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Straße ins Nichts von Burke, James Lee (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.01.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)

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Straße ins Nichts

Deutscher Krimipreis 2015 in der Rubrik International für James Lee Burke! 'Burkes Stärke ist die pure erzählerische Wucht. Schon die Schilderung einer schlichten Autokreuzung kann ihm zum kleinen düsteren Meisterwerk geraten.' (Andreas Ammer, ARD) Im Staatsgefängnis von Louisiana droht der jungen Kreolin Letty Labiche die Hinrichtung. Sie wurde möglicherweise unschuldig zum Tode verurteilt. Detective Dave Robicheaux stellt nun neue Ermittlungen zu ihrer Rettung an, als er überraschend auf die Spur seiner vor mehr als 30 Jahren verschwundenen Mutter trifft: Die war damals einfach fortgegangen, und nun erfährt er, dass sie eine Hure war und von zwei brutalen Polizisten aus New Orleans als unliebsame Zeugin ermordet wurde. Der Informant wird kurz darauf von einem gedungenen Killer umgebracht, der offenbar alle Spuren zu der alten Tat tilgen soll. Von einem Killer der ungewöhnlichen Art allerdings, denn Johnny Remeta, so sein Name, ist blitzgescheit, charmant und zugleich ein völlig unberechenbarer Psychopath. Als Remeta seinerseits beseitigt werden soll und Robicheaux ihm das Leben rettet, meint er sich zu dessen Schutzengel aufschwingen zu müssen. Er behütet ihn vor Anschlägen, verfolgt die vermeintlichen Mörder seiner Mutter, stellt aber gleichzeitig auch Robicheaux Adoptivtochter Alafair nach. Für Robicheaux ergibt sich daraus ein dreifaches Dilemma: Um seine Tochter zu schützen, muss er Remeta ausschalten. Damit aber beraubt er sich der Möglichkeit, die Mörder seiner Mutter zur Verantwortung zu ziehen, denn mit rechtlichen Mitteln sind diese kaum zu belangen. Gleichzeitig verrinnt die Zeit, um Letty Labiche doch noch vor der Hinrichtung zu bewahren. - Eine ausweglose Lage, aus der niemand ungeschoren davon kommt. Eine Hinrichtung findet letztlich statt, aber es wird eine Person exekutiert, die nicht zum Tode verurteilt war. Die Mörder von Robicheaux Mutter büßen für ihre Tat, aber er muss mit dem Vorwurf leben, zumindest unterbewusst einen Akt der Selbstjustiz herbeigeführt zu haben. Mit seiner toten Mutter und damit auch der eigenen Vergangenheit ist Robicheaux am Schluss jedoch versöhnt. 'Niemand erweckt Schauplätze so gut zum Leben wie James Lee Burke, und niemand beschreibt emotionale Konflikte so perfekt wie er.' Elizabeth George 11. Band der Reihe um den Ermittler Dave Robicheaux

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 03.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955302931
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1941 kBytes
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Straße ins Nichts

1

F rüher wurde Vachel Carmouche in den staatlichen Personalakten stets als Elektriker geführt, niemals als Henker. Das war zu der Zeit, als der elektrische Stuhl manchmal in Angola stand, mitunter aber auch auf einem Tieflader mitsamt seiner Generatoren von Bezirksgefängnis zu Bezirksgefängnis gekarrt wurde. Vachel Carmouche erledigte die Arbeit des Staates. Er machte seine Sache gut.

Wir in New Iberia wussten, welchen Beruf er ausübte, gaben uns aber ahnungslos. Er lebte allein droben am Bayou Teche in einem ungestrichenen, mit Wellblech gedeckten Zypressenholzhaus, das tief im Schatten dunkler Eichen lag. Er pflanzte keine Blumen in seinem Garten und rechte ihn selten, aber er fuhr stets ein neues Auto, das er gewissenhaft wusch und pflegte.

Jeden Morgen sahen wir ihn in aller Frühe in seinen frisch gebügelten grauen oder khakifarbenen Sachen, eine Segeltuchkappe auf dem Kopf, allein am Tresen in einem Café an der East Main Street sitzen, wo er die anderen Gäste im Spiegel musterte, mit halb offenem Mund und leichtem Überbiss über seine Kaffeetasse gebeugt, als wollte er etwas sagen, obwohl er sich nur selten auf ein Gespräch einließ.

Wenn er einen dabei ertappte, dass man ihn anschaute, lächelte er rasch und legte das braun gebrannte Gesicht in Hunderte von Fältchen, doch das Lächeln passte nicht zu dem Ausdruck in seinen Augen.

Vachel Carmouche war Junggeselle. Falls er Freundinnen hatte, bemerkten wir nichts davon. Hin und wieder kam er in Provost's Bar & Poolsalon, setzte sich an meinen Tisch oder neben mir an den Tresen und deutete damit unterschwellig an, dass wir beide Ordnungshüter waren und daher über eine gemeinsame Erfahrung verfügten.

Damals trug ich noch die Uniform der Polizei von New Orleans und war scharf auf Jim Beam, am liebsten pur mit einer Flasche Jax-Bier daneben.

Eines Abends traf er mich allein an einem Tisch bei Provost's an und setzte sich, eine weiße Schale mit Gumbo in den Händen, unaufgefordert hin. Ein Tierarzt und ein Lebensmittelhändler, mit denen ich getrunken hatte, kamen aus der Männertoilette, warfen einen Blick zum Tisch und gingen dann zur Bar, kehrten uns den Rücken zu, bestellten sich ein Bier und tranken es dort.

"Man muss dafür bezahlen, dass man ein Cop ist, nicht wahr?", sagte Vachel.

"Sir?", sagte ich.

"Sie brauchen mich nicht mit "Sir" anzureden ... Sind Sie viel allein?"

"Nicht unbedingt."

"Ich glaube, das bringt der Beruf mit sich. Ich war einst bei der Staatspolizei." Er senkte den Blick und wandte die Augen, die so grau waren wie sein gestärktes Hemd, dem vor mir stehenden Schnapsglas und den Ringen zu, die mein Bierkrug auf der Tischplatte hinterlassen hatte. "Ein Trinker hört daheim allerhand Echos widerhallen. Wie wenn ein Stein in einen trockenen Brunnen fällt. Nichts für ungut, Mr. Robicheaux. Darf ich Ihnen eine Runde ausgeben?"

Das neben Vachel Carmouches Anwesen gelegene Grundstück gehörte der Familie Labiche, Nachkommen so genannter freier Farbiger, wie man sie vor dem Bürgerkrieg nannte. Der Begründer der Familie war ein französisch erzogener Mulatte namens Jubal Labiche gewesen, der am Bayou südlich von New Iberia eine Ziegelei besaß. Er hielt selbst Sklaven, die er ebenso wie die zusätzlich angemieteten gnadenlos schuften ließ, und lieferte einen Großteil der Ziegel für die Häuser anderer Sklavenhalter entlang des Teche.

Das Haus mit dem Säulenportal, das er südlich der Grenze des Parish St. Martin errichtete, wartete nicht mit italienischem Marmor oder Ziergittern aus spanischem Schmiedeeisen auf, wie die Ville

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