text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Schattenbach Ein Carozzi-Krimi von Wagner, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2013
  • Verlag: Haymon
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Schattenbach

Trügerische Idylle in der Landgemeinde Schattenbach

Eine verschwundene Madonnenstatue, ein abgetrennter Finger, eine Frauenleiche, mit einem Rosenkranz ans Chorgestühl der Dorfkirche gefesselt - im idyllischen Schattenbach inmitten der Weinberge der Wachau geschehen makabere Dinge.
Und mittendrin: Mario Carozzi, Archäologe und Genussmensch mit einem Hang zu ausgefallenen Chili-Rezepten. Um sich vom Verdacht zu befreien, selbst der Täter zu sein, beginnt er seine privaten Ermittlungen und muss bald feststellen, dass sämtliche Honoratioren des Dorfes, vom Bürgermeister bis zum Pfarrer, einiges zu verbergen haben.
Christoph Wagners Krimi-Debüt: Eine fesselnde Detektivstory aus der bigotten Welt der österreichischen Provinz, garniert mit viel schwarzem Humor - und einigen höllisch scharfen Rezepten.

'Die Hauptfigur Mario Carozzi, die nach jahrelangem Mexiko-Aufenthalt nach Niederösterreich zurückkehrt, kämpft gegen das Unrecht in der scheinbar idyllischen Landgemeinde Schattenbach. Dabei verstrickt er sich aber immer weiter in einen Mordfall. Seine Erinnerungen an Mexiko und die kulinarischen Genüsse, mit denen er sich immer wieder in ferne Welten zaubert, halten ihn über Wasser. Wo die weite Welt auf ein kleines Nest trifft, kommt es nicht selten zu Konflikten. Scharfer Lesestoff für alle, die gerne in die Ferne schweifen.'

Christoph Wagner geboren 1954, lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2010 als Autor, Publizist und Gastrosoph in Wien, Linz und Kindberg. Studium der Germanistik, Anglistik und des Kulturellen Managements. Er verfasste über 25 Jahre lang Gourmetkolumnen und Restaurantkritiken sowie zahlreiche Buchveröffentlichungen zu kulinarischen und kulturhistorischen Themen; außerdem 2002 Schattenbach, der erste Kriminalroman rund um Doktor Carozzi. Bei Haymon: Gefüllte Siebenschläfer. Kriminalroman (2007), Muj und der Herzerlfresser von Kindberg. Ein Südbahn-Krimi (2010). Bei HaymonTB: Die klassischen Gerichte Österreichs (mit Ewald Plachutta, 2010) und Die süße Küche Österreichs (mit Toni Mörwald, 2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 328
    Erscheinungsdatum: 06.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974568
    Verlag: Haymon
    Serie: Dr. Mario Carozzi Bd.1
    Größe: 1101 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Schattenbach

1

O happy earth! Reality of Heaven!

Percy B. Shelley

Am Freitag, an dem ich beraubt wurde, brach in Schattenbach die Welt zusammen.

Das ist, um ehrlich zu sein, weniger dramatisch, als es vielleicht klingt. Denn die meisten Dinge, die mich hier in Schattenbach umgeben, sind ohnedies nicht von dieser Welt. Oder würden Sie meinen, dass Schluckbildchen zu dieser Welt gehören?

Schluckbildchen. Briefmarkengroße Pergamentfetzen mit der Madonna drauf, oder mit heiligen Sprüchen. Auf die Zunge gelegt. Runter damit. Segen im Bauch. Das ist es, wovon ich zur Zeit lebe.

Es ist schon ein wenig lachhaft, was ich hier treibe. Statt in Ephesos im Dienste der Wissenschaft Amphorenscherben auszubuddeln oder in Mexiko nach alten Aztekenschätzen zu graben, mache ich hier im alten Schiffsmeisterhaus hoch über der Lände von Schattenbach den dummen August. Wenn jemand um einen Zehner mit mir darum wettet, dass ich mich das traue, dann schlucke ich sogar ein Schluckbildchen. Kein echtes, versteht sich, sondern ein präpariertes aus Oblaten, die ich selber mit Tintenfischtinte gestempelt habe. Die echten Bildchen wären zu wertvoll - und schmecken überdies scheußlich.

Es ist ein einsamer Job in einem einsamen Kaff ohne jede gute Hoffnung, auf den ich mich da eingelassen habe. Halbwegs was los ist nur am Wochenende, wenn ich meine größten Erfolge damit erziele, den Leuten zu erklären, wie man eine Drud fängt. Eine Drud ist ein böser Geist, der nächtens erscheint und sich einem dann recht dreist aufs Brustbein hockt. Wenn man den Albdruck erst einmal schmerzhaft spürt, ist es allerdings meistens schon zu spät, um die Drud zu verjagen. Also lieber vorher das sichelförmige, an einem Ende spitz wie eine Nadel zulaufende Drudenmesser an einer Schnur, am besten mit einem Nagel an der Decke, befestigen und über dem Brustbein pendeln lassen. Die Drud ist zwar böse, aber dumm ist sie Gott sei Dank auch. Wenn sie kommt, übersieht sie in ihrer Gier das scharfe kleine Ding, hockt sich nichts ahnend aufs Brustbein, und während sie dann auf Herz und Seele drückt, schnellt der scharfe Stahl direkt auf sie zu, spießt sie auf, und hin ist die Drud. Man kann also wieder in Ruhe schlafen. Immer ein Lacherfolg, die Geschichte. Aber es haben mich auch schon Besucher gefragt, ob man so ein Drudenmesser nicht auch käuflich erwerben kann.

Etelka, die mir gelegentlich aushilft, sagt, dass ich, wenn ich solche Geschichten erzähle, übertreibe. Aber nur wenn ich übertreibe, bekomme ich auch Trinkgeld, ansonsten ernte ich allenfalls ein müdes Lächeln.

Natürlich sind die Schluckbildchen und die Drudenmesser bei Weitem nicht alles, was ich meinen Besuchern zu bieten habe. Ich verwahre in meiner Sammlung auch ein Osterei, auf dem vierundfünfzig kleine Hufeisen befestigt sind. Ferner verfüge ich über einen Bierkrug, der sich auf vier Beinen bewegen kann und, während er, durch ein Laufwerk in Gang gesetzt, behände von einem Trinker zum anderen krabbelt, "In München steht ein Hofbräuhaus" intoniert. Auch er ist allerdings nur eines von 924 mehr oder minder kuriosen Objekten, die im Laufe der Zeit, oft nach vielen Umwegen, hier in dem alten Schiffsmeisterhaus gelandet sind.

Im diesem ehrwürdigen Gebäude ist nämlich das Heimatmuseum von Schattenbach untergebracht. Es nennt sich ganz bescheiden Heimathaus, ist aber tatsächlich ein wirkliches Museum, allein schon weil es wie jedes echte Museum ziemlich komplizierte und unübersichtliche Öffnungszeiten hat, die noch von meiner Vorgängerin, offenbar zur Verwirrung unliebsamer Besucher, eingeführt wurden.

Mein Büro ist in dem alten Ladenkontor gleich neben der Eingangstür, in dem ich die eintretenden Gäste begrüße und sie bitte, bis zur nächsten Führung ein wenig zu warten. Hier erledige ich nicht nur den bürokratischen Kram und verkaufe die Eintrittskarten, sondern habe auch einen kleinen Souvenir-Shop mit Ansichtskarten, Ausstellungsp

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen