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Spiel mir das Lied vom Wind Kriminalroman aus der Eifel von Clasen, Carola (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.01.2013
  • Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
eBook (ePUB)
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Spiel mir das Lied vom Wind

Hauptkommissarin Sonja Senger vom Kriminalkommissariat Euskirchen weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Am Morgen liegt ein neuer Fall auf ihrem Schreibtisch: ein unbekannter, misshandelter, toter Mann, der in Gemünd in einem Müllcontainer gefunden wurde. Am Abend dann folgt ein Date mit dem deutlich jüngeren, unwiderstehlichen Harry Konelly aus Köln, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Aber das Glück ist nur von kurzer Dauer. Als seine Frau Melinda mitsamt Kleinkind und Unterhaltsforderungen in Sonjas Forsthaus am Ende der Stromleitung auftaucht, erfährt sie, dass Harry sie betrogen und belogen hat. Sie jagt ihn zum Teufel. Aber Harry bleibt in der Nähe. Auf der Suche nach einer neuen Geldquelle gerät er in Tondorf in einer Kneipe in eine hitzige Diskussion um Windkraftanlagen und lässt sich auf ein Spiel ein, bei dem er alles auf eine Karte setzt. Es ist der Wind, der Sonja einen knappen Monat später Harry erneut in die Hände spielt und ihr die Gelegenheit gibt, es ihm heimzuzahlen. Carola Clasen schreibt seit 1998 Kriminalromane, die in der Eifel spielen. Darunter ist auch die Reihe um ihre eigenwillige Kriminalkommissarin Sonja Senger. Auch mit ihren Kurzgeschichten und Lesungen hat Carola Clasen sich einen Namen unter den deutschen Krimiautorinnen gemacht. Sie ist Mitglied im 'Syndikat' und lebt und arbeitet in Hürth.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 255
    Erscheinungsdatum: 04.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954410255
    Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
    Serie: KBV Krimi Bd.6
    Größe: 980 kBytes
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Spiel mir das Lied vom Wind

2. Kapitel

Ausnahmsweise hat sie heute Morgen daran gedacht, mich zu füttern. Sie muss in Gedanken anderswo gewesen sein, denn sie hat mir mehr in meinen Napf gelöffelt als üblich. Dafür war das Futter älter und schon angetrocknet. Aber der Hunger treibt es rein. Ich bin von Haus aus ein Straßenkater. Ich bin nicht wählerisch, was das Futter angeht. Sonst schon.

Nach dem Fressen gehe ich vor die Türe, gähne, strecke und recke mich und zähle eine Weile die Vögel auf den beiden Bäumen. Ich verliere den Überblick. Es sind zu viele. Ich überlege, wie ich da hochkommen könnte, ohne von ihnen gesehen zu werden. Als mir nichts einfällt, scheuche ich zum Spaß ein paar Bienen, Schmetterlinge und Fliegen durchs hohe Gras. Eine Art Verdauungsspaziergang.

Für den Rest des Tages werde ich mich auszuruhen versuchen. Aber da laufen mir zwei junge Feldmäuse zwischen die Beine. Typisch, entweder gibt es tagelang nix zu fressen oder viel zu viel für einen Tag. Davis hätte es vergraben. Ich mache so was nicht.

Ich liebe dieses Spiel, fangen, laufen lassen, fangen, laufen lassen. Wie sie dann piepsen vor Angst. Wenn sie nicht mehr können, verleibe ich sie mir bis auf die Schwanzspitze ein, mit Haut und Knochen. Die zweite schmeckt nicht ganz so gut wie die erste. Ich spüle mit ein paar Schlucken aus der Regentonne nach.

Jetzt bin ich endgültig reif für ein Schläfchen. Ich springe auf meine Bank, rolle mich auf den Rücken und strecke der Sonne meinen dicken Bauch entgegen. Mir fallen die Augen zu. Ein laues Lüftchen streift mein Fell, in meinen Ohren raschelt, summt und zirpt es. Verlockende Geräusche. Ich könnte schon wieder, ach nein, später, mir laufen die Mäuse nicht weg.

Bis auf die großen Vögel bin ich der Einzige, der sie jagt. Die Viecher schnappen sie mir manchmal vor der Nase weg, indem sie sich einfach aus dem Himmel auf sie herunterstürzen. Rums! Wie unfair. Da hat unsereins keine Chance. Ansonsten habe ich keine Konkurrenz. Meine Artgenossen habe ich erfolgreich vergrault. Und Davis ist nicht schnell genug.

Ich bin der unumstrittene König in meinem Revier. Da kann ich auch mal in Ruhe ein Nickerchen machen.

Ich führe hier - zwischen Wald und Feld - ein wunderbares Leben. Aber das täuscht. Mein eigentliches Zuhause, und damit meine ich das Haus, das in meinem Revier liegt und das mir noch im letzten Winter ein idealer Zufluchtsort gegen Hunger und Kälte und Langeweile und Einsamkeit war, ist nicht mehr das, was es einmal war. Der Wind hat sich gedreht.

Vor allem sie, meine zweibeinige Dosenöffnerin, ist nicht mehr die, die sie einmal war. Wenn sie ein Kater wäre, würde ich sagen, sie hat Gift gefressen. So nennen wir das, wenn einer von uns völlig durchgedreht ist und die Orientierung verloren hat.

Wenn ich nur daran denke, sträuben sich mir die Rückenhaare. Davis ergeht es nicht besser. Er tut, was er kann. Er knurrt, fletscht die Zähne und legt die Ohren an. Auch ich kann so viele Buckel machen, wie ich will, und den Schwanz bedrohlich aufrichten, es stört sie nicht. Sie sieht es nicht einmal. Das ist der Punkt. Wir existieren nicht mehr für sie.

Darin sind Davis und ich uns endlich einmal einig. Unsere Vorstellungen von einem schönen Leben sind sonst sehr unterschiedlich. Außerdem sprechen wir nicht dieselbe Sprache. Davis ist ein Hund, und ich bin ein Kater. Aber ich war zuerst da. Und das zählt.

Paaf! Die Haustür fällt zu. Sie geht an mir vorbei ohne ein Wort an mich zu richten und ohne mich zu kraulen. Sie holt ihr altes Auto aus der neuen Garage und fährt davon. Davis sieht ihr nach und wedelt mit dem Schwanz. Auch von ihm hat sie sich nicht verabschiedet.

Zuerst war ich in solchen Momenten traurig und wusste nichts mit mir anzufangen.

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