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Rachemelodie Ein Berlin-Krimi von Crönert, Claudius (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Rachemelodie

Kaum ist Bastian Siewert aus dem Gefängnis entlassen worden, wird wieder eine junge Frau ermordet. Der Berliner Kommissar Thomas Ostrowski, mittlerweile in Pension, muss noch einmal ran. Im Laufe der Ermittlung überfallen ihn jedoch Zweifel: Hat er damals den falschen Mann hinter Gitter gebracht? Ihm 15 Jahre seines Lebens geraubt? Jetzt wird die Tochter des Kommissars bedroht. Aus Rache? Ein vielschichtiges Rennen beginnt, bei dem es um alles geht.

Claudius Crönert ist in Hamburg aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Berlin, wo er Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat. Er arbeitet von Anfang an doppelgleisig, als Autor und Journalist. Er ist politischer Korrespondent; daneben schreibt er Rundfunk-Reportagen, Zeitschriften-Artikel, Film-Beiträge. Als Autor schreibt er Drehbücher, Historische Romane und Krimis. Rachemelodie ist sein vierter Roman.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 470
    Erscheinungsdatum: 02.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839244715
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 6792 kBytes
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Rachemelodie

1. Kapitel

Die segensreiche Finsternis.

Der Abend hatte eingesetzt, die Autos schoben, eins wie das andere, gelbe Lichtkegel vor sich her. Die Scheiben der Busse waren beschlagen. Nasser Schnee tropfte vom Himmel. Auf Straßen und Bürgersteigen wurde er zu Matsch.

Der Mann stand und schaute.

Er sah zu, wie Wasser durch die Luft spritzte. Wie Passanten auswichen. Und wie sich die Nacht tiefer und tiefer über die Häuser senkte.

Der Mann zog seinen Handschuh aus und ließ die Finger in die Hosentasche gleiten, wo sie auf das Messer trafen. Es war zusammengeklappt. Mit dem Zeigefinger fuhr er über die stumpfe Seite.

Ein Schauer strich ihm über den Rücken.

Als er seinen Weg aufnahm, führte er vorbei an Hügeln von Schnee, die mit der Zeit schwarz geworden waren, kotbraun und gelb. Die Nässe fiel ihm auf den Kopf, aber da er einen Hut trug, spürte er sie nicht. Den Mantelkragen hatte er aufgestellt. An einer Ampel kreuzte er die vierspurige Fahrbahn, in der Sicherheit, dass er nur ein Passant unter vielen war, unauffällig wie sie, unbeachtet.

Sein Ziel lag einige Hundert Meter weiter. Es war kurz nach sechs, er hatte keine Eile, dennoch überholte ihn niemand, denn sein Viertel war eines der Alten geworden. Nicht dass sie alle Gehhilfen oder Rollatoren gebraucht hätten, manche verbanden weiße Haare mit sportlicher Kleidung und großen Plänen, trotzdem kamen sie nicht hinterher. Das Geräusch der Autoreifen auf der nassen Fahrbahn drang in sein Ohr, ein Zischen, ein Surren.

Der Mann trat an die Seite, um nicht nass gespritzt zu werden.

Am gegenüberliegenden Rand des Tegler Hafenbeckens tauchte der Kiosk auf. Die Zeitungsstände waren wegen der Nässe hineingeräumt worden. Durch die Scheiben drang fahles Licht. Der Mann kannte die Auslage, sie war ihm am Vortag ins Auge gefallen, die Werbung für Lotto, die Spiele und Schreibwaren, die Hinweise auf Zigaretten und Schnaps. Ohne hineinzusehen, schritt er daran vorbei.

Dabei empfand er ein Glücksgefühl, das grenzenlos war. Niemand würde ihn aufhalten.

Die rückwärtige Tür war aus Eisen und rostig. Er drückte den Griff herunter - verschlossen. Mit dem Rücken zur Tür wartete er. Sollte ihn, den Mann im schwarzen Mantel, mit Handschuhen und Kopfbedeckung, überhaupt einer wahrnehmen, würde er wie jemand wirken, der unter einem Vordach Schutz vor dem Mistwetter gesucht hatte. Unauffälliger, fand er, ging es kaum. Mit der Aktentasche in der Hand war er jemand, der von der Arbeit kam. Die Tarnung war perfekt.

Als niemand zu sehen war, öffnete er den Riemen der Tasche, griff hinein, tastete nach seinem Werkzeug. Er hatte einen Kuhfuß dabei, entschied sich aber, es mit dem Dietrich zu versuchen. Das Öffnen von Schlössern - eines der wenigen Dinge, die er in seiner Jugend gelernt hatte. Erst eine Lehre, hatte sein alter Herr gesagt, dann kannst du machen, was du willst.

Er tat, was er wollte.

Bevor er sich dem Schloss zuwandte, hielt der Mann erneut inne. Nun brauchte keiner mehr zuzuschauen. Es war beruhigend, viel Zeit zu haben. Er hatte den Dietrich in der Hand und die Aktentasche wieder verschlossen. Den Weg konnte er zu beiden Seiten einsehen. Als er sich überzeugt hatte, dass er vollkommen menschenleer war, begann er mit seiner Arbeit.

Das Schloss war widerspenstig, und er hatte lautlos zu werken. Der Dietrich griff nicht. Er setzte ihn ab, rieb sich die Augen, schöpfte Atem. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges kam jemand vorbei, der Montur nach ein Handwerker, sein Feierabendbier in der Hand. Seine patschenden Schritte hatten ihn schon von Weitem angekündigt. Der Handwerker ging schnell, während der nasse Schnee ihm

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