuss richtig an. Bei wie vielen er wohl erst in einer Woche ist, wenn sich alles ändert , fragte Edna sich.

Sie durfte gar nicht daran denken und widmete sich lieber der Hausarbeit. Sie ließ heißes Wasser ins Spülbecken laufen, gab Fairy dazu und machte sich über die Gläser, Teller und Pfannen her, bis alles glänzte.

Sie taten es für Samantha , musste sie ihn immer wieder erinnern. Ihre Enkelin. Sie konnte doch nichts dafür, wie ihre Mutter sich aufführte ...

Edna verzog das Gesicht, zog den Stöpsel aus dem Abfluss und trocknete sich schnell die Hände ab. Dann wischte sie die Arbeitsplatte ab und hängte das Geschirrtuch über die Heizung, damit zumindest in ihrem Einflussbereich alles seine Ordnung hatte.

Noodles, Ednas Spitz, hob in seinem Körbchen in der Ecke den Kopf und zeigte beim Gähnen sein rosa Maul voller scharfer, weißer Zähne. Er stand auf, schüttelte sich, sprang aus dem Korb und sah sein Frauchen mit hochgerolltem Schwanz und aufgestellten kleinen Ohren an.

"So ein braver Kerl", sagte Edna und ging in die Hocke, um ihn zu streicheln, wobei sie ein stechender Schmerz im Knie an ihre Arthritis erinnerte. Noodles kläffte eine Antwort und rieb sich mit der Schnauze in ihrer Hand. Mit seiner goldenen Mähne und seinem geschäftigen Gang war er Edna ziemlich ähnlich. Überhaupt verstanden sie einander sehr gut.

Sie stiegen die mit dickem Teppich ausgelegte Treppe hinauf und gingen in das Kinderzimmer, das Edna über die letzten Wochen für Sammy hergerichtet hatte.

Edna ließ den Blick über die Tapete und die dazu passende Tagesdecke streifen, die sie bei Laura Ashley in Norwich besorgt hatte. Sie hatte ihre beste Freundin Shirley Reece um Rat gefragt, die Enkelinnen in Sammys Alter hatte.

Shirley war überzeugt gewesen, dass das helle, schlichte Mohn-Muster gut ankommen würde. Edna war sich da nicht mehr so sicher. Das Zimmer war so klein, dass der Korb-Schminktisch mit Hocker das Fenster und den Blick aufs Meer versperrte. Und der Kleiderschrank an der Wand gegenüber sah wirklich nicht groß genug für Sammys Sachen aus.

"Ach Noodles", flüsterte Edna, "und wenn's ihr gar nicht gefällt?"

Noodles sah mit verständnisvollen braunen Augen zu seinem Frauchen auf.

Edna legte eine Hand auf das Regal, das sie Eric hatte aufbauen lassen. Dort hatte sie das Spielzeug aufgestellt, das Sammy auf dem Leisure Beach gewonnen hatte, und die Bücher, die sie nach ihren Besuchen zurückgelassen hatte. Wenn sie am Anfang der Sommerferien herkam, nahm sie immer zuerst eine Porzellan-Micky-Maus oder eine der vielen Nancy-Drew -Detektivgeschichten in die Hand. Edna ahnte aber, dass Sammys Kindersachen sie diesmal nicht so sehr interessieren würden, da sie nun ganz hierbleiben w&uum

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