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Sherlock Holmes und der Golem von Prag von Walter, Klaus-Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2016
  • Verlag: KBV
eBook (ePUB)
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Sherlock Holmes und der Golem von Prag

Sherlock Holmes meets Franz Kafka Ein burleskes Abenteuer, in dem Klaus-Peter Walter den Leser in augenzwinkernder Manier mitten hinein in die Literatur- und Weltgeschichte entführt. Sherlock Holmes plant überraschend eine Reise nach Prag. Lockt ihn etwa die Nachricht des Versicherungs-Concipisten und Schriftstellers Dr. Franz Kafka? Der nämlich glaubt, einem leibhaftigen Golem, jener furchterregenden Gestalt aus der jüdischen Legende, begegnet zu sein. In Wahrheit schickt sein Bruder Mycroft, der ein hohes inoffizielles Amt in Whitehall bekleidet, ihn auf geheime Mission. Jemand verkauft militärische Geheimnisse - auch solche aus Großbritannien - nach Russland. Und so geraten der Detektiv und sein treuer Begleiter Dr. Watson kurz vor dem Ersten Weltkrieg im winterlichen Böhmen in ein lebensgefährliches Komplott voller geheimnisvoller Erfindungen, finsterer politisch-militärischer Planspiele und Verrat. Ihre Ermittlungen führen sie zu der russischen Kriminalschriftstellerin Marietta Schaginjan und zu dem zwielichtigen Oberst Redl vom k.u.k.-Geheimdienst. Und schließlich sogar zu einem Golem - aber diese Begegnung verläuft gänzlich anders als erwartet ...

Klaus-Peter Walter ... Dr. phil., geb. 1955 in Michelstadt/Odw., studierte Slawistik, Philososophie und osteuropäische Geschichte in Mainz und promovierte 1983. Er lebt als freier Autor in Bitburg/Eifel. Von 1993 bis 2014 war er Herausgeber des Lexikons der Kriminalliteratur LKL und schrieb neben zahlreichen Kurzgeschichten in diversen Anthologien auch für FAZ, Kindler und Reclam. Seit 2008 schreibt er Sherlock-Holmes-Romane, -Erzählungen und -Hörbücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 290
    Erscheinungsdatum: 17.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954413010
    Verlag: KBV
    Größe: 1019kBytes
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Sherlock Holmes und der Golem von Prag

Der landarme Idiot

E s ist möglich, dass einige Menschen mit Hans Wanka Mitleid empfunden hätten, hätten sie von seinem Schicksal erfahren. Das ist jedoch wenig wahrscheinlich. Hans arbeitete als Maschinist in einer der Spinnereien der hageren Baronin. Er hatte deren Missfallen erregt, als sie ihm entschieden zu nahe trat - und damit war sein Schicksal besiegelt. Nicht zu Unrecht argwöhnte die Baronin, dass Hansens offen zutage getretene Abscheu beim Anblick ihres halb entblößten Leibes, und das anschließende Versagen seiner Männlichkeit, als sie ihn wie eine Spinne ihre Beute zu packen versuchte, an ihrem Alter liege. Sie hatte bereits vor einigen Jahren ihren siebzigsten Geburtstag begangen, und das waren sicherlich fünfzig Jahre zu viel für den verzagten Jüngling.

Hans war noch ein Knabe gewesen, als seine Mutter starb. Sein Vater Hermann, der als Einbeiniger aus einem Krieg in einem fernen Land zurückgekehrt war, nahm daraufhin das Waisenmädchen Fanny in seine Dienste, das sich um das Wohlergehen des Sohnes zu kümmern hatte. Gleichermaßen kümmerte sich Fanny auch um das leibliche Wohlergehen des Vaters. Hans wusste das, denn er hatte das blonde, bei aller Schönheit aber einfältige Mädchen schon mehrfach heimlich beim Waschen durch die beschlagenen Scheiben ihrer Kammer beobachtet und gesehen, wie sie hernach in das Schlafgemach des Vaters geschlichen war. Obwohl sie sich dabei immer sorgfältig im Flur umzublicken pflegte, ob jemand anwesend sei, der sie hätte sehen können, hatte sie Hans nie bemerkt.

Eines Nachts belauschte er einen Streit zwischen dem Vater und Fanny. Ohne einzelne Worte zu verstehen, hörte er Fanny schluchzen und die barsche Stimme des Vaters. Kurz darauf kam Fanny in Hanses Kammer, sagte "Pscht" und legte sich zu ihm unter die Bettdecke. Mit heißen Fingern umfasste sie seinen klammen Körper. Hans wusste nicht, wie ihm geschah. So schnell, wie Fanny von ihm Besitz nahm, so schnell hatte sich das Mädchen seines Leibes bedient und war wieder verschwunden.

Einige Tage später war der Vater wieder sehr zornig. Er schrie Hans an, der nicht verstand, was geschehen war. Welche Schande meinte der Vater? Nach und nach wurde aber sogar ihm klar, dass Fanny ein Kind erwartete. Der Vater beschuldigte Hans, dieses Kind gezeugt zu haben. Obwohl Hans genau wusste, dass Fanny schon vor dem kurzen Besuch bei ihm im verwaisten Bett der Mutter neben dem Vater gelegen hatte, wagte er keinen Widerspruch zu erheben und verteidigte sich nicht. Selbst dann noch schwieg er mit fest zusammengekniffenen Lippen, als Fanny weinend mit dem Finger auf ihn wies. "Er war so wild, ich konnte mich nicht wehren!", rief sie. Hans ahnte in seiner Arglosigkeit gar nicht, dass Fanny und der Vater sich abgesprochen hatten, um ihn ins Verderben zu führen.

Der Vater schimpfte von Unmoral und kündigte strengste Bestrafung an. Wiederum ein paar Tage später eröffnete er Hans, dass dieser in die Dienste der Baronin gegeben würde, die, seit Langem Witwe, wegen ihrer Härte von jedermann halb ehrfürchtig, halb hasserfüllt "die eiserne Baronin" genannt wurde. "Du bist deiner Herrin Gehorsam schuldig, so wie du mir Gehorsam schuldig bist!" Das war der Leitspruch, den der Vater seinem Sohn mit auf den Weg gab. Auf eine herzliche Umarmung verzichtete er zur Erleichterung des Sohnes.

Zwei Jahre mochten ins Land gezogen sein, als Hans einmal überraschend seine Heimatstadt besuchte. Vom Bahnhof aus ging er durch die Straßen, die zu seinem Elternhaus führten. Als er dort den Klingelzug betätigte und dem vertrauten Klang der Hausglocke lauschte, öffnete zu seiner großen Verwunderung niemand anderes als Fanny die Haustür, ihren Sohn, den kleinen Gebhart, auf dem Arm.

"Gu- guten Tag, Fanny", stotterte Hans.

"Ich heiße jetzt Frau Hermann Wanka, junger Mann, und mein Gatte Hermann ist nicht zu Hause. Ich darf Sie nicht einlassen. Danke für Ihren Besuch und auf Wiedersehen!"

Dann

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