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Peitsche von Francis, Dick (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Peitsche

Wenn ein Jockey seine Lizenz verliert, ist er erledigt. Um so mehr, wenn ihm Betrug im Rennen vorgeworfen wird. Kelly Hughes läßt sich nicht einfach vom Turf verjagen. Er weiß, daß er reingelegt worden ist, und versucht auf eigene Faust herauszufinden, warum. Seine Untersuchung fördert eine Intrige zutage, die die konservative britische Rennwelt in ihren Grundfesten erschüttern würde ... Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257606706
    Verlag: Diogenes
    Größe: 680 kBytes
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Peitsche

{5} Teil I Februar

1

G estern habe ich meine Lizenz verloren.

Seine Lizenz zu verlieren und von Newmarket Heath verwiesen zu werden ist für einen professionellen Steeplechase-Jockey genauso wie für einen Arzt der Rausschmiß aus der Ärztekammer, nur schlimmer.

Rennverbot und Rennbahnverbot. Außerdem Rennstallverbot, was mich vor ein ziemliches Problem stellt, da ich in einem Rennstall wohne.

Kein Einkommen und vielleicht auch keine Wohnung mehr.

Die vergangene Nacht war richtig mies, und ich würde die gräßlichen schlaflosen Stunden am liebsten vergessen. Entsetzen und Verwirrung, das Gefühl, daß es einfach nicht wahr sein konnte, daß alles ein Irrtum war - das hielt bis nach Mitternacht an. Aber das Stadium der Ungläubigkeit bot wenigstens einen gewissen Trost. Der Schock der vollen Erkenntnis bot überhaupt keinen mehr. Mein Leben glich den verstreuten Scherben einer kaputten Teetasse, und ich war total aus dem Leim.

Heute morgen nach dem Aufstehen habe ich mir Kaffee aufgebrüht und vom Fenster aus den Stallburschen zugesehen, wie sie sich im Hof zu schaffen machten, dann aufsaßen und auf der Straße zu den Downs davontrabten, und dabei spürte ich zum erstenmal so richtig, was es heißt, ein Ausgestoßener zu sein.

Fred bellte nicht wie sonst zu meinem Fenster hoch: "Willst du den ganzen Tag in deiner Bude rumhängen?"

{6} Diesmal ja.

Keiner von den Stallburschen blickte auf - sie hielten mehr oder weniger angelegentlich den Blick gesenkt. Und sie waren still. Totenstill. Ich sah zu, wie Bouncing Bertie seine knapp vierundsechzig Kilo auf den Wallach hievte, den ich in letzter Zeit ritt, und die Art, wie er seinen dicken Hintern in den Sattel pflanzte, hatte fast etwas Abbittendes.

Und auch er hielt den Blick gesenkt.

Bis morgen würden sie sich wohl wieder einkriegen. Morgen würden sie neugierig sein und Fragen stellen. Mir war klar, daß sie mich nicht verachteten. Sie empfanden Mitleid. Wahrscheinlich zuviel Mitleid, um sich wohl zu fühlen. Und sie waren verlegen: das auch. Und vermieden es aus instinktivem Feingefühl, der totalen Katastrophe allzu rasch ins Gesicht zu sehen.

Als sie fort waren, trank ich langsam meinen Kaffee und überlegte, was ich als nächstes tun sollte. Ein scheußliches, absolut scheußliches Gefühl von Leere und Verlust.

Die Zeitungen waren wie üblich durch meinen Briefschlitz gesteckt worden. Was wohl der Zeitungsjunge, der ja schließlich wußte, was er da ablieferte, gedacht hatte? Ich zuckte die Achseln. Konnte genausogut lesen, was sie geschrieben hatten, die verdammten Pressehengste, zum Teufel mit ihnen.

Von Sporting Life bekamen wir aus Nachrichtenknappheit die Schlagzeilen und die volle Behandlung.

"Cranfield und Hughes disqualifiziert."

Oben auf der Seite war ein Bild von Cranfield, und in der Mitte eins von mir, breit lächelnd, eine Aufnahme von dem Tag, an dem ich den Hennessey Gold Cup gewonnen hatte. Irgendein kleiner Redakteur hatte seiner Ironie freien Lauf gelassen, dachte ich vergrätzt, und das fröhlichste Bild gedruckt, das er im Archiv hatte ausbuddeln können.

Die dicht bedruckten Zentimeter nördlich und südlich von meinem glücklichen Gesicht waren ungeminderte Düsterkeit.

{7} 'Die Stewards haben gesagt, daß meine Erklärung sie nicht zufriedenstellt', meinte Cranfield. 'Sie haben mir meine Lizenz entzogen. Ich habe keinen weiteren Kommentar abzugeben.'

Hughes, so der Artikel, habe fast genau das gleiche gesagt. In Wirklichkeit hatte Hughes, wenn ich mich recht erinnerte, gar nichts gesagt. Hughes war viel zu fassungslos gewesen, um ein Wort geordnet hinter das andere setzen zu können, und wenn er überhaupt etwas gesagt hätte, wäre es nicht druckreif gewesen.

Ich las nicht den ganzen Artikel. Ich hatt

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