text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Rungholts Ehre Historischer Kriminalroman von Meister, Derek (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2010
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Rungholts Ehre

Derek Meisters Rungholt ist Kult! Der erste Fall für den eigenwilligsten Ermittler des Mittelalters ... Lübeck, 1390: In der Hauptstadt der Hanse wird die Leiche eines geheimnisvollen Fremden aus der Trave gezogen. Unversehens findet sich der störrische Patrizier Rungholt in einer finsteren Ränke wieder, denn sein Kaufmannslehrling wird beschuldigt, den Fremden erschlagen zu haben. Rungholt bleiben nur wenige Tage, um dessen Unschuld zu beweisen und somit die Ehre seines Hauses wiederherzustellen. Doch bei der hartnäckigen Jagd nach dem Mörder droht er alles zu verlieren: seine Ehre, sein Leben - und seine geliebte Tochter Mirke ... Derek Meister wurde 1973 in Hannover geboren. Er studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und schreibt erfolgreich Serien und Spielfilme fürs Fernsehen - und spannende Romane, mit denen er sich eine große Fangemeinde erobert hat. Derek Meister lebt mit seiner Familie in der Nähe des Steinhuder Meers.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 14.06.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641040093
    Verlag: Blanvalet
    Serie: Rungholt 1
    Größe: 2333 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Rungholts Ehre

1

Der Schmerz verebbte. Er hörte nicht abrupt auf, er verging nur langsam. Sickernd. Wie das Wasser bei Ebbe kaum sichtbar weicht, so zog sich kaum merklich Rungholts Schmerz zurück.

Sammelt sich der Schmerz wie das Wasser? Verschwindet das grässliche Wasser mit den Gezeiten oder gibt es dort draußen im Meer einen Berg aus Wasser? Und sammelt sich der Schmerz ebenso, wenn er verebbt? Bildet er einen See aus Schmerz, in dem sich aller Schmerz vereint, um bei der nächsten Sturmflut nur machtvoller zurückzukehren? Rungholt versuchte, die Gedanken an den Schmerz abzuschütteln. Es gelang nicht.

"Rungholt?" Jemand rief nach ihm, doch Rungholt drehte sich nicht um. Verkniffen starrte er auf die Beplankung der Möwe . Zwanghaft konzentrierte er sich auf die mit Hanf und Moos kalfaterten Planken der Kogge. Alles im Bemühen, sich nicht mehr auf den Schmerz zu konzentrieren, der in seinem Kiefer pochte. Er verfolgte das sanfte Auf und Ab des Schiffes, konzentrierte sich auf die sich überlappenden Bretter, zählte, verglich und folgte sinnlos den Maserungen und Klinkernähten. Denke an etwas anderes, ermahnte er sich. Irgendetwas. Er presste die Augenlider zusammen, holte Luft. Ein Stoßgebet.

Für ihn als ungeduldigen Menschen ließ das Schlagen in seinem Backenzahn viel zu langsam nach, nahm der Alltag um ihn herum viel zu schleppend wieder Gestalt an. Irgendwo hinter ihm kläfften Wulfframs Hunde. Der Böttcher hatte vier Bullenbeißer und musste die Viecher immer mit hinunter zum Hafen nehmen, wo sie dann angesichts des geschäftigen Treibens ihr Theater vollführten. Rungholt konnte das abgehackte Bellen der Hunde nicht ertragen. Doch jetzt war er froh, es wieder wahrzunehmen.

Langsam kehrten auch die anderen Geräusche zurück, die Farben und das Leben ringsum. Rungholt hörte einen Trupp Arbeiter, die sangen. Das Getrappel der Pferde auf den Holzbohlen. Das Rollen von Fässern über Planken. Und von irgendwo, leiser und entfernt, das Hammerschlagen und Sägen der Zimmerleute. Ihr Krach wurde von der Werft die Trave hinauf geworfen und hallte von den Backsteinhäusern wider. Der Funkenregen in Rungholts Schädel verblasste mit jedem Herzschlag. Das Klopfen und Zerren, das sich den Kiefer hinab bis in den Hals fortsetzte - auch dieses verebbte.

Endlich ließ sein Schmerz nach.

"Rungholt? Ist dir schlecht? Wieder das Wasser, hm? Rungholt?" Marek Bølge, der Kapitän der Möwe hatte seine drei Belader stehen gelassen und war besorgt an den Kai getreten. Er sah Rungholts fässerne Statur von der Seite an und kratzte sich seine zerschundenen Oberarme. Sie waren von den Tauen und von Schlägereien vernarbt. Als Rungholt stumm abwinkte, fuhr Marek fort. "Wir haben jetzt fünfzehn Fässer. Was ist mit denen hinter dem Kran? Soll ich die Männer anweisen, sie zu laden? Hm? Im Frachtraum ist noch Platz."

Rungholt antwortet nicht.

"Dein Drittel ist erst halb voll... Rungholt?"

Rungholt nickte stumm, er merkte, dass er immer noch auf die Kogge starrte und tat einen Schritt vom Kai zurück. Er hätte an diesem diesigen Morgen nicht selbst in den Hafen kommen und die Beladung seiner Kogge überwachen sollen, schoss es ihm durch den Kopf.

Eigentlich vertraute er Marek. Schon seit ein paar Jahren machte er Geschäfte mit dem jungen Mann aus dem Skåneland. Marek Bølge kam aus Bornholm. Und damit war er Däne. Deswegen verschwieg Marek auch lieber seine Herkunft in den Wirtshäusern. Hier in Lübeck wollte niemand mit den verhassten Dänen etwas zu tun haben. Rungholt jedoch mochte den fröhlichen, jüngeren Mann, der selbst nur ein paar Brocken Dänisch sprach und seine Insel schon seit seiner Kindheit nicht besucht hatte. Darin waren sie sich gleich: Sie beide hatten den Ort ihrer Kindheit seit Jahrzehnten nicht gesehen. Marek, weil er nicht wollte; Rungholt, weil er nicht konnte.

Rungholt hatte sich nie über seinen Kapitän beklagen müssen. Auch wenn Marek mit sein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen