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Sprengkraft von Eckert, Horst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2011
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Sprengkraft

'Sprengkraft hält, was der Titel verspricht.' Aachener Zeitung Martin Zander und Anna Winkler recherchieren einen alten Fall: Vor gut eineinhalb Jahren wurde ein Dealer marokkanischer Herkunft auf offener Straße erschossen, der Täter ist immer noch flüchtig. Zur gleichen Zeit nimmt PR-Profi Moritz Lemke das Job-Angebot der Freiheitlichen an. Bislang hat die Partei ihre Wählerklientel vor allem ganz rechts gesucht, aber das soll mit Lemke anders werden. Als in einer Hinterhofmoschee eine Bombe explodiert, ändert sich für alle alles ... Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt als hauptberuflicher Autor in D?sseldorf. Wie kaum ein Zweiter versteht er es, Spannung mit Tiefgang zu erzeugen, indem er Seelen in all ihren Schattierungen auslotet, und erweist sich als schonungsloser Chronist unserer Zeit. Davon zeugen zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt wurde 'Sprengkraft' als einer der f?nf besten deutschsprachigen Kriminalromane seines Erschreinungsjahres f?r den 'Friedrich-Glauser-Preis' nominiert. Eckerts Romane sind ins Tschechische, Franz?sische und Niederl?ndische ?bersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 26.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894258061
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 644 kBytes
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Sprengkraft

2.

Sie schleppten den Heimtrainer die Stufen hoch. Irgendwas an dem alten Ding klapperte. Rafi fragte sich, warum es so viel schwerer war als ein richtiges Fahrrad. Noch eine Treppe bis zum vierten Stock. Einen Aufzug hatte das Haus im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk natürlich nicht.

"Hätte nicht gedacht, dass das Teil in deinen Kofferraum passt", ächzte Said Boussoufa. "Hast ein klasse Auto, Bruder Rafi."

"Von Noureddine geerbt."

"Verstehe."

Rafi war klar, dass sein Freund Said das Bisnes und die Lebensweise, die Noureddine geführt hatte, missbilligte. Aber Rafi hatte sich nach dem Tod seines älteren Bruders verändert und Said wusste das.

Die Treppe knarrte. "Alles aus Holz hier", stellte Rafi fest. "Wie das Haus in Mainz. Du hast von dem Feuer gehört?"

"Klar. Ist garantiert von den Ungläubigen gelegt worden. Sie haben die Türken abgefackelt. Wie damals in Solingen und Mölln. Auf der ganzen Welt herrscht Krieg."

"Man sollte die Schweinefresser in die Luft jagen, inschallah. "

Sie stellten den Heimtrainer ab. Rafi kratzte an seiner Narbe.

"Bleibst du zum Tee?", fragte Said.

"Nein, danke."

"Wirklich nicht?"

"Du musst zur Arbeit."

"Erst in einer Stunde."

"Dann okay, aber nur eine Tasse."

Said klingelte, bevor er die Tür aufschloss. Rafi wusste, dass sein Glaubensbruder das tat, um seiner Frau die Möglichkeit zu geben, sich in das Schlafzimmer zurückzuziehen. Miriam verließ die Wohnung fast nie. Und wenn, dann nur verhüllt und in Begleitung eines engen Familienangehörigen. Das Paar nahm die Vorschriften ernst. Fast immer war es Said, der die Einkäufe erledigte.

"Bruder Rafi ist hier", rief Said in Richtung Schlafzimmer, während sie im Flur die Schuhe auszogen. "Machst du uns Tee?"

"Salamu alaikum" , tönte Miriams Stimme zurück.

"Alaikum a salam" , antwortete Rafi.

Sie trugen das Trimm-dich-Rad ins Wohnzimmer. Ein Freund, der zum Studieren nach Ägypten gegangen war, hatte es Said überlassen. Miriam wollte sich mit dem Gerät etwas Bewegung verschaffen.

Rafi war zum ersten Mal in Saids neuer Wohnung. An der Wand ein gerahmtes Foto, das einen Koranvers in schöner Kalligrafie zeigte, darunter ein zerschlissenes Sofa, das aussah wie vom Sperrmüll. Es gab ein Sideboard, ein Regal mit Büchern auf Arabisch, Drucker, Kassettenrekorder und Fernseher - hoffnungslos antiquierte Modelle. Neu waren nur der Laptop von Aldi und der Satellitentuner, mit dem Said al-Aqsa-TV der Hamas aus Gaza oder den Sender der libanesischen Hisbollah empfangen konnte. Bezahlt von Spenden der Moscheegemeinde, wie Rafi wusste.

"Warum hat dein Alter euch rausgeworfen?", fragte er.

Said setzte sich auf den Heimtrainer und trat probehalber in die Pedale. "Es war unser Entschluss."

"Ach."

"Miriam ist schwanger."

"Hast du mir erzählt. Und?"

"Es ging nicht mehr. Zoff, weißt du?"

"Weswegen?"

"Mein Vater wollte mir vorschreiben, wie ich das Kind nennen soll."

"Typisch die Alten", stellte Rafi fest. "Meiner ist noch viel schlimmer. Nicht bloß Marokkaner, sondern einer aus dem Rif, verstehst du? Mein Alter würde sogar Terror machen, wenn ich mit deiner Schwester ginge, bloß weil sie keine Berberin ist."

"Was haben wir vereinbart?", fragte Said düster. "Du erwähnst meine Schwester nicht, sonst frage ich nach deiner."

Mit diesen Worten stieg er vom Fahrrad und ging in die Küche, um den Tee zu holen, den seine Frau inzwischen zubereitet hatte.

Rafi wusste, warum Said sauer war. Halima kleidete sich wie eine deutsche Schlampe und kam abends nach Hause, wann sie wollte. Ihre Eltern gaben ihr Rückendeckung, aus Stolz auf die frisch gebackene Anwaltsgehilfin. Arabische Marokkaner aus der Großstadt waren manchmal so.

Mit Rafis Schwester Fatima verhielt es sich jedoch weit schlimmer. Sie hatte ihrer Fami

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