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Schwarzwald sehen und sterben Kriminalroman von Wehrle, Ute (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Schwarzwald sehen und sterben

Auf der Beerdigung von Oma Rosi ist der Teufel los - im Grab der Alt-68erin liegt bereits eine Leiche. Und zwar die des allseits unbeliebten ehemaligen Geschichtslehrers Lothar Sattler. An Mordverdächtigen mangelt es nicht, da sich der seltsame Kauz zu Lebzeiten jede Menge Feinde gemacht hat. Bei ihrer Suche nach dem Täter schenken die Hobbyermittler Max und der pensionierte Polizist Thomas Braun den römischen Münzen, die der Tote bei sich hatte, zunächst keine Beachtung. Bis ein zweites Mordopfer im Titisee gefunden wird ... Ute Wehrle ist gebürtige Freiburgerin und studierte Touristik-Betriebswirtschaft in Heilbronn. Sie arbeitet als freie Autorin und Journalistin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960411987
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3254 kBytes
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Schwarzwald sehen und sterben

EINS

Hatten die Kroaten denn nichts Besseres zu tun gehabt, als so ein überflüssiges Ding zu erfinden? Seit einer gefühlten Ewigkeit kämpfte Max Futterer jetzt schon mit einer dunkelgrauen Krawatte, die sich einfach nicht binden lassen wollte. Wie eine ohnmächtige Blindschleiche baumelte sie schlaff um seinen Hals.

Herrschaftszeiten, fluchte er lautlos. So schwer konnte das doch nicht sein, andere bekamen das schließlich auch hin. Doch egal, wie er es anstellte - der Knoten ließ sich einfach nicht bis zum obersten Hemdknopf schieben. Krawattenbinden war wohl eine Wissenschaft für sich. Zugegeben mangelte es ihm in dieser Disziplin an Übung, denn Max konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so einen Henkerstrick aus Seide getragen hatte. Vermutlich bei seiner Kommunionsfeier, als ihm in der Christkönigskirche übel geworden war. Sehr zum Leidwesen seiner Mutter, der es furchtbar peinlich gewesen war, dass er sich beinahe übergeben hatte, als ihm der Pfarrer erstmals die Hostie auf die Zunge legte. Als ob es seine Schuld gewesen wäre, dass die Ministranten ausgerechnet an jenem Tag beschlossen hatten, mit geschickten Dreihundertsechzig-Grad-Schwenkungen des Weihwasserkessels das ganze Kirchenschiff unter Dampf zu setzen. Seither konnte Max Weihrauch nicht mehr riechen, ohne dass sich ihm der Magen umdrehte. Und Kirchen betrat er nur noch, wenn es sich absolut nicht vermeiden ließ.

Ob es in Einsegnungshallen auch so fürchterlich nach dem Zeug roch? Hoffentlich nicht, ihm war auch ohne Weihrauch schon schlecht genug.

Erneut fummelte Max an seiner Krawatte herum, kapitulierte dann aber und warf sie in die Ecke seines Badezimmers, wo bereits eine schmutzige Jeans, drei Hemden und ein mit Kaffeeflecken verziertes graues T-Shirt lagen und sehnsüchtig auf die Waschmaschine warteten. Normalerweise konnte es Max nicht leiden, wenn sich in seiner Wohnung Unordnung breitmachte, aber momentan hatte er wahrlich andere Sorgen als seine Schmutzwäsche.

Erleichtert öffnete er den obersten Knopf seines weißen Hemdes, das er in den Bund seiner schwarzen Hose gesteckt hatte, und fuhr sich mit der Hand durch seine kurz geschnittenen Haare.

Seine Oma würde ihm die fehlende Krawatte bestimmt nicht übel nehmen, sie hatte noch nie viel auf Konventionen gegeben. Bei seiner Mutter war er sich da nicht so sicher, doch darauf konnte er jetzt echt keine Rücksicht nehmen.

Nach einem letzten Blick in den Spiegel verließ Max eilig das Badezimmer und zog sich seine schwarzen Schuhe an, die er sonst nur im Theater trug, weil sie so unbequem waren. Obwohl in Freiburg der Frühling schon lange Einzug gehalten hatte und die Forsythien in voller Pracht standen, schnappte er sich vorsichtshalber seine dunkle Lederjacke, die an der Garderobe hing, bevor er die Wohnungstür hinter sich zuzog. Er hatte keine Lust, sich zu erkälten, denn in seinem Heimatort konnte es sogar noch Anfang Mai empfindlich kühl sein, wie er aus eigener leidvoller Erfahrung wusste.

Max seufzte unwillkürlich. Dem rauen Klima im Schwarzwald, wo er aufgewachsen war, hatte er noch nie etwas abgewinnen können. Wenn er nur daran dachte, wie oft er Ostereier im Schnee hatte suchen müssen. Es grenzte an ein Wunder, wenn sie nicht tiefgefroren waren. Nein, da waren die milden Temperaturen in Freiburg schon eher sein Ding, auch wenn es in seiner Altbauwohnung mitten im Stühlinger im Sommer ganz schön heiß werden konnte.

Im Treppenhaus kam ihm seine Nachbarin, eine resolute Dame Mitte siebzig, entgegen. Sie wies starke Ähnlichkeit mit Klementine aus der Waschmittelwerbung auf - nur dass Frau Willmann keine Klempnerhosen, sondern eine graue Leinenhose mit dazu passendem Blazer trug. Mit einer Hand zog sie eine leicht übergewichtige Promenadenmischung an der Leine hinter sich her, in der anderen hielt sie einen Strauß Tulpen, der bestimmt aus ihrem kleinen Garten hinter dem Ha

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