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Schweigende See Nordsee-Krimi von Ohlandt, Nina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Schweigende See

Am Strand von Sylt wird die Leiche einer Frau gefunden, die erst seit Kurzem auf der Insel lebte. Wer könnte ihr nach dem Leben getrachtet haben, fragt sich Hauptkommissar John Benthien. Denn schon einmal wurde ein Anschlag auf sie verübt. Benthiens Ermittlungen werden komplizierter als gedacht, denn der Mord führt ihn zu einem bislang unbekannten Ereignis der deutsch-deutschen Vergangenheit, das manche Menschen gerne für immer verbergen würden. Und zu seinem Entsetzen spielt auch sein Vater dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Nina Ohlandt wurde in Wuppertal geboren, wuchs in Karlsruhe auf und machte in Paris eine Ausbildung zur Sprachlehrerin, daneben schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Später war sie als Übersetzerin, Sprachlehrerin und Marktforscherin tätig, bis sie zu ihrer wahren Berufung zurückfand: dem Krimischreiben im Land zwischen den Meeren, dem Land ihrer Vorfahren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 527
    Erscheinungsdatum: 27.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732578207
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 712 kBytes
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Schweigende See

Kapitel 1

Wuppertal, Anfang August

Hannah Landsberg stand am Fenster ihres Zimmers unter dem Dach und starrte auf die Straße hinab.

Konnte er es wirklich sein? War das möglich?

Sie spürte, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufstellten, wie sie, trotz der Hitze draußen und im Haus, eine Gänsehaut überlief. Die Figur, der schlaksige Gang, die dunklen Locken ... alles stimmte, und dennoch war es schlichtweg unmöglich. Auch er war fünfzig Jahre älter geworden inzwischen, auch vor ihm hatte die Zeit nicht haltgemacht.

Sie schüttelte den Kopf. Wie dumm sie war!

Derjenige, der da unten die steile Straße hinunterlief, vorbei an den Vorgärten der Nachbarschaft, war ein junger Mann und hatte mit ihr und ihrer Geschichte nichts zu tun.

Immer noch fröstelnd schlang Hannah die Arme um sich. Das ärmellose Sommerkleid schien auf einmal viel zu kalt zu sein. Sie versuchte vergeblich, die schlimmen Erinnerungen abzuschütteln, die dieser Mann auf der Straße bei ihr ausgelöst hatte: Bilder von steilen, staubigen Gassen, durch die sie atemlos floh, verfolgt von einer grölenden Männerhorde; Bilder von alten Frauen oder Greisen, die neugierig, lachend, rauchend aus den Fenstern hingen und die Verfolgungsjagd als einen Scherz ansahen, die glühende Sonne, der Schweiß, der Schmutz, die meckernden Ziegen, die ihr den Weg versperrten, der durchdringende, Übelkeit erregende Duft von Thymian, ein Gewürz, das sie niemals mehr verwenden würde ... Diese Bilder, unauslöschlich eingebrannt in ihre Seele, hatten ihr halbes Leben geprägt, sie nie wieder losgelassen, waren bis heute nächtelang ihre treuen Begleiter. Und nun, in dieser nüchternen westdeutschen Stadt, in einer Straße, die außer einem gewissen Gefälle keinerlei Ähnlichkeit mit ihrem damaligen Leidensweg hatte, suchten sie Hannah erstmalig mitten am Tage heim.

Erschrocken zuckte sie zusammen, als es hinter ihr leise an der Tür klopfte. Es war Doro, nur Doro, wer denn sonst. Brigitte beliebte es ja immer noch, mit dem Rollstuhl durch die Gegend zu fahren oder vielmehr: sich fahren zu lassen. Sie würde niemals die Treppe hochsteigen.

Doros liebes Gesicht, gesund, braun gebrannt und voller Sommersprossen, strahlte Hannah an. "Ich habe Kaffee gekocht und im Garten den Tisch gedeckt. Kommst du?"

Hannah drehte sich um und lächelte. Nach der Plackerei mit den Umzugskisten kam ihr eine Erfrischung recht. "Ich bin gleich so weit."

"Es gibt warme Pförtchen mit Kirschen und Eis, also warte nicht zu lang." Doro ließ den Blick über Taschen und leere und halb gepackte Koffer schweifen, die überall im Zimmer herumstanden oder auf dem Sofa lagen. "Hannah, Liebes, sag doch was, ich kann dir doch helfen!"

"Du hast selbst genug Arbeit mit deinen Koffern, Doro. Außerdem sollst du uns nicht so verwöhnen! Brigitte kann auch mal was tun!"

"Bald habe ich keine Gelegenheit mehr, euch zu verwöhnen", sagte Doro wehmütig, "daher lass es mich noch eine Weile genießen." Vorsichtig stieg sie die steile Treppe wieder nach unten.

Gerührt sah Hannah ihr hinterher. Die gute Doro! Seit der Schulzeit waren sie beste Freundinnen, seit einem halben Jahrhundert. Das Leben hatte sie auseinandergeführt, doch dann waren fast zeitgleich Doros Ehemann Bruno und Hannahs Lebensgefährte Enno gestorben. Hannah war von Ennos Tochter Fenja, der es nicht schnell genug gehen konnte, den gepflegten alten Niedersachsenhof auszuräumen und zu verkaufen, per richterlichem Beschluss auf die Straße gesetzt worden. Und Doro, die sich in ihrem Häuschen in Wuppertal, weit weg von Hannah, sehr einsam fühlte, hatte der so plötzlich obdachlos gewordenen Freundin vorgeschlagen, zu ihr zu ziehen. Dafür war Hannah ihr ewig dankbar.

Noch einmal warf sie einen prüfenden Blick auf die Straße, doch die lag flirrend und menschenleer in der Sonne. Es war eine kurze Anwohnerstraße, die oben auf dem Parkplatz eines Friedhofs endete, eine stille, ruh

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