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Schwarzlicht Kriminalroman. von Dullin, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2015
  • Verlag: Querverlag
eBook (ePUB)
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Schwarzlicht

Ein Mord - der Täter gefaßt. Sechs Schwule, die sich übers Wochenende auf einem Bauernhof erholen wollten, beschließen dennoch zu bleiben. Ihre Gedanken und Gespräche kreisen um die grausame Tat: Wer war der Hetero, der ihren Freund erschossen hat? Stecken Haß und Intoleranz dahinter? Plötzlich werden die Freunde mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert, mit der Einsicht, daß sie, abgesehen von ihrer sexuellen Orientierung, wenig gemeinsam haben: Arnim, der Skinhead und mögliche Neonazi, Maik, der Schwarze, und Josef, der Trinker. Peter und Martin, die Berlin den Rücken gekehrt haben, um auf dem Hof ihre Beziehung zu leben, und Ralf, der den Tod seines Freundes hinnimmt, als ginge er ihn nichts an. Schwarzlicht ist ein packender Krimi - und mehr: Denn Markus Dullins Debütroman beleuchtet die schwule Szene in ihren verschiedenen Facetten und wirft Fragen auf nach den eigenen Klischees, der eigenen Intoleranz, vor denen die Zugehörigkeit zu einer Minderheit beileibe nicht schützt.

Markus Dullin, geboren 1964 in Berlin, lebt seit einem dreijährigen Aufenthalt in Nairobi/Kenia wieder in seiner Heimatstadt. Studium der Anglistik und Wirtschaftswissenschaften. 1998 wurde er für den Literaturpreis der Schwulen Buchläden nominiert. Mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 10.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896565914
    Verlag: Querverlag
    Größe: 287kBytes
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Schwarzlicht

Kapitel 1

Der Körper lag bäuchlings auf dem gepflügten Ackerboden, die Beine weit gespreizt. Der linke Arm war unnatürlich gedreht, und die Finger griffen gegen den Himmel, als hätten sie versucht, dort Halt zu finden. Das Gesicht lag in eine der Furchen gedrückt. Zu sehen war davon nur das kurze, dunkle Haar, das rechte Ohr voll Sand, und der silberne Ohrring darin. Kein Blut, keine Wunde zeichnete sich durch das weiße T-Shirt ab, aber auch kein Heben und Senken des Brustkorbes oder gar ein Laut, der aus dem Dreck hervordrang. Nur diese Stille, die schrecklicher war als jeder Schrei, jeder Hilferuf.

Kai hockte sich neben den Toten in den Sand, streckte vorsichtig die Hand nach ihm aus. Doch bevor er die kalte Schulter berühren konnte, zog er sie zurück. Er mußte sich nicht erst davon überzeugen, wie Andreas gestorben war. Er wußte es. Ohne den Blick abzuwenden, tastete Kai nach der Pistole dicht neben ihm. Er hob sie auf, wog sie in der Hand. Dann wischte er sanft die dunkle Erde von der Waffe, und steckte sie in den Bund seiner Jeans.

Es war nicht der erste Tote, den Kai sah. Da war der Typ im Leichenschauhaus, den er identifizieren mußte, und Bernd, der an seinen Verletzungen im Krankenwagen krepiert war. Beide Male hatte er ihre erstarrten Gesichter gesehen, bläulich verfärbt oder blutverschmiert. Trotz des Ekels, der in ihm aufgestiegen war, hatte er sich nicht abgewandt. Er hatte den Tod sehen wollen. Auch jetzt wäre es ihm lieber gewesen, Andreas hätte ihn angestarrt mit aufgerissenen Augen, mit blutbeflecktem Oberkörper, mit irgend etwas, das seinen Tod sichtbar gemacht hätte. Der Körper dagegen wirkte bedrohlich in seiner Abgewandtheit, dem Hinterkopf ohne Gesicht und dieser greifenden Hand ins Nichts. Aber Kai wagte nicht, ihn umzudrehen. Zu viele Spuren hatte er bereits hinterlassen. Seine Schuhabdrücke, die im lockeren Ackerboden deutlich zu erkennen waren, und die Fingerabdrücke auf der Pistole. Er wollte nicht auch noch Blut an seinen Händen. Und Andreas' Gesicht konnte ihm eh nichts mehr sagen.

Aus der Hocke heraus drehte Kai sich um, vergewisserte sich, daß niemand ihm gefolgt war. Die Pappeln, die den Feldweg säumten, verdeckten den Blick auf den Hof. Lediglich der alte Kuhstall war zu sehen, und zwischen den Ästen hindurch, hinter der wildgewachsenen Hecke, das Dach des Wohngebäudes. Von dort drang kein Laut. Da war niemand, der etwas gesehen hatte. Er war mit Andreas allein.

Aus seiner Hosentasche zog Kai ein Taschentuch, legte es über seine Hand und streckte sie erneut nach dem Toten aus. Aber auch diesmal faßte er ihn nicht an. Es hatte keinen Sinn, ihn zu durchsuchen. Andreas trug lediglich ein weißes T-Shirt, an der einen Seite rot befleckt, wie er jetzt bemerkte, und enge Jeans, die keinen Platz gelassen hätten, für das, was Kai suchte. Womöglich hatte Andreas die Wahrheit gesagt.

Kai stand auf, klopfte sich den Sand von den Knien. Sein erster Gedanke war, einfach loszulaufen, quer über den Acker, fort von dem Haus hinter ihm, fort von seinen Bewohnern, die ihn anwiderten, und fort von Andreas. Aber wohin sollte er fliehen? Weit und breit gab es keinen Ort, geschweige denn eine Stadt, überall lediglich Felder, Büsche, einige Bäume. Es würde nicht lange dauern, und man hätte ihn eingeholt. Sobald die anderen Andreas gefunden hatten, wäre die Polizei ihm auf den Fersen. Es gab nur die Flucht nach vorn - und das hieß, zurück zum Haus. Seine Autoschlüssel lagen in ihrem Zimmer im ersten Stock, in der Tasche neben der Matratze, auf der Vera wohl noch schlief. Er würde sie leise holen, dann mit dem Auto davon fahren, irgendwohin. Dieser Vorsprung mußte genügen.

Ein dumpfes Geräusch riß Kai aus seinen Gedanken. Er blickte zurück zum Hof, aber die Pappeln ließen nicht erkennen, wer aus dem Haus getreten war. Wieder zögerte er, obwohl er keine Wahl hatte. Wer immer es war, er mußte demjenigen gegenübertreten, ihn davon abhalten, die Leiche

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