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Stadtguerilla - Tage der Entscheidung Tom Sydows 11. Fall von Klausner, Uwe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.06.2019
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Stadtguerilla - Tage der Entscheidung

Auf der Mülldeponie in Berlin-Wannsee wird die grausam zugerichtete Leiche eines Drogendealers entdeckt. Konkurrenzkampf im Milieu, Racheakt unter Drogenhändlern? Tom Sydow, Hauptkommissar der Kripo Berlin, tappt zunächst im Dunkeln. Doch dann ergibt sich eine erste Spur. Sie führt zu Dietrich H. Garskiewicz, Herr über ein Immobilienimperium, das Gerüchten zufolge kurz vor dem Zusammenbruch steht. Doch je tiefer Sydow in den Sumpf aus Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft vordringt, desto mehr setzen ihm die Recherchen zu ... Uwe Klausner wurde in Heidelberg geboren und wuchs dort auf. Sein Studium der Geschichte absolvierte er in Mannheim und Heidelberg, die damit verbundenen Auslandsaufenthalte an der University of Kent in Canterbury und an der University of Minnesota in Minneapolis/USA. Heute lebt er mit seiner Familie in Bad Mergentheim. Neben seiner Tätigkeit als Autor hat er bereits mehrere Theaterstücke verfasst, darunter "Figaro - oder die Revolution frisst ihre Kinder' (2007). Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Reformation wurde sein Einakter 'Mensch, Martin!' im Rahmen einer Freileichtaufführung erstmals dem Publikum präsentiert.

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Stadtguerilla - Tage der Entscheidung

1

West-Berlin, 21.02.1975

"Informationen über die linke Szene? Ab sofort nur noch gegen Cash."

"Sag das noch mal, du hinterhältige Ratte!" Erst war ich baff. Aber dann machte es klick bei mir. Der Hurensohn wollte mich erpressen. Ausgerechnet mich. Das war ja wohl ein ziemlich dicker Hund. "Gegen Cash? Wohl nicht ganz dicht, wie?"

"Das Gleiche könnte ich Sie fragen, oder?"

Um den Mistkerl bei Laune zu halten, hatte ich sämtliche Register gezogen. Hatte ihm eine Bleibe besorgt, seinetwegen Kopf und Kragen riskiert, ihm die Kohle vorn und hinten reingeschoben.

Und wozu? Für nichts und wieder nichts.

Und dann muckte der abgefuckte Junkie auch noch auf. Ausgerechnet jetzt, im denkbar ungünstigsten Moment. Von nichts eine Ahnung, aber groß die Klappe aufreißen. Der Klugscheißer kam mir gerade recht. Hängte den Großkotz raus und wollte mir Vorschriften machen. Da hörte sich ja wohl alles auf.

Und dann erst diese Frisur. Zum Abgewöhnen. Die Putzwolle sah wirklich verboten aus. Wenn ich so rumliefe, ich würde mich in Grund und Boden schämen.

Mission gescheitert, die Mühe hätte ich mir sparen können.

Aber wie hieß es doch so schön: Aus Schaden wird man klug. Egal wann, wo oder unter welchen Umständen, das würde mir nicht noch mal passieren.

Jede Wette.

"Du tickst wohl nicht mehr richtig, wie? Das ist Erpressung, damit kommst du bei mir nicht durch." Um Eindruck zu schinden, legte ich eine Kunstpause ein. Dann fügte ich süffisant hinzu: "Du weißt doch: Der nächste Trip könnte der letzte sein. Ein Drogentoter mehr oder weniger, wen juckt das schon."

"Hätten Sie wohl gern", widersetzte sich das verwahrloste Wrack. Auf Turkey, wie konnte es anders sein. "Sorry, den Gefallen werde ich Ihnen nicht tun. Da können Sie warten, bis Sie schwarz werden. Ich sag's nicht noch mal: Entweder Sie lassen kräftig Kohle rüberwachsen, oder ..."

"Oder was?"

"Umsonst ist der Tod. Ich hab keinen Bock mehr, mir den Arsch für euch Schreibtischhengste aufzureißen. Ohne Knete läuft da überhaupt nichts mehr, merkt euch das."

"Wie darf ich das verstehen?"

"Na, wie wohl!", geiferte der Freak, die Stimme schrill wie eine übertourige Kreissäge. "Sitzen Sie auf der Leitung, oder was? Dann eben noch mal, zum Mitschreiben: Der Job hängt mir zum Hals raus, wie sehr, kann ich gar nicht sagen. Ich hab keine Lust mehr, für andere die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Wenn Sie Informationen aus erster Hand brauchen, besorgen Sie sich die doch selbst. Die Zeiten sind vorbei, schreiben Sie sich das hinter die Ohren."

"So, meinst du."

"Jetzt hören Sie mir mal gut zu. Entweder Sie machen ordentlich was locker, oder ich packe aus. Was glauben Sie, wie sich die Zeitungsfritzen freuen! Der Spiegel wird sich um die Story reißen, hundertpro. Die Jungs in Hamburg sind nicht auf den Kopf gefallen, die werden sich den Deal was kosten lassen."

Wie konnte man nur so gierig sein. Wäre er auf Draht gewesen, der Pennbruder hätte das schönste Leben gehabt. Na ja, jedenfalls das, was man in der Drogenszene darunter verstand. Hätte gelebt wie die Made im Speck, ohne einen Finger krumm zu machen. Pünktlich zum Ersten hätte er seine Provision kassieren und nach Belieben Joints qualmen oder sich am Fließband Heroin spritzen und was weiß ich für Zeugs einwerfen können. Für das Wohlergehen der Kanalratte wäre gesorgt gewesen - und für seine Hippie-Nutte auch.

Merke: Streckst du dem Abschaum den kleinen Finger hin, dann packt er zu und nimmt die ganze Hand. Wenn er sie dir nicht gleich abreißt, sollte man hinzufügen. Jeder geht nun mal so weit, wie er kann. In meinem Metier, wo es von Zockern nur so wimmelt, war das schon immer so gewesen.

Wie gesagt, jeder geht so weit, wie er kann. Aber nur, wenn man ihn lässt.

Und genau das ist bei mir nicht drin. Erpressung schon gar nicht, da kenne ich

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