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Rom kann sehr heiß sein Roman von Boëtius, Henning (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.01.2003
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Rom kann sehr heiß sein

Piet Hieronymus ist verliebt, zum ersten Mal seit Jahren: Seit seinen letzten Ermittlungen in Schottland führt der kauzige Kommissar eine Fernbeziehung mit seiner schottischen Kollegin Dale Mackay. Als diese eines Tages unerwartet bei ihm vor der Tür steht, ist er mehr als glücklich und verbringt mit ihr einige unbeschwerte Tage. Dann zieht Dale weiter, angeblich zu einem Fortbildungslehrgang nach Bern. Doch nach ihrer Abreise verlieren sich ihre Spuren: Sie meldet sich nicht mehr bei Piet, und auch telefonische Nachfragen ergeben keinen Hinweis auf Dale und ihren Verbleib. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt. Zutiefst beunruhigt, beschließt Piet Hieronymus, nach Bern zu fahren und dort selbst nach dem Rechten zu sehen. Es ist der Anfang einer langen Reise, die ihn schließlich bis nach Rom führt, mitten hinein in einen Sumpf aus Korruption und skrupellosen Machenschaften...

Henning Boëtius, geboren 1939, wuchs auf Föhr und in Rendsburg auf und lebt heute in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie und promovierte 1967 mit einer Arbeit über Hans Henny Jahnn. Boëtius ist Verfasser eines vielschichtigen Werkes, das Romane, Essays, Lyrik und Sachbücher umfasst. Sein Roman 'Phönix aus Asche' wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er außerdem durch seine Kriminalromane um den eigenwilligen niederländischen Kommissar Piet Hieronymus.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 203
    Erscheinungsdatum: 08.01.2003
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894807764
    Verlag: btb
    Größe: 331 kBytes
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Rom kann sehr heiß sein

Kapitel 29 (S. 258-259)

Fontainebleau Sonntagmittag

"Wenigstens ist er pünktlich", knurrte Henry Marvin, als der Citroën vorfuhr, den er zum Flughafen geschickt hatte. Er lächelte triumphierend und drückte die Hand von Monsignor Tizzani viel zu fest. Der Monsignore spürte den Schmerz, verzog aber das Gesicht nicht, sondern musterte Marvins Robe mit einem herablassenden Lächeln. "Ein Chormantel aus feinstem Cantate-Gewebe mit kostbaren Stickereien. Nicht schlecht, lieber Marvin. Sie wissen, dass er zunächst mit Kapuze als Schutz vor Regen getragen wurde und den Reichtum seines Trägers darstellte?" Tizzani deutete auf das schildförmige Nackenteil.

"Ich kenne die Geschichte dieses Kleidungsstücks sehr gut, lieber Tizzani." Marvin überspielte die Stichelei. "In der Karolingerzeit aus der Mönchskutte entwickelt..." "Dann wissen Sie auch, dass er heute von Priestern bei liturgischen Handlungen im Freien getragen wird. Reicht Ihnen die weltliche Führung des Laienordens nicht? Wollen Sie auch noch Priester werden?" Tizzani blickte ihn verschlagen an. "Auf dem Wappen des neuen Papstes fehlt die Tiara, die Krone als Zeichen der weltlichen Macht. Mit Benedikt hat erstmals ein Papst der Neuzeit darauf verzichtet. Wollen Sie mehr als der Papst?"

Marvin unterdrückte die aufkommende Wut und beruhigte sich mit dem Gedanken, Tizzani überspiele seinen Bittgang mit Beleidigungen. Es war ein gutes Zeichen, wenn Rom so schnell auf seinen Anruf reagierte. Entgegen aller bisherigen Scheinheiligkeit waren sie gewiss brennend an seinen Funden interessiert. "Sie haben Unterstützung, lieber Marvin. Ich aber bin allein." Tizzani nickte Eric-Michel Lavalle und Brandau zu, die abwartend hinter Marvin standen. Marvin akzeptierte den Ausweg und deutete hinter sich. "Monsieur Lavalle ist meine rechte Hand und betreut unsere anstehende Glaubensoffensive. Außerdem ist er ein Experte der Alten Sprachen. Und der liebenswürdige Thomas Brandau ist wie Sie ein Mann der Kirche. Auch er kann die Alten Sprachen lesen.

Er unterstützt das Anliegen der Prätorianer in Berlin." "Soso." Monsignor Tizzani warf den Kopf in den Nacken und musterte das Hauptgebäude. Das frei stehende Chateau mit seiner Renaissancefassade war Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden, gut siebzig Meter lang, zwanzig Meter breit und gliederte sich in fünf Bauteile. Das Chateau war an den Seiten einstöckig, dann folgten zur Mitte hin zweigeschossige Gebäudeabschnitte, die in einen deutlich schmaleren und dreigeschossigen Mittelteil übergingen. Der nach oben strebende Charakter des Gebäudes wurde durch die hohen und schmalen Fenster noch mehr unterstrichen.

Auf den Dächern der einzelnen Gebäudeteile ragten zehn Schornsteine in den Himmel. "Ihre Restaurationsarbeiten sind wirklich imposant", murmelte der römische Kurienpriester. "Den Prätorianern angemessen", sagte Marvin zufrieden und wies ihm den Weg. "Sie wissen, wie Ihre Gegner hierüber denken", murmelte der Monsignore. "Ich habe keine ernst zu nehmenden Gegner!" Marvin lächelte selbstzufrieden. "Die Prätorianer sind sich einig. In Rom soll es anders zugehen..." Henry Marvin hatte vor gut einem Jahrzehnt entschieden, die europäische Zentrale der Prätorianer in Fontainebleau aufzubauen, als ihm dieses riesige Anwesen gut fünfzig Kilometer südöstlich von Paris angeboten worden war.

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