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Sodom und Gomera Kriminalroman von Beckmann, Mani (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2013
  • Verlag: Zech Verlag
eBook (ePUB)
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Sodom und Gomera

Als Ute Ikemann nach vielen Jahren eine Postkarte von ihrer Zwillingsschwester von den Kanaren erhält, spürt sie sofort, dass sich hinter den belanglosen Zeilen ein verzweifelter Hilferuf verbirgt. Sie reist mit ihrem Freund Martin auf die Urlaubs- und Aussteiger-Insel Gomera, um ihre Schwester zu suchen. Es soll eine Reise in tragische Verstrickungen werden, in menschliche Abgründe und das Reich einer gefährlichen Sekte... Mani Beckmann, geboren 1965 in Alstätte/Westfalen, studierte Film- und Fernsehwissenschaft und Publizistik an der Freien Universität Berlin, arbeitet seitdem als freier Filmjournalist und Drehbuchlektor. Seit 1994 schreibt Beckmann Krimis und historische Romane, teilweise unter dem Pseudonym Tom Finnek.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 330
    Erscheinungsdatum: 16.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788494150104
    Verlag: Zech Verlag
    Größe: 653 kBytes
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Sodom und Gomera

1
Das Flugzeug landete mit einer halben Stunde Verspätung um kurz vor drei Uhr nachmittags auf dem Flughafen Reina Sofia. Noch vor sechs Stunden hatte ich bei elf Grad fröstelnd im Berliner Regen gestanden und auf mein Taxi gewartet, das mich zum Flughafen Tegel bringen sollte, und nun empfing mich strahlender Sonnenschein und eine brütende Hitze auf der Kanareninsel Teneriffa.
"Auf das Wetter ist da unten immer Verlass", hatte Ute mir versprochen und wie immer recht behalten. "Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist der Schirokko. Aber der kommt selten."
"Aha", hatte ich geantwortet und nicht recht gewusst, wovon sie sprach.
Ich stand in der Abfertigungshalle und sammelte mein Gepäck ein (wie nicht anders zu erwarten, war es das letzte, das auf dem Förderband erschien). Ich verstaute Jeansjacke und Pullover im Rucksack, setzte meine Sonnenbrille auf, stellte die Armbanduhr um eine Stunde zurück und begann allmählich zu begreifen, dass soeben mein erster längerer Urlaub seit Jahren begonnen hatte. Erst am Vortag hatte ich ein Last-Minute-Pauschalticket erstanden, und noch vor drei Tagen hatte ich nicht die leiseste Ahnung gehabt, dass ich mich an diesem Dienstagnachmittag in der Nähe des 28. Breitengrades auf einer Insel im Atlantischen Ozean befinden würde. Eigentlich sind spontane Entscheidungen nicht gerade meine Stärke, aber diesmal ging alles ganz plötzlich und erfolgte ohne lange Planung.
Es begann damit, dass Wuttke, mein Redakteur beim "Berliner Abendblatt", mir bei einer Kulturpreisverleihung am Samstag zu verstehen gab, es sähe in der nächsten Zeit ungünstig mit Aufträgen aus. Er wisse, dass man es als Freiberufler nicht einfach habe, und es tue ihm ja auch leid, aber so sei es halt im Journalismus. Nicht dass er mit meinen Texten unzufrieden sei, das nun gerade nicht, aber ob ich denn nicht schon einmal überlegt hätte, das Feuilleton aufzugeben und, sagen wir mal, in die Lokalberichterstattung zu wechseln. Im lokalen Sport würden zum Beispiel immer mal wieder patente Leute gebraucht. Eine verbale Ohrfeige durch die Blume!
"Das ist das Sommerloch, da sieht es immer ein wenig mau aus." Wuttke lächelte unecht. Von wegen Sommerloch! Es war September!
Um nicht auf der Stelle loszuheulen oder ihm an die Gurgel zu springen, grinste ich unbeholfen und stammelte etwas Ähnliches wie: "Ich hatte eh vor, erst mal ein wenig Urlaub zu machen."
"Na prima!" Er klopfte mir väterlich auf die Schulter. "Vielleicht sieht's ja in drei, vier Wochen wieder etwas besser aus. Und ich werde auf jeden Fall bei den Kollegen von der Lokalen ein gutes Wort für Sie einlegen." Wieder ein Schulterklopfer, dann ein aufbauendes Wort des Trostes: "Sie sind doch jung und flexibel. Ihnen gehört die Zukunft, mein lieber Brandt. Wie ich Sie beneide!" Damit war für Wuttke das Thema beendet, und er wendete sich wieder dem üppigen Büfett und der ebenso reichlich ausgestatteten Brünetten zu, die an einem Hähnchenschenkel knabberte und bewundernd an seinen Lippen hing.
Und ich war dazu verdonnert worden, in Urlaub zu fahren.

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