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Ostseegrund von Wachlin, Oliver G (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.04.2015
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Ostseegrund

Die 'Georg Büchner' sinkt vor der polnischen Ostseeküste. Ursprünglich sollte das Traditionsschiff in einen litauischen Hafen geschleppt werden - warum befand es sich so weitab vom Kurs? Wurde es Opfer eines gigantischen Versicherungsbetrugs? Und was hat der Tote, der in einem verlassenen Segelboot im Barther Bodden treibt, mit dem mysteriösen Untergang zu tun? Die Ermittlungen führen tief hinein in ein undurchdringliches Dickicht aus Intrigen, Korruption und Gier. Doch erst als es ums blanke Überleben geht, wird klar, dass man der Wahrheit gefährlich nahegekommen ist. Zu nahe, wie es scheint. Oliver G. Wachlin lebte als freier Autor und Dramaturg in Berlin. Er schrieb zahlreiche Texte, Konzepte und Drehbücher für Film und Fernsehen sowie diverse Image- und Werbekampagnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 08.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863587970
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3497 kBytes
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Ostseegrund

Prolog

Der Weg zum Glück führt über einen wackeligen Steg. Vierzig Meter durch dichtes Schilf über morsches, von Sonne und Wetter gebleichtes Holz. Am Ende liegt ein alter Kahn, der immer etwas leckt. Die Planken müssten mal kalfatert werden, aber das hat Zeit bis zum Herbst. Das bisschen Wasser kannst du mit einer Pütz, wie sie das nennen, einem kleinen Eimer, aus dem Boot schöpfen. Dann löst du die Leinen, schnappst dir die Riemen und fährst hinaus auf den Bodden.

Im späten Licht steht der Hecht im Ried, sagen sie hier.

Das Wasser klatscht träge gegen das Boot, und du ruderst Richtung Osten, dort, wo die breiten Schilfgürtel in der Abendsonne schimmern. Ab und zu hältst du inne, greifst nach der Whiskyflasche und nimmst einen großen Schluck. Talisker von der schottischen Insel Skye, ein zehn Jahre alter Single Malt. Deine Enkel wissen, was der Opa mag.

Du wirfst die Angel aus. Es ist fast windstill. Irgendwo meckert eine Rohrdommel. Du genießt die Ruhe, stopfst dir eine Pfeife, trinkst den Whisky dazu und wartest auf das Lupfen der Pose.

Was total merkwürdige Begriffe sind: "Pose" und "Lupfen". Wer zum Teufel kommt auf so was?

Die "Pose" wird auch als Schwimmer bezeichnet, weil sie auf dem Wasser schwimmt. Das ist eindeutig. Und tatsächlich stellt sie sich meist in grellen Neonfarben dar - sie posiert - und markiert so genau die Position des Angelhakens unter der Wasseroberfläche. Wenn da ein Fisch anbeißt, wird das durch rasches Untertauchen der Pose signalisiert. Oder durch Fortschwimmen, kommt drauf an. Das Wort "Pose" macht also, je länger du darüber nachdenkst, durchaus Sinn.

Anders das "Lupfen", auch "Anlupfen" genannt. Es bezeichnet die kleinen, nur durch konzentrische Kreise auf dem Wasser wahrnehmbaren Hüpfbewegungen der Pose. Sie entstehen, wenn die Fische den Köder vorsichtig vom Haken knabbern, ohne richtig anzubeißen.

Das machen sie öfter, und deshalb kann kein ernsthafter Angler das Wort "lupfen" mögen. Beim besten Willen nicht. "Lupfen" bedeutet Misserfolg. Wenn die Pose lupft, tricksen die Fische den Angler aus. Die sind nämlich nicht blöd, im Gegenteil. Fische sind sogar ziemlich schlau. So schlau jedenfalls, dass sie jeden der noch so gut mit leckerer Teigmasse ummantelten Haken als fiesen Köder erkennen.

Mehr noch, sie sind sogar in der Lage, den Teig vorsichtig vom Haken zu lutschen, ohne sich dabei zu gefährden. Zieht der Angler an, wenn die Pose lupft, bekommt er keinen Fisch, sondern nur einen blanken Haken zurück. Das passiert dauernd. Du fängst nichts, außer vielleicht einen ganz kleinen Barsch, total winzig. Ein Fischkind sozusagen, unerfahren wie ein Baby. Das hast du heute ständig an der Angel, und jedes Mal wirfst du es zurück ins Wasser. So lange, bis auch dieses Dummerchen von Fisch begriffen hat, wie es den Köderteig vom Haken bekommt, ohne dabei gefangen zu werden.

Natürlich könntest du den kleinen Barsch auch als Lebendköder verwenden. Doch dann würde er dir dauernd mit der Pose abhauen, und du wüsstest nie, ist das jetzt schon der große Fang oder nur der verzweifelt die Freiheit suchende Köderfisch.

Auch hättest du ein schlechtes Gewissen. Lebendköder sind Tierquälerei. Du hast ja schon Mitleid mit den Regenwürmern, die manche Angler auf ihre Haken spießen, obwohl es immer heißt, dass Regenwürmer keinen Schmerz empfinden. Aber wer kann das schon mit Sicherheit wissen?

Also bleibst du beim Teig. Altes Roggenbrot macht sich gut. Mit etwas Wasser durchgeknetet und zu einer kleinen Kugel geformt, ergibt es einen Superköder. Nur einen Hecht hast du damit noch nie gefangen. Was auch egal ist. Dir geht es beim Angeln ohnehin mehr um die Ruhe, um die Entspannung und die Einsamkeit. Angeln hat was Meditatives. Es ist ein stilles Glück.

Mit der Dämmerung zieht Nebel über dem Bodden auf. Noch sehr durchsichtig, kaum wahrnehmbar. Das ist wie mit dem Gedächtnis. Erst verschw

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