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Rendezvous mit einem Mörder von Kleine, Dorothea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2015
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Rendezvous mit einem Mörder

Franziska Wolf hat in dem Chefsessel der Mordkommission kaum Platz genommen, als die achtzehnjährige Schwesternschülerin Maja niedergestochen aufgefunden wird. Und keine Spur von dem Täter oder von einem Motiv. Gelegenheit für die Oberkommissarin, es sich und dem ihr 'Vor die Nase gesetzten' Wessi zu beweisen, daß sie ihr Handwerk versteht. Doch die Ermittlungsergebnisse sind mager. Sicher scheint nur, daß das Mädchen mit ihrem Mörder verabredet war. Dorothea Kleine ( 1928 in Oberschlesien, + 2010 in Cottbus) war studierte Journalistin und arbeitete als Redakteurin verschiedener Tageszeitungen der DDR. Danach war sie vorwiegend als Gerichtsreporterin tätig, seit Anfang der Sechzigerjahre als freie Autorin. Sie verfasste eine Reihe von Kriminalromanen und Erzählungen sowie einige Szenarien für Fernsehkrimis, u.a. für 'Polizeiruf 110' und 'Der Staatsanwalt hat das Wort'. Zudem war sie Vorsitzende des bezirklichen Schriftstellerverbandes von Cottbus, später Stadtschreiberin in Montreuil und Saarbrücken. 1974 erhielt sie den Carl-Blechen-Preis für Kunst, Literatur und künstlerisches Volksschaffen. Ihr Drehbuch 'Am hellerlichten Tag' und der Roman 'Eintreffe heute' waren lange Zeit verboten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 15.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360501080
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 2076 kBytes
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Rendezvous mit einem Mörder

3

Ein Haus konnte kaum günstiger liegen als das des Schriftstellers Leopold, stellte Franziska mit einem Anflug von Neid fest. Fast vor der Haustür, quasi auf der anderen Straßenseite, war der See, hinter dem Haus der Wald. Sie hatte wenig Hoffnung, daß ihr so ein Haus je beschieden sein würde.

Den Schriftsteller kannte sie von einigen seiner Bücher, die er selbst mit gespielter Bescheidenheit als Literatur für die Bahnfahrt bezeichnete, natürlich darauf aus, Widerspruch zu erregen. Sie erinnerte sich eines irgendwo gelesenen oder gehörten Ausspruchs von ihm, er wolle Brücke sein zwischen Courths-Mahler und Thomas Mann. Wenn Brückendienste solch ein schönes Haus einbrachten, dachte Franziska, mochte es sich schon lohnen.

Sie drückte auf den Klingelknopf an der kunstvoll geschmiedeten Gartentür, und während sie darauf wartete, daß jemand öffnete, überlegte sie, ob seine Rechnung auch jetzt, nach der Wende, stimmte. Gewiß, er hatte einen großen Leserkreis gehabt, und die Leute wollten sich ablenken lassen von den Problemen, die sozusagen über Nacht auf sie zugekommen waren. Einen Leopold aber würden sie wohl jetzt, wo er nicht mehr als Bückware gehandelt wurde, erst recht vergeblich in den Regalen der Buchhandlungen suchen; die waren für Steven King, Konsalik, Simmel oder Utta Danella reserviert.

So, wie er dann vor ihr stand, machte er jedoch nicht den Eindruck eines von Existenznöten gestreßten Mannes: groß, schlank, braungebrannt, graumeliertes, allerdings schon etwas lichtes Haar; ein Mann um die Sechzig, aber wahrlich gut erhalten. Sie spürte, wie ihr Herz ein wenig schneller zu klopfen begann. Um so auszusehen, brachte er gewiß Opfer: begann seinen Tag mit fünfundzwanzig Kniebeugen, aß vegetarisch, trank mäßig, rauchte gar nicht, und statt sich abends vor den Fernseher zu setzen, joggte er wahrscheinlich am See herum. Auf das bunte Seidentüchlein um seinen Hals hätte er besser verzichten sollen, aber sonst war er ein wohlgefälliges Exemplar seiner Gattung.

Er hielt sie offenbar für eine Bibliothekarin, bat sie einzutreten, führte sie in sein Arbeitszimmer und forderte sie auf, Platz zu nehmen in einem der drei um einen runden Tisch gruppierten Sessel.

Die Tür zur Terrasse war weit geöffnet und gab den Blick frei auf weiße Gartenmöbel unter einem bunten Sonnenschirm; auf dem Tisch das Frühstücksgeschirr für zwei Personen.

"Sie wohnen wunderbar", sagte Franziska.

"Gefällt es Ihnen?" Der Schriftsteller war vergnügt.

"Sie können sich gern ein wenig umsehen. An dieser Stelle hat einst eine alte Bruchbude gestanden, ich habe sie abreißen und das hier hinbauen lassen. Ich zeig' Ihnen das Haus."

"Ich fürchte, dafür habe ich keine Zeit." Sie hielt ihm ihren Ausweis hin. Er hatte seine Brille nicht bei der Hand, kniff die Augen zusammen. "Ist das ein Polizeiausweis?"

"Ja, tut mir leid, Sie belästigen zu müssen."

"Dienst ist Dienst", sagte er unbekümmert. "Habe ich etwas verbrochen, dem Herrn von Podewin, unserem verehrten Bürgermeister, vielleicht die Vorfahrt genommen?" Er lachte über seinen Witz, betrachtete Franziska wohlgefällig. "Ich habe Sie noch nie in Elstertal gesehen. Sie wären mir aufgefallen."

"Mordkommission", sagte sie sanft, um ihn nicht zu erschrecken.

"Heißt das, in unserem braven Elstertal ist ein Mord passiert?" Die Mitteilung machte ihm wenig Eindruck. Seine Stimme klang heiter. Er mochte denken: Ein Mord, was geht mich das an; dieser tote Mensch ist nicht mein Problem.

"Der Mord ist sogar ganz in Ihrer Nähe passiert, Ihr Haus steht dem vermutlichen Tatort am nächsten, deshalb bin ich hier - um Sie zu fragen, ob Sie etwas gesehen oder gehört haben, gestern zwischen achtzehn und neunzehn Uhr."

"Ich habe gearbeitet", antwortete der Schriftsteller prompt, als sei er auf die Frage vorbereitet, "Von fünfzehn bis zwanzig Uhr."

"Sie wissen die Zeit so genau? "

"Da bin ich pedantisc

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