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Siegeszeichen Kriminalroman von Crönert, Claudius (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Siegeszeichen

Für eine teure Behandlung seiner schwerkranken Tochter benötigt der ehemalige Bereitschaftspolizist Nathan Fleming viel Geld. Nach tödlichen Schüssen auf einen Jugendlichen heuert Nathan, selbst seelisch angeschlagen, als Personenschützer bei einem rechtspopulistischen Politiker an. Bald erkennt er, wie skrupellos dieser Mann handelt, um mit seiner Partei in die Schlagzeilen zu kommen. Nathan trifft eine folgenschwere Entscheidung, die ihn in höchste Gefahr bringt.

Claudius Crönert ist in Hamburg aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Berlin, wo er Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat. Von Anfang an arbeitet er doppelgleisig, als Autor und Journalist. Er ist politischer Korrespondent; daneben schreibt er Rundfunk-Reportagen, Zeitschriften-Artikel und Film-Beiträge. Als Autor schreibt er Drehbücher, Historische Romane und Krimis.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 441
    Erscheinungsdatum: 01.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839248010
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2712kBytes
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Siegeszeichen

EINS

In langen Wochen tropfte das Fass voll, jeden Tag ein bisschen, sodass es am Ende nur einer Kleinigkeit, einer umgestoßenen Bierflasche bedurfte, um es zum Überlaufen zu bringen. Nathan hob sie schnell wieder auf und besah sich den Schaden. Er war alles andere als groß, zwei Taschentücher reichten ihm, um die Pfütze aufzuwischen. Doch für Andrea war diese Lache auf ihrem Fußboden zuviel. In Windeseile legte sich eine glühende Röte auf ihre schmalen Wangen. Im Gegenlicht wurden ihre Konturen scharf. Ihre Stimme zitterte und war voller Bitterkeit, als sie ihre Vorwürfe herausbrachte, nicht laut, sondern mit unterdrückter Wut.

"Du tust nichts, und ich, ich ertrage dich nicht länger. Dein Geschlurfe nicht und deine stinkende Trainingshose nicht."

Angeekelt drehte sie sich weg, schnappte nach Luft, dann ging es weiter: "Da - das ist ein Urinfleck."

Sie fuhr den Arm so schnell aus, als wollte sie ihn schlagen, und zeigte mit dem Zeigefinger auf einen Punkt im Schritt. "Seit Tagen schon. Du hast eingepinkelt, Nathan Fleming, eingepinkelt wie ein kleiner Junge. Scheint dich nicht zu stören. Mich aber. Mich stört er gewaltig. Ich find's ekelhaft."

Ihre Sätze ließen Nathan an Gewehrsalven denken, an Schüsse aus einem Sturmgewehr. Er machte keine Anstalten, sich zu wehren, erst recht wollte er nichts zurückgeben, was das Feuer nur weiter anheizen würde. In vielen Dienstjahren darauf trainiert, seine Gefühle zu beherrschen, ließ er den Ausbruch über sich ergehen, als wäre Andrea eine Vorgesetzte, nicht seine Frau.

"Deine einzige Sorge ist,", rief sie und kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, "ob wir genug Bier im Kühlschrank haben. Wenn das nicht der Fall ist, dann gehst du raus. Aber auch nur dann. Schleppst dich zum Supermarkt. Fünf Minuten Fußweg. Große Leistung, Mann. Du kommst nicht mal auf die Idee, zu fragen, ob du etwas mitbringen sollst für den Haushalt."

Draußen ging ein sanfter Regen nieder. Es war warm, die Terrassentür stand offen, und über ihren kleinen Garten legte sich die Dämmerung, ein Zwielicht, im dem sich Katis Spielgeräte, die Schaukel und der Roller, langsam verloren. Nathan überlegte, die Tür zu schließen, aber schon die Vorstellung, aus seinem Sessel aufzustehen, erschien ihm mühsam. Und ob die Nachbarn sie hörten - was sie denken würden -, war ihm völlig egal.

Sie hatte keine Ahnung, wie es wirklich in ihm aussah. Ihre Fragen waren ihm oberflächlich vorgekommen, deshalb hatte er genauso geantwortet. Auch ihr Vorwurf stimmte nur zum Teil. Er brauchte das Bier keineswegs, zumindest nicht jeden Tag, sondern nur dann, wenn die Dämonen kamen. Dann gab es kein Mittel, das ihn in gleicher Weise entspannte. Für diesen Notfall Bier im Kühlschrank zu wissen, beruhigte ihn ungemein.

Er machte weiterhin keine Anstalten, sich zu verteidigen. "Andrea, bitte", brachte er nur hervor. Seine Stimme klang schwach.

Sie nahm keine Rücksicht und schien ganz und gar nicht zum Einlenken bereit. Mit dem ausgestreckten Arm winkte sie ab, eine reichlich dramatische Geste. "Hör bloß auf! Sieh in den Spiegel, dann weißt du, was ich meine. Du rasierst dich nicht und wäschst dich nicht. Deine Haare sind fettig, und schneiden lässt du sie auch nicht mehr. Seit du zurück bist, hast du bestimmt fünf Kilo zugenommen. Eine richtige Wampe hast du dir angefressen."

Er faltete die Hände über seinem Bauch, als müsse er ihn schützen. Ihr Vorwurf stimmte. Na und? Auch sie war dicker geworden, in den letzten Jahren schon, seit Kati auf der Welt war. Nur tat er einen Teufel, ihr den Vorwurf zurückzugeben, er wusste doch, sie war bis an die Grenze belastet, nicht durch die Arbeit mit ihrer kranken Tochter - Kati -, sondern vor allem wegen der steten Sorge um sie. Wer konnte da ans Abnehmen denken?

"Ich ...", begann er, ohne zu wissen, wie er seinen Satz weiterführen sollte. Ein jämmerlicher Versuch.

Auf dem Boden

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