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Stille Nacht in der Provence Kriminalroman von Rademacher, Cay (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2020
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Stille Nacht in der Provence

Die Ehe von Andreas und Nicola Kantor ist in Routine erstarrt. Da bietet ihnen ein Freund überraschend an, den Winter in seinem Ferienhaus in Miramas-le-Vieux zu verbringen. Weihnachten in der Provence, nur sie beide ... Bald finden sie sich in einem malerischen, halb vergessenen mittelalterlichen Ort wieder. Das Haus ist romantisch, die wenigen Nachbarn sind freundlich. Doch bereits in der ersten Nacht fällt Schnee in einer Landschaft, in der fast nie Schnee fällt. Langsam, aber unerbittlich wird Miramas-le-Vieux von der Außenwelt abgeschnitten. Als Andreas am Morgen allein aus dem eingeschneiten Haus tritt, entdeckt er ein eingestürztes Kellergewölbe und in dessen Trümmern: einen verfallenen Sarg mit einem Skelett darin. In Panik läuft er auf der Suche nach Hilfe durchs Dorf. Seltsamerweise reagiert niemand auf sein Rufen - bis er endlich auf Milène Tanguy stößt, eine Künstlerin, die Santons anfertigt, die provenzalischen Krippenfiguren. Gemeinsam eilen sie zurück zum Gewölbe. Doch der Tote ist spurlos verschwunden ...

Cay Rademacher, geboren 1965, ist freier Journalist und Autor. Bei DuMont erschienen seine Kriminalromane aus dem Hamburg der Nachkriegszeit: >Der Trümmermörder< (2011), >Der Schieber< (2012) und >Der Fälscher< (2013). Seine Provence-Krimiserie umfasst: >Mörderischer Mistral< (2014), >Tödliche Camargue< (2015), >Brennender Midi< (2016), >Gefährliche Côte Bleue< (2017), >Dunkles Arles< (2018), >Verhängnisvolles Calès< (2019) und >Verlorenes Vernègues< (2020). Außerdem erschien 2019 der Kriminalro

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 22.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832170363
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Größe: 1149 kBytes
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Stille Nacht in der Provence

19. Dezember

Miramas-le-Vieux

Andreas Kantor betrachtete die Burg über der düsteren alten Stadt auf dem Hügel. Ein kalter Ostwind trieb graue Wolken über den Himmel, so niedrig, dass sie die Mauern umspülten wie Wellen. Die mittelalterliche Festung war aus sorgfältig behauenen, gelblichen Steinen gefügt. Aber irgendein längst vergessener Krieg oder ein Erdbeben oder einfach die Zeit hatte sie verwüstet: Die Mauer war an manchen Stellen geborsten, ihre Krone war zu einer unregelmäßig gezackten Linie verfallen, und dahinter war nichts als Luft, kein Turm, kein Palast, keine Kapelle. Die Festung und die Häuser des verlassen wirkenden Städtchens bekrönten einen steilen, felsigen Berg, der hundert, vielleicht zweihundert Meter hoch war, schätzte Andreas, der aber nicht gut war mit solchen Schätzungen. Wie er überhaupt nicht gut war mit Zahlen, mit Entfernungen, Maßen, Kalkulationen, mit Geld und Summen und Bilanzen, aber daran wollte er jetzt lieber nicht denken. Er hatte seinen Wagen, das einzige Auto hier, auf einem Parkplatz abgestellt, eine steinige, kahle Fläche am Ende der einzigen schmalen Landstraße, die bis vor den Hügel von Miramas-le-Vieux führte - aber nicht weiter hinauf, denn eine Schranke versperrte den Weg.

Andreas streckte seinen nach der langen Fahrt schmerzenden Körper, machte rollende Bewegungen mit den Schultern, lockerte die Muskeln. Früher hatte er nie solche Beschwerden gehabt, jetzt fühlte er sich nach ein paar Stunden Autofahrt wie durchgeprügelt.

Weihnachten in der Provence.

Was hatte er erwartet? Blauen Himmel, Zypressenalleen und Olivenhaine, eine gnädige Sonne, mildes Licht und Mittagswärme, ein funkelndes Glas Rosé auf der steinernen Terrasse eines restaurierten alten Weinguts? Aber auch im Midi ging die Sonne Mitte Dezember schon kurz nach fünf Uhr nachmittags unter. Ihre letzten Strahlen fielen jetzt wie weiße Lichtschleier durch die Wolkendecke.

Andreas blickte auf Gestrüpp und Wälder, auf Eichen und Pinien, auf einen riesigen Teppich dunkelgrüner, beinahe schwarzer Kronen, der den Berg von Miramas-le-Vieux umgab. Hier und dort taten sich Lücken darin auf, als wäre der Stoff zerschlissen: winterkahle Gärten, verwilderte Felder und zwei oder drei Olivenhaine mit Reihen knotig gewachsener Bäume, die ihn unwillkürlich an die Kreuze eines Massengrabs erinnerten. Der Erdboden zwischen ihren Stämmen war schwarz-rot und sah mürbe aus, es musste seit Tagen, vielleicht Wochen nicht mehr geregnet haben. Doch die Luft schmeckte nach Schnee, und ihm kam es so vor, als würde mit jeder Minute, die die hinter den Wolken verborgene Sonne tiefer sank, die Temperatur um ein Grad fallen. Er schlug den Kragen seiner schwarzen Trekkingjacke hoch.

»Müssen wir etwa unsere Koffer zu Fuß da raufschleppen?« Nicola hatte die Beifahrertür geöffnet, war aber noch sitzen geblieben. Sie blickte hoch zu Miramas-le-Vieux und ihm nicht in die Augen.

Andreas war geistesgegenwärtig genug, die scharfe Erwiderung, die sich ihm schon wie von selbst aufdrängte, gerade noch rechtzeitig hinunterzuschlucken. »Ich bin sicher, es sind nur ein paar Schritte bis zum Haus, Schatz«, antwortete er.

Sie waren mitten in der Nacht aus Deutschland aufgebrochen, um die Provence noch bei Tageslicht zu erreichen. Schnee in der Eifel. Schneeregen in den Vogesen. Regen im Tal der Rhône. Erst hinter Orange hatten die Niederschläge aufgehört, und er hatte einen Scherz gemacht - einen schwachen, zugegebenermaßen -, dass mit der Provence die Sonne kommen würde, aber Nicola hatte geschwiegen, selbstverständlich hatte sie geschwiegen, was hätte sie auch dazu sagen sollen? Sie waren im Rhythmus des gerade neu erstandenen Tesla gefahren: ein paar Hundert Kilometer Autobahn, dann eine Stunde an die Ladesäule, pappiges Raststättenessen, einen Espresso, dann die nächsten Kilometer, die nächste Ladesäule, der nächste Espresso. Andreas war

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