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Schattenland Ein Normandie-Krimi von Cors, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2021
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Schattenland

Ein glamouröses Filmfest, ein brutaler Serienmörder, ein Wettlauf gegen die Zeit Sein sechster Fall führt den charismatischen Personenschützer Nicolas Guerlain zurück in seine Heimatstadt Deauville: Das internationale Filmfestival lockt Schauspieler und Regisseure aus aller Welt in die Normandie. Wenige Tage vor der Eröffnung wird der Leiter des Festivals brutal ermordet. Und das ist nur der Auftakt einer Reihe rätselhafter Verbrechen. Für Nicolas beginnt die mörderische Jagd auf einen vom Hass zerfressenen Serientäter. Während er versucht, eine junge Schauspielerin zu beschützen, muss er erkennen, dass die Vergangenheit ihn immer wieder einholt.

Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die >ARD Tagesschau<, die >ARD Tagesthemen< und den >Weltspiegel< berichtet. Heute arbeitet er für den >SWR<. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht. Seine Krimireihe um den charismatischen Personenschützer Nicolas Guerlain hat eine große Fangemeinde, seine Bücher landen regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 18.03.2021
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423438322
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1044 kBytes
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Schattenland

Kapitel 1

Varengeville-sur-Mer, Normandie

Es begann stets mit dem Wimmern des Hundes.

Und es endete mit dem Tod, jedes Mal.

Mit seinem. Oder mit ihrem. Das waren die einzigen Optionen, die die Nacht ihm gewährte, ohne dass er selbst darüber entscheiden konnte. Nur eins war gewiss: Einer von ihnen würde sterben. Es gab kein Entrinnen, keine Flucht, es war ein Käfig aus Erinnerungen, eine sich immer enger zuziehende Schlaufe um seinen Hals. Ihr zu entkommen, wenigstens zeitweise, hatte ihn viel gekostet. Er hatte vieles aufgegeben, um an einen Punkt zu gelangen, an dem er wieder Hoffnung schöpfen konnte. Regelmäßig meinte er jetzt, ein Licht zu sehen, schwach noch, immer wieder verschwand es, wenn das Wimmern des Hundes erneut erklang, wenn das kalte Wasser sich über ihm schloss, wenn ein Schatten sich über ihn beugte.

So wie damals. Auf der Insel.

Er ertrank. Die Flut war da.

Das Licht des hellen Mondes drang durch das Wasser, die Frau, die Felsen hinter ihr warfen lange Schatten. Er hörte seinen eigenen Atem, das Rauschen des Blutes in seinen Ohren, es war lauter als sein eigenes Schreien. Er zerrte an seinen Fesseln, bäumte sich auf, hörte die Stimme des Mannes, das Lachen, den Triumph.

»Adieu.«

Diesmal war er es, der starb. Sie überlebte.

Es war das kleinere Übel. Es war leichter hinzunehmen.

 

Als Nicolas schweißgebadet und zitternd erwachte, blickte er auf den Radiowecker auf dem Nachttisch: 03:54 Uhr.

Draußen war es dunkel, sein Brustkorb hob und senkte sich, er schnappte nach der kühlen Luft, die durch die geöffnete Balkontür kam. Sie schmeckte salzig, ein plötzlicher Windzug ließ ihn erschauern. Auf seinen Handgelenken, auf seinen Knöcheln: keine Spuren der Fesseln, nur das zerwühlte Laken auf seinem Bett, das schweißgetränkte Kopfkissen, sein eigener schmaler Schatten an der Wand, als er die Nachttischlampe anknipste.

Nicolas setzte sich im Bett auf und wartete, bis das Wimmern des Hundes verklang, bis es überging in das beruhigende Geräusch der Brandung, die nicht weit entfernt, am Fuß der Klippen, gegen die Felsen schlug. Er fuhr sich durch das Gesicht, sah auf den Vorhang vor der Balkontür, der sich jetzt wieder leicht im Wind bewegte, sich wölbte.

»Schlaf weiter, Rachmaninoff«, murmelte er schließlich und schwang die Beine über den Bettrand. Für einen Augenblick schloss er die Augen, sammelte seine Reserven, von denen er nun wusste, dass sie endlich waren. Als er sie wieder öffnete, fiel sein Blick auf das Muster der beigen Tapete, auf die gerahmten Fotografien an der Wand. Das Meer, die Klippen, das glänzende Deck eines Fischerboots.

Er drückte eine Taste auf dem Radiowecker, hörte, wie ein Moderator das Wetter für den kommenden Tag verkündete: Sonne satt an der Küste, es würde heiß werden. Nicolas musste diesmal etwas länger überlegen, als die ersten Takte eines Liedes erklangen.

»Na komm schon«, murmelte er, stand auf, hielt sich für einen Augenblick an der Wand fest, weil die Gedanken in seinem Kopf sich drehten, weil die Erinnerungen an die Nacht auf Chausey ihn niederdrückten, manchmal auch noch jenseits seiner Träume. Schließlich ging er zu dem Tisch, auf dem sein Notizbuch lag, er schlug es auf und schrieb »Manhattan-Kaboul« auf eine leere Seite.

»Ein Punkt für mich, alter Mann«, sagte er in die Stille seines Zimmers hinein und dachte für einen Augenblick an Tito, seinen alten Nachbarn, der vermutlich gerade ebenfalls nicht schlief, in seiner Wohnung in Paris. Nicolas überlegte, ob er ihn anrufen sollte, beließ es aber bei dem Gedanken, der kam und ging, so wie das Wimmern des Hundes kam und ging.

Es gehörte zu Rachmaninoff, Titos Mischlingshund, der ihm und Julie vor mittlerweile mehr als fünfzehn Monaten das Leben gerettet hatte.

Zumindest v

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