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Schikanen Roman von Francis, Dick (eBook)

  • Verlag: Diogenes
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Schikanen

Geoffrey Mason ist erleichtert, als sein Mandant - ein brutaler Schläger - hinter Gitter kommt. Doch Freiheit und Strafe liegen nur einen Richterspruch voneinander entfernt: Als das Gericht das Urteil revidiert, wird das Verhältnis zwischen Anwalt und Klient zum Alptraum...

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257600131
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Silks
    Größe: 1713kBytes
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Schikanen

[7] Prolog

März 2008

"Schuldig."

Ich beobachtete den Sprecher der Jury bei der Bekanntgabe des Geschworenenspruchs. Er trug ein helles Tweedsakko über einem blauweiß gestreiften Hemd. Zu Beginn des Prozesses hatte er noch stets eine nüchtern gestreifte Krawatte umgehabt, die ihm angesichts der sehr saloppen Kleidung seiner elf Mitgeschworenen dann aber wohl doch zu steif vorkam, und jetzt trug er das Hemd mit offenem Kragen. Im Gegensatz zu den meisten anderen war er grau an den Schläfen und hielt sich gerade. Vielleicht war er deshalb zu ihrem Sprecher ernannt worden. Er hatte etwas von einem pensionierten Lehrer an sich, der es gewohnt war, Verantwortung zu übernehmen und in einer Klasse voll ungebärdiger Jugendlicher für Ruhe zu sorgen.

"Schuldig", sagte er noch einmal, etwas nervös zwar, aber mit fester, tiefer Stimme. Sein Blick ruhte einzig auf dem Richter in Talar und Perücke, der ein wenig erhöht zu seiner Linken saß. Nicht ein einziges Mal sah er zu dem jungen Mann auf der Anklagebank hinüber, der ebenfalls etwas erhöht, aber rechts von ihm saß. Wir waren in Saal 3 am Old Bailey, einem der alten viktorianischen Gerichtssäle des Central Criminal Court, erbaut zu einer Zeit, als man bei Übeltätern noch auf Einschüchterung und bei [8] Unbescholtenen auf Abschreckung setzte. Bei aller formellen Strenge war es jedoch ein kleiner Saal, nicht größer als ein geräumiges Wohnzimmer. Der Richter oben in seiner langen Bank beherrschte den Raum und thronte über den anderen Beteiligten - dem Angeklagten, den Anwälten und Geschworenen -, die so eng beieinandersaßen, dass sie sich kaum bewegen konnten, ohne sich zu berühren, doch das vermieden sie nach Möglichkeit.

Insgesamt wiederholte der lehrerhafte Sprecher achtmal dasselbe Wort, bevor er sich mit einem Seufzer spürbarer Erleichterung darüber, dass die Sache ausgestanden war, wieder hinsetzte.

Die Jury hatte den jungen Mann in allen acht Anklagepunkten für schuldig befunden: Körperverletzung in vier Fällen, gefährliche Körperverletzung in drei Fällen und ein Mordversuch.

Es überraschte mich kaum. Sogar ich als der Verteidiger des jungen Mannes war von seiner Schuld überzeugt.

Warum hatte ich dann die schönste Zeit des Jahres im Old Bailey herumgehockt und versucht, einen Kerl, der es nicht verdiente, vor einem ziemlich langen Aufenthalt hinter Schloss und Riegel zu bewahren?

Des Geldes wegen, nehme ich an. Dabei wäre ich wegen der Renntage viel lieber in Cheltenham gewesen. Zumal ich geplant hatte, an diesem Nachmittag meinen zwölfjährigen braunen Wallach im Foxhunters Chase, dem "Gold Cup der Amateure", zu reiten.

Die britische Justiz geht seit fünfhundert Jahren davon aus, dass Menschen unschuldig sind, bis ihre Schuld erwiesen ist. Deshalb braucht der Angeklagte nicht seine Unschuld [9] nachzuweisen, sondern sich lediglich gegen Anschuldigungen zu wehren, Anschuldigungen, die erst anerkannt werden, wenn kein berechtigter Zweifel mehr an ihrer Richtigkeit besteht. Der Angeklagte wird je nach Titel als Mister, Doctor oder Sir, wenn nicht als Hochwürden, Euer Gnaden oder Euer Ehren angeredet. Sprechen die Geschworenen ihn aber schuldig, fallen diese hübschen Unterscheidungen sofort weg, und der Angeklagte wird zum "Täter". Statt um höfliche Wahrheitsfindung und Aufdeckung der relevanten Fakten geht es nunmehr um Strafe und Vergeltung für nachgewiesene Vergehen.

Noch ehe der Geschworenensprecher richtig Platz genommen hatte, erhob sich auch schon der Staatsanwalt, um das Gericht über die Vorstrafen des Täters in Kenntnis zu setzen. Das waren nicht wenige. Bereits viermal war er wegen Gewalttätigkeit verurteilt worden, allein zweimal wegen gefährlicher Körperverletzung. Zweimal hatte der junge Mann dafür in einer Jugendstrafanstalt gesessen.

Ich beobachtete, wie die Geschworenen die Neuigkeit aufnahmen. Fas

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