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Rabenseele Roman von Kui, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2016
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Rabenseele

Eine Spätsommernacht im Harz. Wieder eskaliert ein Streit zwischen Lua und David. Doch diesmal ist alles anders, denn Lua hält plötzlich sein Jagdgewehr in den Händen ... Lua musste für Davids Tod im Gefängnis büßen. Nun ist sie auf freiem Fuß und versucht als Kassiererin in einer Kleinstadt nahe dem Harz einen Neuanfang. Aber die Vergangenheit ist stärker als ihr Wunsch zu vergessen: Da ist diese Gestalt in Davids Parka, die sie zu verfolgen scheint. Da sind Dinge, die aus ihrer Wohnung verschwinden, Erinnerungsstücke von damals. Da sind zu viele offene Fragen. Es hilft alles nichts: Irgendwann muss Lua sich ihren Dämonen stellen, und die warten in der Jagdhütte im Kalten Tal, wo die Katastrophe geschah. Lua ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich mit ihrer Rückkehr begibt. Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte Soziologie und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen. Seit 2005 veröffentlicht sie Spannungsromane (u. a. 'Blaufeuer', verfilmt fürs ZDF) sowie Jugendromane. Unter ihrem vollen Namen Alexandra Kuitkowski erschien 2013 der Roman 'Die Welt ist eine Scheibe'. Kui lebt und arbeitet auf der Geest bei Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827078728
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 1630 kBytes
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Rabenseele

3

Der Reigen der Dinge. Windeln, Deo, Feuchttücher. Butterkekse und Eistee. Lippenstift, sehr rot, schwarze Wimperntusche, veganes Apfel-Shampoo aus dem Naturkosmetikregal. Vollkornnudeln und Nussschokolade, fair gehandelt. Lua prägt sich Etiketten und Produktnamen leichter ein als Gesichter.

"Haben Sie eine Kundenkarte?"

"Nein." Diejenigen, die eine besitzen, präsentieren sie meistens ungefragt.

"Darf ich Ihnen eine anbieten?"

"Nein, danke." - "Auf keinen Fall." - "Lassen Sie mich damit bloß in Ruhe." - "Das haben Sie mich doch gestern schon gefragt."

Dazu ist sie verpflichtet. Immer fragen. Immer lächeln.

Solange der Barcode-Scanner piept, ist Lua wach und orientiert, bleibt im Rhythmus. Was sie nicht mag: Wenn niemand kommt, weil sie sich dann verliert und nur mit viel Mühe wiederfindet. Um das zu verhindern, steht sie lieber auf, räumt Regale ein oder wischt Staub bei den Kerzen im Geschenkartikelregal. Sie muss aufpassen, dass ihre Bluse sauber bleibt, sie darf die Ärmel nicht krempeln.

Ihr Engagement wird grundsätzlich gern gesehen, solange sie die Kasse im Blick behält. Niemanden länger als nötig warten lassen - noch eine Regel, fett gedruckt und doppelt unterstrichen. Lua wartet schon lange auf nichts mehr. Sie ist jetzt ein sehr geduldiger Mensch. Das redet sie sich zumindest ein, weil es ihr hilft, ihren neuen Alltag zu akzeptieren.

Einige Stammkunden merkt sie sich doch. Die Alte mit Gehwagen, die jeden Tag Nusspralinen kauft. Die Schulmädchen-Clique, alle pompös geschminkt wie für einen Abtanzball, ihre Vorliebe für Glitzer und Bonbonfarben unübersehbar. Den Mann mit dem Ehering.

Natürlich sind Eheringe nichts Ungewöhnliches, aber dieser eine an der Hand eines attraktiven Mittvierzigers mit Jungenfrisur ist Lua aufgefallen, weil er sie an die eigene Hochzeit erinnert, den schwitzigen Akt des Ring-an-den-Finger-Steckens, der nicht zu enden schien und sie und David peinlich berührte. Die brennende Kälte des Edelmetalls. Das Räuspern des Standesbeamten.

Ihre Ringe waren dem Modell des Kunden ähnlich, Graugold (eine kostspielige Rarität) mit einer schmalen Weißgoldfuge. Sie wünschte, sie wäre fähig, ihren weiterhin zu tragen, doch das wäre - ja, was eigentlich?

Unfassbar traurig.

Ein Akt der Selbstdemontage.

Absolut infam.

Womöglich trifft es Lua deswegen wie ein Schlag in die Magengrube, als ein Blick auf eine fremde Frauenhand ausreicht, um die dazugehörige Kundin als Ehefrau des Mannes mit dem Ehering zu identifizieren, denn an ihrem Finger prangt das passende Gegenstück, das ist unverkennbar. Doch während Lua den Mann auf Anhieb sympathisch fand, Typus besonnener Familienvater mit Humor, kommt ihr die Frau, die ihren Einkauf auf dem Kassenband mit Bedacht vorsortiert, automatisch wie eine Diebin vor.

"Haben Sie eine Kundenkarte?" Sie darf sich nichts anmerken lassen.

"Ja, habe ich. Augenblick." Die Kundin zückt ihre Brieftasche, feinstes Rindsleder, ein funktionaler Handschmeichler, ein weiterer Luxusgegenstand, der direkt aus Luas altem Leben stammen könnte.

"O schade, ich muss sie meinem Mann mitgegeben haben. Er erledigt immer die kleineren Einkäufe für uns."

Mein Mann. Der besitzergreifende Stolz einer Graugoldberingten. Hat alles. Kann alles. Weiß genau, was ihr zusteht, schlichtweg alles eben. Nur keine falsche Bescheidenheit.

Ihr Mann ist sich also (anders als David) für alltägliche Besorgungen nicht zu schade - wie nett, wie selbstverständlich eigentlich im einundzwanzigsten Jahrhundert, Partnerschaft auf Augenhöhe. Allerdings ist die Kundenkarte bei ihm völlig deplatziert, er nutzt sie ja nie. Zahlt immer mit Karte, tippt die Geheimnummer ein, ohne hinzuschauen, kontrolliert niemals den Kassenbon, kauft keine Angebotsware. So einer braucht doch keine Kundenkarte, um irgendwelche spärlichen Rabatte zu erga

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