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Schwarzblende Kriminalroman von Beck, Zoë (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Schwarzblende

Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London - und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten
London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.

Zoë Beck, geboren 1975, lernte Klavier und studierte Literatur. Nach diversen Film- und Theaterjobs arbeitet sie heute als Autorin und Übersetzerin. Für ihre Romane und Kurzgeschichten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641144555
    Verlag: Heyne
    Größe: 721 kBytes
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Schwarzblende

2.

H ey", sagte das grüne Shirt zu einem der Jogger. "Hey! Was machst du mit dem Handy?"

Der Mann, der die Polizei gerufen hatte, ließ das Telefon fallen und hob die Arme. "Nichts, nichts."

Der in Grün hob seine Machete und ging auf ihn zu. "Nichts? Willst du mich verarschen? Hast du telefoniert?"

Der Jogger machte sich in die Hose. Sein Begleiter stöhnte auf, vor Entsetzen oder weil es ihm peinlich war. Statt ihm zu helfen, war er zurückgewichen.

"Telefonieren ist scheiße. Ihr sollt Respekt haben. Nicht telefonieren." Er stellte sich direkt vor den Jogger. "Du sollst dir genau ansehen, was wir machen. Hast du gehört? Nicht telefonieren. Das ist scheiße."

Der Jogger wimmerte.

Niall rief: "Er hat nichts gemacht. Ich hab's gesehen."

Er hielt die Kamera weiter auf den Machetenmann gerichtet, merkte aber, dass ihm schwindlig wurde.

"Du!", rief der im grünen Shirt. "Du hast aufgepasst, ja?" Er ließ die Machete sinken. "Hast du das alles aufgenommen?"

Niall nickte.

"Alles?"

"Ja."

"Gut. Warte. Geh nicht weg." Er zog etwas aus der Hosentasche, ein Stück Stoff, das er auseinanderfaltete. Ein schwarzes Rechteck, oben in Weiß arabische Schriftzeichen, darunter ein weißer Kreis, ebenfalls mit Schriftzeichen. Die Flagge des Islamischen Staats. Er ging zurück zu seinem Freund und dem Toten, stellte sich vor die beiden und schwenkte das Tuch.

"Ist das drauf? Hast du's?"

Niall nickte. Er hatte Angst. Einerseits zog ein Fluchtreflex an ihm. Andererseits wollte er bleiben und sehen, wie es weiterging.

"Komm näher", sagte der mit der Flagge.

Niall gehorchte. Er war kein Deut besser als alle anderen, die stehen geblieben waren, aber bei ihm kam noch etwas hinzu: eine Art Pflichtgefühl. Er hatte alles, was geschehen war, dokumentiert, und jetzt war es seine Aufgabe, die beiden abzulenken, von den Joggern, von den anderen Menschen, die hinzugekommen waren, von den Frauen mit dem Kinderwagen, die immer noch im Park waren, anstatt sich und das Kind in Sicherheit zu bringen. Niall konzentrierte sich auf seine Angst, wusste, dass er sie nutzen musste wie ein Schauspieler sein Lampenfieber.

"Ihr kämpft für den Islamischen Staat?", fragte er.

"Ja!", rief der andere stolz und schwenkte noch einmal mit Hingabe die Flagge.

Der Mann in Blau schob ihn beiseite, dabei hinterließ er einen Blutabdruck auf dessen Shirt. Er ging direkt auf Niall zu und sah in die kleine Smartphone-Kamera. Niall hatte Mühe, ruhig stehen zu bleiben. Seine Instinkte riefen ihm zu: abhauen. Er hatte schon andere Raubtiere vor der Kamera gehabt und sie beim Töten gefilmt, aber keines war ihm so nah gekommen. Er stellte sich breitbeinig hin, um seinem Körper die Illusion von Stabilität zu geben, und hielt das Smartphone mit beiden Händen. Die Aufnahme verwackelte trotzdem.

"Wir haben einen Soldaten getötet." Der Mann zeigte mit der blutigen Machete auf den Toten im Gras. Nialls Blick und die Kamera folgten der Geste. Der Junge am Boden hatte sehr akkurat und kurz geschnittenes, hellbraunes Haar. Er war höchstens Anfang zwanzig. In jedem Fall jünger als Niall, auch jünger als die beiden Männer. Er trug normale Kleidung. Nichts wies darauf hin, dass er Soldat war. Vom Haarschnitt einmal abgesehen, aber dieser Kurzhaarschnitt konnte alles bedeuten. So wie die Bärte der beiden anderen auch alles Mögliche hätten bedeuten können.

"Wir haben einen britischen Soldaten getötet, weil wir im Krieg sind."

"Welcher Krieg? Meinst du den Dschihad?"

"Wir befinden uns im Krieg gegen alle, die den Islamischen Staat nicht anerkennen."

"Ihr seid Dschihadisten?" Nialls Hände waren jetzt ruhiger, dafür klang seine Stimme etwas kratzig.

Der Grüne hob den rechten Zeigefinger und grinste in die Kamera. Der Blaue sagte: "Wir töten eure Soldaten, weil ihr unsere Soldaten getötet habt. Wir

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