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Schatten der schwarzen Sonne Kommissar Iwata 1 - Kriminalroman von Obregon, Nicolas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Schatten der schwarzen Sonne

Eine ganze Familie, hingeschlachtet von einem grausamen Mörder. Am Tatort finden sich merkwürdige rituelle Spuren, darunter die Zeichnung einer schwarzen Sonne ... Als Kommissar Kosuke Iwata an das Tokioter Polizeipräsidium versetzt wird, übernimmt er einen höchst mysteriösen Fall. Einen Fall, der zudem seinen Vorgänger in den Selbstmord getrieben zu haben scheint - und an dessen Aufklärung nicht jeder im Präsidium wirklich Interesse hat. Dann schlägt der Mörder erneut zu. Und an der Seite seiner neuen Kollegin Sakai wird Iwata hineingezogen in eine gnadenlose Jagd, auf der er sich auch seinen eigenen Dämonen stellen muss ... Nicolás Obregón wurde als Sohn einer Französin und eines Spaniers in London geboren. Als er im Auftrag eines Reisemagazins in Japan unterwegs war, verliebte er sich in das Land und beschloss, einen dort spielenden Kriminalroman zu schreiben. "Schatten der schwarzen Sonne" ist sein Debüt, zurzeit schreibt er an seinem zweiten Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 12.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641196677
    Verlag: Goldmann
    Serie: Kosuke Iwata .1
    Originaltitel: Blue Light Yokohama
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Schatten der schwarzen Sonne

Fünfzehn Jahre später

1. KAPITEL

Kartons

Iwata erwachte aus einem Falltraum. Wieder einmal. Schweißgebadet rang er nach Luft. Er ging zum Fenster. Unter ihm dehnte sich die Landschaft von Tokio aus, Städte über Städte, unendliche Fluchten. Fünfunddreißig Millionen Existenzen, eingepfercht in einen betonierten und verkabelten Tag- und Nachtrhythmus. Immense Infrastruktur, wuchernde Geflechte, und alles so fragil wie ein Kolibriherz.

Die Lichter der Stadt leuchten so schön.

Iwata ging zur Kochnische in seiner kargen Wohnung und goss sich ein Glas Wasser ein. Sein Blick fiel auf die großen Pappkartons in der Ecke, und er schaute schnell wieder weg. Er wickelte sich in eine Decke, hockte sich vor die Stereoanlage und setzte sich einen Kopfhörer auf. Schuberts Impromptu Opus 90 Nummer 3 in G-Dur stillte seine Unruhe, und der Albtraum löste sich in der Musik auf.

Grauer Morgendunst sickerte durch die Gardinen, als Iwata beschloss aufzubrechen. Er trank in Ruhe seinen Kaffee, duschte kräftig und zog sich Jeans und einen dicken Cashmere-Pullover an. Er griff sich die Zeitung, fuhr mit dem Aufzug hinunter zum Parkhaus und schloss seinen Isuzu 117 Coupé, Baujahr 1979 auf. An der Windschutzscheibe klemmte ein Zettel mit einem Kaufangebot, er zerknüllte ihn und steckte ihn in die Tasche. Die Ledersitze waren rissig, der Wagen nicht garagengepflegt, dennoch fand Iwata nahezu alle zwei Wochen solche Angebote. Bestimmt ein neidischer Nachbar.

Er startete den Motor, ließ das Radio ausgeschaltet und genoss die seltene Stille in den Straßen von Tokio. Am Südeingang des Bahnhofs Shibuya hatten sich die ersten Straßenhändler eingefunden, eine verschworene Gemeinschaft, die Tüten mit heißen Nüssen und Thermosflaschen mit Tee herumreichten. Kleinkreditgeber und Handyanbieter öffneten ihre Fensterläden. Auf einem Kaufhausdach ein gigantischer LED-Schirm, über den Nachrichten flimmerten. Mina Fong, eine berühmte Schauspielerin, war tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden. Eine bekannte Millionenerbin hatte sich von einem vielversprechenden Pitcher der Yomiuri Giants getrennt. Eine beliebte Kochshow war abgesagt worden. Und eine neue Single hatte es auf Platz eins der Popcharts geschafft. Die Nachrichten endeten mit dem Slogan einer Versicherung: Japan, wie es sein sollte .

Iwata bog von der Hauptverkehrsstraße ab und fand einen Parkplatz auf einem freien Grundstück hinter einer Ladenpassage. Er steckte die Hände in die Taschen und stapfte die zugigen Seitenstraßen entlang. Der Frühling hatte sich dieses Jahr nicht nur verspätet, sondern anscheinend bereits aufgegeben.

Iwata ging ins nächste Kaufhaus und verbrachte eine Stunde, um Leuchtstifte, Notizbücher und Trennblätter zu kaufen. In der Cafeteria bestellte er einen Kaffee mit Zuckersirup und einen Obstsalat. Es gab hier kein WLAN, aber Iwata mochte die Aussicht. Er saß zwischen erschöpften Nachtschichtarbeitern, schlürfte seinen Kaffee und blickte hinunter auf die Hauptstraße. In Shibuya wimmelte es jetzt von gehetzten Pendlern und übernächtigten Studenten. Polizisten regelten hektisch den zähen Autoverkehr, Fußgänger reagierten gereizt auf rote Ampeln.

Iwata schlug die Zeitung auf und widmete sich als Erstes dem Anzeigenteil. Er ignorierte die versteckten Angebote von Frauen mittleren Alters für diskrete Massagen, Begleitservice zum Essen und Französischunterricht. Bei der Rubrik Lagerraum hielt er inne. Nach wenigen Minuten umkringelte er eine Anzeige. Dann faltete er die Zeitung zusammen, klemmte sie unter den Arm und verließ die Cafeteria.

Draußen hatte sich der Nebel vorübergehend gelichtet, und der Himmel erstrahlte in einem kalten exquisiten Blau. Iwata ging zurück zu seinem Auto und rief die in der Anzeige angegebene Nummer an. Eine verschlafene Stimme meldete sich.

"Matsumoto hier", sagte der Mann, hustete und zündete sich eine Zigarette an.

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