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Rostock, letzte Runde von Altwasser, Volker H. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: Hinstorff Verlag
eBook (ePUB)
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Rostock, letzte Runde

Rostocker Kammerspiel: Der Tote in der Fliegerkneipe Rostock 2017: In der einzigen Fliegerkneipe der Hansestadt in der Nähe des Doberaner Platzes wird über dem Zigarettenautomaten eine Gedenkplakette enthüllt. Sie erinnert an Richard R. Roesch, Krimiautor und Stammgast der 'Schallmauer'. Volker H. Altwasser ist bei dieser Zeremonie anwesend und erinnert sich an seinen Kollegen: An einem Donnerstagabend einige Jahre zuvor, während ein gewaltiger und eisigkalter Wintersturm das Leben auf den Straßen zum Erliegen brachte und im Radio davor gewarnt wurde, nach draußen zu gehen, fand man die übel zugerichtete Leiche des Schriftstellers Roesch in der 'Schallmauer'. Noch in derselben Nacht mussten die Ermittler Pawel Hoechst und Kevin Hilbig den Mordfall in ihrer Lieblingskneipe lösen. Klar war ihnen dabei zunächst nur eines: Sie sind eingeschlossen mit den übrigen Gästen - und einem Mörder.

Volker H. Altwasser wurde 1969 in Greifswald geboren. Von 1998 bis 2002 besuchte er das Deutsche Literaturinstitut der Universität Leipzig. Der Autor der erfolgreichen Roman-Trilogie 'Letzte Haut', 'Letztes Schweigen' und 'Letzte Fischer' (alle drei bei Matthes & Seitz Berlin) wurde 2011 mit dem Italo-Svevo-Preis ausgezeichnet und stand im selben Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. 2013 war er Finalist beim Agatha-Christie-Krimipreis. Altwasser sagt von sich selbst, er suche nach Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, habe Spaß am literarischen Experiment. Er lebt als freier Schriftsteller in Rostock.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783356020090
    Verlag: Hinstorff Verlag
    Serie: Ostseekrimi .1
    Größe: 648 kBytes
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Rostock, letzte Runde

Viertes Kapitel, Sechzehnter Februar Zweitausendsiebzehn.

"Und jetzt ist er hier", es war also Robert gewesen, der diese Feststellung folgerichtig getroffen hatte, wie ich es nach dieser Inventur mit Bestimmtheit sagen kann. Es gehört zu den Geheimnissen des Lebens, dass man die Großen am leichtesten übersah. Fangfrage: Welchen Job hat Robert?

"Ich will meinen Anteil", sagte der Fremde. In der Zwischenzeit hatte er die Patronenreihen wieder aufgestellt, jedoch in anderer Anordnung, die Kevins ungestümes Eindringen umgeworfen hatte. Der Fremde sah in die Runde, niemand blickte zurück. Er wiederholte sich. Immer noch ging keiner darauf ein. Die Schallmauer stand eben in Mecklenburg, und in Mecklenburg war das Schweigen eine der leichtesten Übungen. Es wurde quasi mit der Muttermilch gesogen.

"Also, was?", fragte Uta dann doch, aber eben mit gereiztem Unterton. "Keine Hasseröder Werbewoche? Wir haben noch Rostocker Schinkenknacker, ein Paar auf Brot für fünf Euro siebzig. - Nun entscheide dich mal langsam."

"Ja, okay, alles klar, nehme ich. Mach zwei Paar auf einem Teller draus", sagte der Fremde.

"Also, vier Rostocker Schinkenknacker", sagte Ute und verschwand in der Behelfsküche, wo der nagelneue Dampfkocher stand, denn eine Lücke im Gastronomiegesetz ließ zu, dass Dampfkocher nicht unter Küchenutensilien fielen, weil mit ihnen weder elektrisch noch gasig gekocht werden konnte. Folglich brauchte man für sie auch keine Küchenlizenz. Robert war ein Star unter den Rostocker Rechtsanwälten, mit dem man sich sicher nicht wegen eines Dampfkochers anlegte. Im Veterinäramt wusste das jeder. Robert sagte: "Pickliger, du kriegst deinen Anteil nicht. Das hat dir Molle doch gerade eben schon gesagt."

"Ich bin weg, sobald ich meinen Anteil habe. - Dann bin ich weg, und ihr habt wieder eure Ruhe."

"Es ist uns völlig egal, ob du da bist oder ob du nicht da bist", sagte Biberkopf. "Eigentlich bist du gar nicht da, jedenfalls nicht für uns. Und ob du nun mit deiner Fünfundvierziger rumwedelst oder nicht, ich sag es mal wie Ernst Thälmann: 'Einen Finger kann man brechen, aber nicht die ganze Hand!' Du kannst uns gar nicht alle auf einmal umlegen, aber wir alle können dich draußen unter den Schnee schieben. Der Knast hat dir wohl die Birne weichgekocht, aber wir waren nicht im Knast, und also sind unsere Birnen nicht weich. Sie sind hart, eisenhart, werftarbeitereisenhart!"

"Heftig", sagte Egbert. "So viel hat Biberkopf lange nicht geredet. Heftig, heftig!" Dann meckerte er wieder lachend, und seine Kumpane fielen darin ein.

"Und überhaupt, hier kommt keiner mehr weg. Blizzard Björn lässt uns nicht mehr raus. Er lässt niemanden mehr raus, der sich im Stadtkern befindet. Auch dich nicht", sagte Norbert, der selbstständige Tischler, der sich schon über all die Aufträge für neue Dachstühle freute. Er grinste als Einziger und gab einen Ratschlag: "Gib lieber einen aus!"

"Ich glaub, ihr nehmt mich nicht ernst. Ich glaub, ich muss dagegen etwas tun. Ich glaub, ich ..."

"Seit wann bist du denn raus aus dem Knast in Bützow?", fragte Biberkopf, der Taxifahrer, ein wenig beruhigt. "Hättest ja ruhig anrufen können, hätte ich eine schöne Tour gehabt!"

"Ich glaub, ich muss erst einmal diese Patronen in dieses Magazin hier stecken. Seht ihr, ich glaub, ich muss diese Waffe erst einmal laden und entsichern. So, seht ihr?"

Alle nickten.

"Aber warum bist du eigentlich eingefahren?", fragte Uta. "Doch nicht wegen Ute, oder?"

"Weil er dümmer als der Dummkopf war", sagte Molle. "Er kauft vor Jahren ein Schrottschiff für einen Euro auf. Er bringt es raus in die Dreimeilenzone. Unser Schlaumeier pflanzt in allen Fracht- und Laderäumen Hanf an, schaltet Rotlicht und glaubt ernsthaft, niemand könnte ihm etwas, weil das Schiff ja außerhalb jeder Staatsgrenze liegt. Riesengeneratoren überall auf dem Oberdeck, Dieselgestank bis Dänemark und zurück, und un

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