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Rapunzel, mein von Schütz, Lars (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Rapunzel, mein

Er quält. Er mordet. Wie im grausamsten Märchen. Profilerin Rabea Wyler steht unter Schock: In der Nähe eines stillgelegten Märchenparks wurde ein totes Mädchen ohne Hände gefunden. Erdrosselt mit den eigenen langen blonden Haaren. Wyler ahnt, dass die Vergangenheit sie eingeholt hat. Denn eine Hand war das Einzige, was vor zwanzig Jahren von ihrer vermissten Schwester gefunden wurde. Jan Grall, ihr suspendierter Partner, will davon nichts wissen. Wyler kann den Mörder auch ohne seine Hilfe überführen. Doch schnell wird klar, dass der Täter nur eine Marionette in einem perfiden Spiel ist. Und das hat gerade erst begonnen ... Lars Schütz wurde 1992 geboren. Er arbeitet als Texter für eine große Düsseldorfer Werbeagentur und schreibt nebenbei die Thriller-Reihe rund um Profiler Jan Grall und Rabea Wyler.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 27.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843721264
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 29175
    Größe: 2872 kBytes
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Rapunzel, mein

Sieben

Essen

Von der internationalen Raumstation ISS aus fiele dem Betrachter bei einem Blick auf das nächtliche Europa als Erstes ein Dreigestirn aus Lichtflecken auf: London. Paris. Und das Ruhrgebiet.

Der einstige Kohlenpott war nicht einfach nur eine Ansammlung von Städten, sondern eine einzige Metropole. Ein riesiger Moloch, durch den sich die A40 wie eine rußende Hauptschlagader zog, und in der Mitte pumpte Essen als sein Herz aus Stahl und Beton.

Das wenige, was Rabea über den Pott wusste, vermengte sich mit ihren Eindrücken auf der Fahrt zu einem düsteren Bild. Warum haben sie dich hierhergebracht, Marie?, dachte sie. Warum an diesen Ort, so weit weg von zu Hause?

Ihr Navigationsgerät führte sie vom Ruhrschnellweg herunter und leitete sie durch die Straßen der Essener Innenstadt. Sie stellte ihren Mini Cooper in einem Parkhaus in der Nähe des Kennedyplatzes ab. Als sie ihren Rucksack vom Beifahrersitz nahm, blieb ihr Blick an der Sporttasche auf der Rückbank hängen.

Eigentlich wäre sie heute Abend zum Basketballtraining gegangen. Vor ungefähr einem halben Jahr hatte sie sich wieder bei einem Verein in Mainz angemeldet. Die Abwechslung tat ihr gut. Manchmal fragte sie sich dabei, wem von beiden sie damit den größeren Gefallen tat: ihrem Körper oder ihrem Geist.

Aber heute Abend würde für sie das Training ausfallen. Sie konnte noch immer nicht so recht glauben, wie schnell alles gegangen war. Wie schnell sie eine Entscheidung getroffen hatte.

Und das alles nur wegen eines Zeitungsartikels und einer vagen Vermutung. Jagte sie einem Hirngespinst hinterher? Hatte sie zu übereilt reagiert?

Gopferdammi noch mal, Rabea! Für Zweifel ist es jetzt längst zu spät.

Sie musste das hier durchziehen. Sie musste Gewissheit haben. Ihren Vorgesetzten beim LKA hatte sie ohnehin schon angelogen: "Ich fühl mich nicht gut. Vielleicht Migräne. Nach der Vorlesung fahre ich direkt nach Hause, tut mir leid", hatte sie gesagt.

Obwohl man vom Kennedyplatz aus nur wenige Meter bis zum Grillo-Theater brauchte, kam Rabea der Weg viel weiter vor. Es war früher Nachmittag, die Terrassen der Eiscafés und Restaurants quollen über vor Gästen. Irgendwo sang ein Straßenmusiker zu ein paar Gitarrenakkorden eine furchtbar schiefe Version von Knocking On Heaven's Door. Laut gackernde Mädchengruppen mit voll beladenen Einkaufstüten liefen an ihr vorbei, Händchen haltende Pärchen, ein Anzugträger, der in sein Handy sprach.

Die Passanten gingen so unbeschwert ihren Leben nach, als gäbe es die Tote inmitten ihrer Stadt überhaupt nicht. Als kämen all die Meldungen und Radioberichte über sie aus einer anderen Stadt, vielleicht sogar einem anderen Land. Aber was hatte sie auch erwartet?

Für Rabea konnte dieser Tag das Ende von zwanzig Jahren Ungewissheit sein. Für alle anderen war es nur ein ganz normaler Mittwoch - abgesehen natürlich von der Essener Polizei.

Als sie die Nordseite des Grillo-Theaters erreichte, umfing sie bereits die Vorhölle aus Flatterband, Spurensicherung und Hektik, die es an jedem Leichenfundort gab. Ein Bestattungswagen, zwei Transporter der kriminaltechnischen Untersuchung und mehrere Streifenwagen standen direkt vor der lehmroten Fassadenfront.

Ein paar einzelne Fernsehteams und Fotografen lungerten noch vor den Absperrungen herum, aber die Speerspitze des Tragödienjournalismus war wohl schon weitergezogen.

Sie steuerte auf eine gedrungene Beamtin der Schutzpolizei zu. Auf der Autofahrt hierher hatte sie diese Situation schon mehrmals durchgespielt.

"Bitte, gehen Sie weiter! Das Theater hat heute keine Vorstellung", sagte die Polizistin unwirsch. Wahrscheinlich stand sie schon den ganzen Tag hier und wimmelte Schaulustige ab.

Rabea hielt ihren Ausweis hoch und versuchte, möglichst autoritär zu klingen: "Wyler, LKA. Operative Fallanalyse. Ich bin hier, um mit dem leitenden Ermi

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