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Palermo Connection Serena Vitale ermittelt von Reski, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Palermo Connection

"Mit Serena Vitale hat Sizilien eine neue, mutige Ermittlerin, die der Mafia den Kampf ansagt. Spannend bis zur letzten Seite." Donna Leon

Die rebellische Staatsanwältin weiß, dass sie alles riskiert, als in Palermo der lang erwartete Prozess gegen einen hochrangigen Politiker beginnt. Ihm werden Verbindungen zur Mafia nachgesagt, und Serena Vitale kann nur darauf hoffen, von den Beobachtern der Verhandlung unterschätzt zu werden. Als klar wird, dass das Netz des Verbrechens viel weiter reicht als gedacht, bleibt ihr nur noch die Flucht nach vorne - auch wenn sie sich damit in höchste Gefahr begibt ...

Petra Reski wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien und immer wieder über das Phänomen Mafia. Für ihre Reportagen und Bücher wurde sie mehrfach ausgezeichnet, in Deutschland zuletzt mit dem Journalistinnenpreis und als "Reporterin des Jahres". Petra Reski hat mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht, zuletzt bei Hoffmann und Campe Von Kamen nach Corleone. Die Mafia in Deutschlan d (2010) und die Trilogie um Serena Vitale.
www.petrareski.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 08.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812459
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Serie: Serena Vitale Bd.1
    Größe: 851 kBytes
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Palermo Connection

1

V or dem Justizpalast saß ein Polizist, von dem es hieß, dass er wegen mentaler Probleme aus dem Dienst entlassen worden sei. Er trug einen Bart, der ihm bis auf die Brust reichte und schrie jeden an, der das Gericht betrat, die Sekretärinnen und Büroboten, die Polizisten, Carabinieri, Anwälte und Richter. Er hockte auf dem Boden und brüllte: Habt ihr Angst zu reden? , und Wo ist die Demokratie? Und alle, die an ihm vorbeigingen, taten so, als hörten sie ihn nicht.

Die Staatsanwältin ignorierte den Irren, wie sie auch Wieneke übersah, der hier schon seit einer Stunde auf sie wartete und sich eine Antimafia-Staatsanwältin irgendwie anders vorgestellt hatte. Auf jeden Fall nicht mit so hohen Absätzen, auf denen sie erstaunlich schnell die Treppen zum Justizpalast hochlief.

Frau Vitale, entschuldigen Sie, rief Wieneke, ich bin der deutsche Journalist, erinnern Sie sich? Wir haben ...

... telefoniert, wollte er noch sagen, aber da hatte sie schon die Metalldetektorschleuse passiert. Ohne aufzublicken. Wolfgang W. Wieneke (irgendwann hatte er beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen und seinen zweiten Vornamen Widukind hinter einem W. zu verbergen) und seinem Fotografen blieb nichts anderes übrig, als hinter ihr herzulaufen. Sie rannte mit einem Aktenstapel unter dem Arm über den Flur, warf sich im Laufen die Robe über ihr Kleid, bis sie kurz vor dem Gerichtssaal wieder umkehrte und zurück zum Büro lief. Und mit einem weißen Lätzchen in der Hand zurückkehrte, das sie sich ebenfalls im Laufen umhängte: ihr Jabot, an dem sie noch zerrte, als sie den Gerichtssaal betrat.

Wieneke und sein Fotograf mussten sich um zwei Plätze auf den Pressebänken zanken, weil die bereits sitzenden Journalisten mit ihren Laptops versuchten, die Reviere zu markieren. Die Zuschauerbänke waren überfüllt, der Saal berstend voll, und wer keinen Platz fand, drängte sich in den Gängen neben Polizisten, Carabinieri und Gerichtsdienern.

Man nennt sie übrigens die Eisheilige, sagte der Fotograf, ein Spitzname, den Wieneke außerordentlich treffend fand. Vor allem wegen der Klimaanlage des Justizpalastes. Draußen schmolz die Sonne den Asphalt, und hier drinnen herrschte sibirischer Winter. Wenn das keine Energieverschwendung war.

Die Journalisten beugten sich über ihre Zeitungen und Smartphones und einer, der für die RAI arbeitete, rief der Staatsanwältin ein vertrauliches Ciao Serena zu, was ihr ein zögerliches Lächeln entlockte. Offenbar kannten sich hier alle, Staatsanwälte, Gerichtsreporter, Antimafia-Blogger und die Mafiaspezialisten der großen Tageszeitungen und Fernsehsender, die, wie der Fotograf betonte, nur zu bedeutenden Prozessen anreisten.

Nun betrat der angeklagte Minister den Saal. Enrico Gambino. Umgeben von einem Hofstaat aus Anwälten, Beratern und Leibwächtern, hielt Gambino so lange inne, bis sich in dem lärmenden Gerichtssaal ein Kreis von Stille um ihn bildete. Er trug ein dunkelblaues Jackett und ein hellblaues Hemd. Die Haare waren weiß und so dünn, dass man seine Kopfhaut darunter rosa schimmern sah. Nachlässig grüßte er einige Journalisten und winkte im Vorbeigehen, ohne sich umzudrehen: ein gestürzter König, getragen von der Gewissheit, dass er am Ende triumphieren würde. Bevor er sich setzte, nickte er der Staatsanwältin hoheitsvoll und herausfordernd zu. Wie ein Regent, der sich den Regeln eines albernen Protokolls auf fremdem Boden fügt.

Heiter plauderte er mit seinen Anwälten und begrüßte eine Frau mit Wangenkuss. Wenn er sich unbeobachtet fühlte, versank er in sich und schob den Unterkiefer

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