text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Rapunzel Lukas Grimmels erster Fall von Erhard, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Rapunzel

Suspendiert, beruflich und privat am Ende kehrt Hauptkommissar Lukas Grimmel in das Haus am Niedersonthofener See zurück, wo er seine Kindheit verbracht hat. In den frühen Morgenstunden liegt eine junge Frau tot im seichten Uferwasser, vergewaltigt, misshandelt. Als Grimmel die Polizei anruft, ahnt er noch nicht, dass es mit einem stillen Sommer am See nichts werden würde. Menschenhandel, Zwangsprostitution und ein kranker Sadist fordern alles von Lukas und seinem Team und über allem lastet die Hitze eines tödlichen Sommers. Susanne Erhard, 1966 in Paris geboren, arbeitet als freischaffende Autorin in der Nähe von Memmingen, wo sie mit ihrem Mann, Pferden, einem Esel und Katzen auf einem Bauernhof lebt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 06.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743185470
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 746 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Rapunzel

Martinszell - Oberdorf, früher Abend, Freitag 25.Juli 2014

Die Hitze flimmerte noch immer über der schmalen Asphaltstraße, als Lukas Grimmel am frühen Freitagabend sein voll bepacktes Trekkingbike die letzten Meter zum Haus rollen ließ und in den Schatten der hohen Fichten eintauchte. Eine Wohltat.

Er war mit dem Zug aus München nach Kempten gekommen und von dort aus nach Oberdorf am Niedersonthofener See geradelt.

Diese Steigungen im Allgäu war er nicht mehr gewohnt. Sein T-Shirt klebte, seine Radlerhose war an Stellen feucht, wo er es peinlich fand und er wusste genau, dass er nicht mehr besonders gut roch. Bei der Hitze versagte jedes Deo, zumal auch im Zug wie zu erwarten die Klimaanlage ausgefallen war. Trotz allem hatte die Radtour hierher seine heimatlichen Gefühle angenehm berührt. Damit hatte er nicht gerechnet.

Ohne den Blick zu heben schob er sein Rad durch das halb verrottet in den Angeln hängende Jägerzauntor zum Haus hinüber. Der einstmals helle Kiesweg war von alten Fichtennadeln bedeckt, Unkraut wucherte überall, dazwischen dicke Moosteppiche. Dann kam die unterste Stufe der Holztreppe in sein Blickfeld. Abrupt blieb er stehen, schloss die Augen.

Das war der Moment, den er ersehnt und gefürchtet hatte, seitdem der Notar ihm das Testament seines Vaters verlesen hatte. Der Moment der Heimkehr. Der Moment, von dem er viele Jahre sicher behauptet hatte, dass er nie, niemals passieren würde. Keine Kraft der Welt würde ihn aus seiner Münchner Stadtwohnung hierher zurückbringen. Never say never again.

Heute stand er vor dem Seehaus seines Vaters. Das Haus in dem er die Sommer seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Das Haus, in dem seine Mutter sich erhängt hatte, sein Vater gesoffen und der Hund im Garten verscharrt lag. Hier hatte er selber seinen ersten Rausch herausgekotzt, angeln gelernt und mit seinen Kumpels wilde Feten am Strand gefeiert. Auch das erste Mädchen hatte er hier gevögelt.

Dies war der Moment, wo er zu feige war die Augen zu öffnen, um es als erwachsener Mann anzusehen. Stattdessen roch er den modrigen Boden, die ewige Feuchtigkeit, die alles mit klammer Kälte durchzog und das Haus im Winter meist unbewohnbar machte. Er meinte toten Fisch zu riechen, das Harz der Fichten.

Er hörte das Rauschen des Windes in den Bäumen, raschelndes Schilf. Irgendwo quakte eine Ente, ein Falke rief.

Lukas Grimmel, suspendierter Kriminalhauptkommissar der Münchner Mordkommission nahm seinen wenigen verbliebenen Mut zusammen und schaute auf. Drei morsche Stufen führten zu der schmalen Veranda hinauf, die rund um das Haus führte, am angebauten Bootshaus auf der anderen Seites des Hauses endete.

Die Haustür war mit einem Vorhängeschloss gesichert, dessen Schlüssel der Notar ihm ausgehändigt hatte. Die Fenster blind vom Dreck, dahinter peinlich rot-weiß karierte Vorhänge.

Vermutlich waren die noch von seiner Mutter genäht worden.

Überall hing Moos an den verwitterten Bohlen des Blockhauses, die Umrandung der Veranda war zum Teil umgestürzt und am Dach fehlten Ziegel. Fraglich, ob es noch dicht war.

Staunend, fassungslos strich sein Blick über das, was von seiner Familie übrig geblieben war. Hierher zu kommen war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee gewesen.

Vorsichtig lehnte er das Fahrrad an das morsche Holz des Treppengeländers, kramte den Schlüssel aus der Lenkertasche und setzte probeweise einen Fuß auf die erste Stufe. Es knarrte, schien aber zu halten. Bedächtig stieg er die Treppe hinauf, wohl wissend, dass ihm der schwerste Augenblick noch bevorstand.

Zögernd fummelte er an dem Schlüssel in seiner Hand. Noch konnte er umkehren und sich oben im Ort eine Pension suchen.

Genaugenommen hatte er wirklich schon genug Probleme. Wie bescheuert musste man sein, um sich zusätzlich noch alten Erinnerungen zu stellen? Vor allem, wenn es solche wie seine waren. Die braucht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen