text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ruhrbeben von Sternberg, Ursula (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2014
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
8,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ruhrbeben

Ein mysteriöser Todesfall und zweifelhaftes Recycling von giftigen Schlämmen: Werden Ruhrgebiet und Münsterland zum Schauplatz eines riesigen Umweltskandals? Vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, suchen fieberhaft nach den Gründen. Dabei stoßen die Ex-Geliebte des Toten, ein Kriminalhauptkommissar a.D., eine Umweltmedizinerin und ein Mitarbeiter der Essener Stadtwerke auf unfassbare Erkenntnisse.

Ursula Sternberg, geboren 1958 in Duisburg, arbeitet hauptberuflich als Anwendungsentwicklerin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Katzen in Essen. In Frankfurt aufgewachsen, wohnt sie seit über dreißig Jahren wieder im Ruhrgebiet und ist tief mit dieser Region verwurzelt. Ab 2007 erschienen die ersten beiden Bände ihrer Ruhrgebiets-Krimiserie, bei Emons veröffentlicht wurden der dritte Band "Nachtexpress" und der vierte Band "Innenhafen".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 26.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863584375
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3919 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ruhrbeben

KAPITEL 1

Münster, 3. März

Der Schmerz schnitt durch die Eingeweide, und Hannes Schindler krümmte sich. Mit zusammengebissenen Zähnen tastete er nach der Pumpe an seinem Bett und wartete auf die nächste Attacke. Aber die schien nicht mehr so stark wie die letzte, und auch die, die dann folgte, war weniger intensiv. Erleichtert ließ er die Pumpe los, ohne sie betätigt zu haben.

Eine Weile später hatte es ganz aufgehört. An ein Wunder glaubte Hannes Schindler jedoch nicht. Instinktiv begriff er diese Phase, in der die Schmerzen plötzlich von ihm abließen, als das, was sie war: ein paar Stunden Gnade. Ein Aufschub. Eine Chance, innezuhalten und sich zu sammeln. Den Verstand zu mobilisieren, ihn nicht wieder mit der Droge aus der Pumpe zu umnebeln, die den Schmerz halbwegs erträglich machte, und zu regeln, was noch geregelt werden sollte. Und das tat er nun, so gut er es eben konnte. Er griff nach dem Telefon und tätigte einen Anruf. Dann klingelte er nach der Schwester, um sich Stift und Papier bringen zu lassen.

Eine Stunde später faltete Hannes Schindler den Brief zusammen, den er soeben geschrieben hatte. Zittrig zwar, mit krakeligen Buchstaben, aber er hoffte, dass er dennoch lesbar sein würde. Hannes war froh, dass er das geschafft hatte, denn diese Zeilen hatten ihm auf der Seele gebrannt.

Nun wartete er ungeduldig auf seinen Besuch. Viel Zeit hatte er nicht mehr, das wusste er. Die Minuten liefen davon wie der Sand in einem Stundenglas, der immer schneller durch die kleine Öffnung zu rieseln schien, je mehr er zur Neige ging.

Wie gern würde er auch noch Abschied von seinem Sohn nehmen. Es gab doch noch so viel zu sagen. Dass er stolz auf ihn war, zum Beispiel, und dass er ihn immer geliebt hatte, trotz aller Kritik, die manchmal so schonungslos aus ihm herausgebrochen war. Aber er hatte Jan nicht erreicht. Doch für einen weiteren Brief fehlte ihm die Kraft. Er musste sich ausruhen. Für einen kurzen Moment die Augen schließen. Dann würde es schon wieder gehen.

Hannes dämmerte in einen unruhigen Schlaf hinüber. Verschwommene Gesichter zogen an ihm vorbei. Menschen, die ihm etwas bedeutet hatten, unscharf zwar, nicht klar umrissen, aber dennoch wusste er, dass sie es waren. Geliebte Gesichter. Marlene, Jan, Idgie. Seine Mutter ... Sie lächelten ihn an und formten Worte, die er nicht verstehen konnte. Bleibt doch ein wenig, ich habe euch so lange nicht gesehen!

Ein leises Klopfen riss ihn aus dem Halbschlaf. Hannes spürte, wie jemand in sein Zimmer trat, und öffnete die Augen. Als er in das erschrockene Gesicht seines alten Freundes Rüdiger Gehrling sah, war er froh, dass er Jan nicht hatte erreichen können. Mit einem Schlag wurde ihm bewusst, dass er schlimm aussehen musste, denn selbst auf dem Handrücken waren ihm die Haare ausgegangen, und obwohl die Haut seltsam aufgedunsen war, bleich und verquollen wie aufgehender Hefeteig, wusste er, dass er abgemagert war wie eine alte Katze. Kein schöner Anblick, schon gar nicht für das eigene Kind.

"Mein Gott, Hannes", sagte Gehrling erschüttert. "Du weinst ja! Hast du Schmerzen? Soll ich die Schwester rufen?"

"Keine Schmerzen." Selbst das Sprechen fiel ihm schwer. "Ich habe bloß geträumt. Es war schön."

Eigentlich war Gehrling ein Freund seiner Frau Marlene gewesen. Sie hatte ihn gewissermaßen mit in die Ehe gebracht. Rüdiger, den stillen, steten Verehrer, der ihn, Hannes, von Anfang an mit einer gewissen Skepsis betrachtet hatte. Mit dem sezierenden Röntgenblick des Abgewiesenen, der sich in sein Schicksal fügt, um die Frau, die er liebt, nicht vollends zu verlieren. Was willst du bloß von diesem Freibeuter? Er wird dich unglücklich machen ...

Gehrling hatte gute Miene zum bösen Spiel gemacht und sich in eine Anwalts- und Notariatskanzlei in Münster eingekauft. Dennoch war er häufig bei ihnen in Hamburg zu Gast gewesen und h

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen