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Schnarrenberg von Brosi, Patrick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2013
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Schnarrenberg

Eine Frau flüchtet durch eine Winternacht. Ihr Verfolger zeigt keine Eile, treibt sie auf einen gefrorenen See - sie bricht ein, einige Tage später hat sich das Loch über ihr geschlossen. Ihre Leiche wird erst sehr viel später gefunden und stellt sich als der Schlüssel des Falls heraus, den Kommissar Möllner von der Kripo Tübingen bearbeitet. Er ermittelt im Umfeld einer erhängten Studentin, deren Selbstmord keiner war - und begibt sich mit der Suche nach dem Täter auf gefährlich dünnes Eis ... Patrick Brosi, geboren 1987, ist in Backnang bei Stuttgart aufgewachsen. Nach dem Zivildienst begann er 2007 in Tübingen ein Studium der Informatik und Geschichte. Seit 2011 studiert er Informatik in Freiburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 26.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863582074
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2873 kBytes
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Schnarrenberg

2

Der Anruf kam um zehn. Sebastian Möllner tippte gerade den Bericht des Vorabends, eine harmlose Sache. Ein Sechzehnjähriger aus der Südstadt befand sich im Dauerstreit mit einer Schulclique. Regelmäßig gaben sie ihm durch Botschaften zu verstehen, dass sie noch nicht fertig mit ihm waren. Die Mitteilungen wurden wahlweise in sein Mofa oder in das Display seines Smartphones gekratzt. Sebastian hatte mit der Gruppe gesprochen, die alles abstritt, aber durch ihr Verhalten zu verstehen gegeben hatte, dass sie durchaus stolz auf ihre Taten waren. Es waren gutbürgerliche Mittelstandssprösslinge, die Sebastian in der Gruppe mit dem krassesten Kiezdeutsch zutexteten - im Einzelgespräch aber so breites Schwäbisch sprachen, dass Sebastian Mühe hatte, ihnen zu folgen. Er hoffte, dass er sie diesmal endlich wegen Sachbeschädigung drankriegte.

Sebastian überflog den Bericht und kürzte einige Stellen. Diese "Fälle" waren trivial und lächerlich. Eine ernsthafte Beleidigung für seinen Intellekt. Aber das vergangene Jahr war voll davon gewesen, Familienstreit folgte Jugendbandenstreit folgte Diebstählen, die niemals gelöst werden würden und nur aus Trotz zur Anzeige gebracht wurden. Sebastian massierte sich die Nasenwurzel. Er fühlte die beginnende Depression wie einen abklingenden Kater. Sein Leben lang hatten die Aufgaben, die man ihm übertragen hatte, nie seinen Ansprüchen an sich selbst entsprochen, weder in der Schule noch im Studium noch während der Ausbildung. Und mit jeder Beförderung wurde es schlimmer. Er war erst vierunddreißig, und nun würde er bis zur Pension diesen dämlichen Fällen nachgehen oder in einer Kurzschlussreaktion den Dienst quittieren. Er fürchtete sich vor beidem. Er hatte die Position als Kommissar vor nicht ganz vierzehn Monaten angenommen, nachdem er unerwartet an die Spitze der Beförderungshierarchie geklettert war.

Nacheinander waren in dem Urwald von Ranghöheren und beflissenen Arschkriechern die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Andreas Wagner hatte auf einem Empfang des Innenministers die achtzehnjährige Tochter des Polizeipräsidenten ein wenig zu intensiv mit Bowle versorgt, Mathias Borsig war strafversetzt worden, niemand wusste, weshalb. Fred Maurer war nach einem irgendwie bekannt gewordenen Abmahnungsprozess, bei dem ihm das Herunterladen und Verbreiten von vier Dutzend schwedischer Pornos nachgewiesen werden konnte, als Vorgesetzter nicht mehr tragbar gewesen. Es gab einen Todesfall, mehrere Versetzungen und eine beträchtliche Fluktuation zu privaten Sicherheitsfirmen.

Als schließlich die jährlichen Pensionierungen weitere Stellen freigegeben hatten, stand Sebastian alleine auf weiter Flur. Vor Hedwig Bausch-Mahnfeld, der Leiterin der Innenstadtpolizei, hatte ein selbst ernannter Beraterstab argumentiert, dass Sebastian Möllner das Studium zum Polizei-Verwaltungswirt mühelos absolviert hatte, in Rekordzeit, während des aktiven Dienstes. Sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg. Denn etwas abschätzig hatte man sich daran erinnert, dass irgendwo in Sebastians Lebenslauf ein abgebrochenes Universitätsstudium erwähnt wurde. Man schloss daraus, dass er zumindest auf dem Papier auch intellektuell für eine Beförderung in Frage käme, und überhaupt - diesem arroganten Akademiker wollte man schon zeigen, dass die Realität des Polizeialltags, mit Verlaub, nicht nur aus dem Schreiben von eloquenten Berichten, Führerscheinkontrollen und Ladendiebstählen bestand, sondern eben durchaus auch aus Erpressung, Mord, Vergewaltigung und zerteilten Selbstmördern auf der Neckarbahn.

Man hatte Sebastian beim Weihnachtsessen zwischen zäher Gans und Dr.-Oetker-Pudding über die Beförderung informiert. Bausch-Mahnfelds beglückwünschender Handschlag hatte sich aufgrund ihrer Neurodermitis wie das Streicheln eines gefährlichen Reptils angefühlt. Nur der Rotwein war gut gewesen.

Kurz nach Mitternacht hatte Bausch-Mahnfeld Sebastian in ihr Büro gebeten, er

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