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Rheinlandbastard Roman von Aurass, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Rheinlandbastard

Coblenz am Rhein, 1924. Soldaten der französischen Besatzung fallen einer Mordserie zum Opfer. Fremdenhass? Rache? Oder hat der Täter ein ganz anderes Motiv? Als der französische Ermittler Didier Anjou bei seinen Untersuchungen an seine Grenzen stößt, muss er wohl oder übel den jungen deutschen Kommissar Adalbert Wicker um Hilfe bitten. Zu Anjous Ärger vermutet dieser den Täter in den Reihen der Soldaten selbst. Doch Licht ins Dunkel kann erst dessen heimliche Geliebte bringen, die französische Krankenschwester Babette. Sie ist nicht nur der Schlüssel zu dem Fall, sondern auch zu Anjous verdrängter Vergangenheit. Kann die Liebe zwischen Babette und Adalbert den Hass zwischen Franzosen und Deutschen besiegen? Dieter Aurass,1955 in Frankfurt geboren, war Polizeibeamter, bis er nach seiner Pensionierung seinem eigentlichen Traum nachgehen konnte: dem Verfassen von Kriminalromanen. Nach einer Frankfurter Regionalkrimireihe legt er mit Rheinlandbastard seinen ersten historischen Roman vor. Er lebt mit seiner Frau bei Koblenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 12.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641234591
    Verlag: Heyne
    Größe: 1404 kBytes
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Rheinlandbastard

2

Der junge Assistenzarzt fuhr sich nervös durch die dichten blonden Haare.

"Ich weiß auch nicht, was ihn aufhält, er muss jeden Moment kommen, ganz sicher."

Seine Stimme hatte einen flehentlichen Klang. Er versuchte ein Lächeln, das nicht recht gelingen wollte. Dann ging er zur Tür des kleines Raumes, der offensichtlich als Wartezimmer diente, öffnete sie und blickte über den Flur, als könne er dadurch die Ankunft des Professors beschleunigen. "Er wollte längst hier sein."

Didier hatte nicht vor, den jungen Mann zu beruhigen. Im Gegenteil. Er empfand eine gewisse Genugtuung dabei, weiterhin grimmig dreinzusehen und die weißen Handschuhe, die er in der rechten Hand hielt, ungeduldig in die offene linke Handfläche zu schlagen.

Als der junge Mann keine Anstalten machte, zu ihm zurückzukehren, wandte Didier sich ab und sah aus dem Fenster. Es ging auf den weitläufigen Park des Kranken h auses. Draußen war es hochsommerlich warm, nein, heiß. Um die dreißig Grad, obwohl es noch nicht einmal Mittag war. Die Hitze war selbst hier in dem kleinen War teraum zu spüren, obwohl das Fenster geschlossen war.

Didier wollte gerade nachfragen, ob man ihn womöglich absichtlich warten lasse, als der junge Assistenzarzt erleichtert ausrief: "Herr Professor, da sind Sie ja."

Gemächlich wandte Didier sich um ... und riss erstaunt die Augen auf.

In der Tür stand ein kleiner, älterer Mann von erstaun licher Leibesfülle. Er mochte mindestens dreihundert Pfund auf die Waage bringen, und das bei einer Körper größe von maximal einem Meter fünfundsechzig. Der weiße Kittel, den er trug, schien zum Zerreißen gespannt. Das gerötete Gesicht mit der Knollennase wurde von einer kleinen Nickelbrille geziert. Ein schütterer Haarkranz säumte eine Glatze, auf der ein Schweißfilm glänzte.

Der Mann strahlte ihn freundlich an und breitete jetzt zur Begrüßung die Arme aus. Didier sah die Hände, deren Finger dick wie Würste waren.

Wie kann ein Mann mit solchen Händen eine Leiche sezieren?, musste Didier denken. Doch seine Gedanken wurden unterbrochen.

" Aaah, colonel Anjou ", dröhnte die mächtige Bass stimme des kleinen Mannes. " Je suis très heureux de faire enfin votre connaissance! C'est un grand honneur de rencontrer le célèbre colonel Anjou ." 1

Didier war zu verblüfft über das akzentfreie Französisch, um die ihm entgegengestreckte Hand nicht zu ergreifen, wie er es eigentlich vorgehabt hatte.

" Monsieur le professeur, enchanté ", erwiderte er instinktiv auf Französisch. 2 Die Hand des Professors war eben falls schweißnass, was angesichts der Leibesfülle des Mannes und der vorherrschenden Temperaturen nicht verwunderlich war.

"Ziehen Sie es vor, dass wir uns auf Französisch unterhalten?", fragte der Professor erneut in Didiers Muttersprache.

Didier nickte und konnte nicht verhindern, dass er sich automatisch für sein Deutsch entschuldigte, das alles andere als perfekt war.

Was ist nur in mich gefahren? , schoss es ihm durch den Kopf. Die Begrüßung durch den Professor hatte ihn aus der Bahn geworfen. Seine bisherigen Kontakte mit Deutschen waren völlig anders verlaufen, und die Situation ließ ihn in einer gewissen Hilflosigkeit zurück.

D er Rechtsmediziner kam unterdessen ohne Umsch weife auf das eigentliche Thema ihres Zusammentreffens zu sprechen. Seine Miene verfinsterte sich: "Was für eine traurige Angelegenheit, der Tod des armen Desforges, wirklich tragisch. So jung und dann einen so grausamen Tod zu sterben."

Die Trauer in der Stimme klang echt, und Didier fragte sich, warum der Deutsche um einen französischen Soldaten trauern sollte.

"Was können Sie mir zu den Todesumständen sagen?", sagte er, um end

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