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Seelen unter dem Eis Psychothriller von Korten, Astrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 05.10.2020 per Download lieferbar

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Seelen unter dem Eis

Ein eindringlicher Psychothriller über die dunklen Seiten der Anziehungskraft und den Verrat aus Habgier von Bestseller-Autorin Astrid Korten 'Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein' (Joh. 8, 7) 'Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist.' Nach dem Tod seiner Mutter spürt der erfolgreiche Werbe-Macher Tom eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Dabei kommt es zur Konfrontation mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist. Gegen seinen Willen verfällt Tom der seltsamen jungen Frau mehr und mehr und gibt zum ersten Mal die Zügel aus der Hand. Obwohl Amal oft irrationales Verhalten an den Tag legt, vermag sich Tom ihrem erotischen Sog nicht mehr zu entziehen und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre - bis sein Doppelleben zu einer Katastrophe führt ... Das geschriebene Wort begleitet Astrid Korten seit ihrer Kindheit. Die in den Niederlanden geborene Autorin schrieb mit 13 Jahren bereits ihre erste Kriminalgeschichte. Doch bevor es zu Veröffentlichungen kam, studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Nach dem Verkauf ihres Pharmaunternehmens machte sie das Schreiben zum Beruf. Ihr Debütroman 'Eiskalte Umarmung' avancierte sofort zum Platz 1-Bestseller. Seitdem folgten weitere spannende, erfolgreiche Thriller und Romane in mehreren Sprachen sowie mehrere Drehbücher. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Essen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 05.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492986458
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 4306 kBytes
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Seelen unter dem Eis

Eine neue Herausforderung

Mein Vater fing sich kurz nach dem Tod meiner Mutter wieder. Er brauchte dafür nur zwei Wochen. Seine stille Trauer wich lautstarken Aktionen; er und sein Bruder rissen die Wand zwischen dem Wohnzimmer und der Küche nieder, mauerten eine Art Theke und tapezierten das Wohnzimmer zusammen mit zwei Neffen.

Eines Nachmittags, als ich meinen Vater besuchte, fand ich ihn im Wohnzimmer mit einer etwa vierzig Jahre alten Frau.

"Das ist Emilia." Er sah mich ein wenig befangen an und murmelte: "Emilia, darf ich dir meinen Sohn vorstellen. Emilia ist Innenarchitektin."

"Innenarchitektin?", frage ich und schüttelte ihre Hand.

"Ihr Vater möchte alles nach seinem Geschmack verändern. Richtig, Leo?" Sie sprach sehr artikuliert.

Mein Vater nickte zustimmend, seine Wangen glühten rot auf. Als ich die beiden drei Minuten später verließ, begleitete er mich zu meinem Wagen und klopfte mir jovial auf die Schulter. "Es ist Zeit für etwas Neues, Tom."

Ich antwortete nicht, stieg ein und fuhr ohne Gruß davon. Im Innenspiegel sah ich, wie er mir zaghaft hinterherwinkte.

Erst zwei Wochen später ging ich wieder zu ihm. Nichts deutete darauf hin, dass mein Vater seine Frau erst vor kurzer Zeit zu Grabe getragen hatte. Jegliche Trauer war von der Innenarchitektin überpflastert worden. Die Wände wurden farbenfroh getüncht, Skulpturen, Bilder und andere wertvollen Dinge fanden einen anderen Platz und gaben dem gesamten Innenraum eine neue Dimension. Die Bibel, die immer an einer hervorgehobenen Stelle auf dem Sideboard gelegen hatte, fand ich in einer Schublade, zusammen mit den Fotos meiner Mutter. Ich wusste nicht, ob ich mich dafür schämen sollte.

Ich durchlief die Trauerphase auf eine ganz andere Weise. Es erschien mir unwirklich, dass ich keine Mutter mehr hatte, es ließ mich unruhig werden. Ich konnte jederzeit in Tränen ausbrechen: beim Binden der Schnürsenkel, beim Ein- oder Ausräumen der Spülmaschine, an der Kasse im Supermarkt oder wenn Helen ihren Tee auf eine bestimmte Weise trank. Zum ersten Mal in meinem Leben erkannte ich, dass die Anwesenheit meiner Mutter für mich so selbstverständlich gewesen war wie die Sonne am Himmel; sie war immer da gewesen, auch wenn ich sie nicht sah.

Ich nahm mir ein paar Wochen frei und übergab meine Führungsaufgaben bei TOM an die Account-Manager; ich brauchte Zeit. Während dieser trüben Wintertage irrte ich oft durch unser Haus und suchte nach einem Ort, der mir Stabilität und Ruhe geben könnte. Ich wechselte ständig zwischen Arbeitszimmer und Wohnzimmer hin und her. Setzte mich auf das Ledersofa, stand auf, ging zurück ins Büro. Begleitet von tiefen Seufzern, fuhr ich den Computer hoch und sofort wieder runter. Zurück im Wohnzimmer schaute ich fern. Ich weinte bei den Nachrichten und schaltete den Fernseher wieder aus. In der Küche, auf einem Barhocker sitzend, schaute ich zu, wie der Kaffee aus der Kaffeemaschine in die Glaskanne lief. Ich weinte über die letzten Tropfen, die durch den Filter tröpfelten. Ich ging wieder ins Wohnzimmer, setzte mich hin, weinte.

Nach zwei Wochen schritt Helen ein. "Warum gehst du nicht für eine Weile nach draußen?", fragte sie, als sie mich eines Nachmittags von ihrer Arbeitsstelle aus zu Hause anrief. Ihre Stimme klang leicht verärgert. "Du wirst dich nicht besser fühlen, wenn du dich nur noch im Haus aufhältst. Dir fällt doch die Decke auf den Kopf. Geh spazieren oder fahr einfach mal hinaus in die Natur!"

"Nein, das gefällt mir nicht", antwortete ich schroff, "es ist ungemütlich da draußen, und es stürmt!" Aber nachdem ich aufgelegt hatte, schnappte ich mir doch die Autoschlüssel und fuhr wenig später durch die Schneelandschaft.

Die Heftigkeit des langsam abziehenden Sturms ließ ein zitterndes Schimmern in der Luft zurück. Nebel kroch über den Boden, dampfende Finger, die die Landschaft in geheimnisvolle Schemen verwandelten. Der unentwegt auf da

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