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Späte Vergeltung Thriller von Grand, Emmanuel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2017
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Späte Vergeltung

'Grand erinnert an Fred Vargas.' France Culture. In einer nordfranzösischen Kleinstadt wird die Leiche der drogenabhängigen Pauline gefunden. Der Schuldige scheint schnell ausgemacht: Ein Geldeintreiber, der für die illegalen Kredithaie arbeitet, bei denen Pauline eine hohe Summe geliehen hat. Wenige Tage später wird eine weitere Person ermordet, und die Polizei steht vor einem Rätsel. Doch dann stößt Kommissar Erik Buchmeyer, der die Gegend wie kein zweiter kennt, auf eine Spur, die ihn direkt in die Vergangenheit des Ortes führt. Und je länger er sich mit den damaligen Ereignissen beschäftigt, desto größer wird seine Gewissheit, dass auch nach über 30 Jahren Vergangenes längst nicht vergessen ist. Ein temporeicher Thriller, der von seiner Atmosphäre und den überzeugenden Charakteren lebt. Emmanuel Grand, geboren 1966 in Versailles, wuchs an der französischen Atlantikküste der Vendée auf. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen vier Töchtern in der Nähe von Paris und arbeitet als Webdesigner. Bei Rütten & Loening erschienen bisher seine Romane 'Der fremde Bretone' und 'Späte Vergeltung'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 14.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213211
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Les salauds devront payer
    Größe: 4153 kBytes
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Späte Vergeltung

Douve

1944. Brazzaville.

"Immer wieder heißt es, dass dieser Krieg mit einer sogenannten Befreiung der kolonisierten Völker enden muss. Im großen kolonialen Frankreich gibt es jedoch weder Völker, die befreit, noch rassische Diskriminierungen, die abgeschafft werden müssen. Es gibt Bevölkerungen, die sich französisch fühlen. Denen es darum geht, einen größeren Anteil am demokratischen Leben und an den demokratischen Institutionen Frankreichs zu haben. Frankreich ist bereit, ihnen das zu gewähren. Es gibt Bevölkerungen, die wir Schritt für Schritt in die Mündigkeit führen wollen. Die reifsten unter ihnen werden am politischen Prozess beteiligt werden, doch sie werden unter Unabhängigkeit nie etwas anderes verstehen als die Unabhängigkeit Frankreichs."

René Pleven, Kolonialminister

Konferenz von Brazzaville, 30. Januar 1944
Juli 1952. Haiphong.

Der Scout Car kroch langsam auf der Straße voran, die sich zwischen den Reisterrassen des Flussdeltas hinschlängelte. Auf beiden Seiten lagen schlammige, überschwemmte Felder, auf denen Bauern mit bloßen Händen den Boden umgruben. Unter der drückenden Hitze wiederholten sie mit ihren Strohhüten auf dem Kopf endlos die immer gleichen Bewegungen. Von Zeit zu Zeit konnte man phlegmatische Büffel sehen, die ihre schweren Körper über die Erddeiche schleppten. Kinder lagen auf ihren Rücken und trieben die Tiere mit Tampenschlägen und hellen Rufen an. Gerade vor denen musste man sich in Acht nehmen. Der Konvoi brauste vorbei und wirbelte eine Staubwolke auf. Die Bauern hoben nicht einmal mehr den Kopf, so viele sahen sie vorbeifahren. Zumindest war das der Eindruck, den sie vermitteln wollten. Doch Korporal Douve und seine Kameraden wussten, dass die Nhaqués sie aus den Augenwinkeln genau beobachteten.

Der M3A1 Scout Car war ein mittelmäßiger Panzerspähwagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Panzerung war zu dünn und der Motor zu schwach, die Aufhängung stammte von einem zivilen Lastwagen - vollkommen ungeeignet für die unwegsamen Pisten, auf denen er vom Expeditionskorps benutzt wurde, um zwischen den Militärbasen und vorgeschobenen Außenposten im Dschungel hin- und herzufahren. Hunderte dieser Fahrzeuge hatte sich die französische Armee von den Amerikanern andrehen lassen, die darin eine gute Möglichkeit sahen, sich ihrer alten Karren zu entledigen und gleichzeitig zu zeigen, dass sie ihre treuen Alliierten unterstützten. Auf der Ladefläche des Scout Cars waren drei Maschinengewehre fixiert, ein M2 und zwei leichte Brownings.

Gérard Dubus, genannt Gégé, saß am Steuer. Charron, der Leutnant, bediente das zentrale Maschinengewehr. Auf den seitlichen Posten saßen Douve und Jo Barjo. Ständig auf der Hut vor Heckenschützen, suchten sie die Reisfelder und Schlammdeiche ab. Hinter ihnen schob sich in einer braunen Wolke der GMC-Truck voran. Er war voller Kies und Zementsäcke, die sie bis zu den Vorposten in der Region Phu Tho transportieren sollten.

Erst gegen drei Uhr nachmittags hatten sie den Laster endlich fertig beladen, Charron war deswegen immer noch wütend. Die Président Durand , ein bis zur Bordkante voll beladenes Frachtschiff aus Marseille, hatte im Hafen von Haiphong Vorrang bekommen. Drei Stunden Fracht löschen, drei Stunden Verspätung. Alle Docker abkommandiert. Sie entluden Berge von Mehl, Bier, Sardinen in Öl, cassoulet und Sauerkraut, ein Geschenk des Mutterlands an seine Kolonien in den Tropen. Douve hatte sich schon oft gefragt, wie sich diese Flachpfeifen in der Verwaltung die Situation in Indochina eigentlich vorstellten, und ob sie wirklich glaubten, dass man sich an ihrem verdammten cassoulet satt essen würde. Das Delta und der Dschungel waren so heiß und feucht wie der Arsch des Teufels selbst. Die Vegetation drang brüllend, braun, faserig, verwickelt aus der Erde. Verdrehte Baumstämme voller Borsten. Die Zweige weich, die Blätter riesig, dick wie Ka

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