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Straßenschatten Thriller von Kölpin, Regine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2015
  • Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
eBook (ePUB)
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Straßenschatten

Irgendwann holen sie dich ein ... Ein belegtes Brot für die Obdachlose Frieda, das gehört für die Oldenburger Studentin Paula zum täglichen Ritual. Doch eines Tages liegen nur noch ein verlassener Wollmantel und eine schäbige Isomatte an der Haltestelle Marschweg. Ein unbestimmtes Gefühl sagt Paula, dass Frieda nicht freiwillig verschwunden ist. Kurz darauf wird ganz in der Nähe ein anderer Obdachloser brutal zusammengeschlagen. Etwas geschieht auf den Straßen der Stadt. Jemand hat die Gestrauchelten ins Visier genommen, die dort ihr Schattendasein fristen. Als Paula sich auf die Suche nach Frieda macht, bekommt sie plötzlich Drohbriefe. Jemand beschattet sie. Paula fühlt sich verfolgt. Nach einem weiteren Anschlag auf die Obdachlosen werden der Polizei Beweisstücke zugeschoben, die ausgerechnet auf Paula als Täterin hindeuten. Wer will ihr da etwas anhängen? Hat die undurchsichtige Clique ihres Freundes Piet etwas damit zu tun? Warum verhält sich ihre Mitbewohnerin mit einem Mal so eigenartig? Paula weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann, sie spürt nur, dass sich die Schlinge um sie herum immer mehr zuzieht ... REGINE KÖLPIN ... hat zahlreiche Romane und Kurztexte (unter Regine Fiedler für Kinder und Jugendliche) publiziert und gibt auch Anthologien heraus. Regine Kölpin leitet Schreibwerkstätten in der Jugend- und Erwachsenenbildung, und inszeniert historische Stadtführungen mit Lesungen an den Originalschauplätzen. Mehrfache Auszeichnungen, wie u.a. das Stipendium Tatort Töwerland 2010 ; Auszeichnung zur Starken Frau Frieslands 2011. Sie ist 1964 in Oberhausen geboren und lebt mit ihrer großen Familie in Friesland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 15.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954412464
    Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
    Serie: KBV Krimi
    Größe: 1053 kBytes
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Straßenschatten

Tag 1

Montagmorgen
Bushaltestelle P+R Marschweg

Die Frau war nicht da. Paula sah es schon, als sie mit dem Fahrrad auf die Haltestelle zufuhr. Das Bushäuschen und die Straße davor wirkten wie leer gefegt. Lediglich der schwarze Mantel und die fleckig-blaue Isomatte in der Ecke zeugten von ihr, der Obdachlosen, der Paula seit dem Sommer jeden Morgen ein belegtes Brot in die Hand drückte. Eine Obdachlose, eine von vielen, die in der Stadt lebten und die sich vor allem am Abend und in der Nacht an der Hunte unter der Autobahnbrücke am Westfalendamm trafen. Tagsüber saßen sie am Netto-Markt an der Nadorster Straße oder gingen um die Ecke zur Obdachlosenhilfe. Ein paar sah Paula auch immer an der Lambertikirche.

Der Wind pfiff unangenehm über die Straße, dunkle Wolken türmten sich auf. Paula kam sich beobachtet vor. Hier stimmte etwas nicht. Sie stellte das Rad ab und sah hinter die Haltestelle, ging dann um das Bushäuschen, blickte in Richtung Stadion. Die Metalltüren waren wie immer, wenn kein Fußballspiel war, fest verschlossen. Die bunten Toilettenhäuschen waren die einzigen Farbtupfer. Paula umrundete auch das hinter der Haltestelle liegende Gebüsch, doch außer einer leeren Schnapsflasche, einem benutzten Kondom und einer weggeworfenen Tabakpackung bemerkte sie nichts Auffälliges. Alles war wie immer. Die Frau aber war wie vom Erdboden verschluckt.

Als Paula wieder bei ihrem Rad angelangt war, hatte sich das ungute Bauchgefühl noch verstärkt. Wo steckte die Frau, deren Namen sie nicht kannte, mit der sie noch nie im Leben ein Wort gewechselt hatte und die ihr doch irgendwie nahe war. Ich fühle mich verantwortlich, dachte Paula. Verdammt noch mal verantwortlich. Das Hupen eines Autos ließ Paula zusammenzucken und holte sie aus ihren Gedanken zurück. Sie sollte sich beeilen, die Vorlesung an der Uni begann gleich, und sie war ohnehin spät dran. Um die Frau musste sie sich später Gedanken machen.

Montagmorgen
Schlosspark Oldenburg

Sie war entkommen. Unter ihr war nur noch der Dreck auf dem Boden. Tiefer konnte man nicht sinken. Nicht mehr unterwegs, festgewachsen in der Stadt, die einen auch nicht haben will. So wie die Ratten. Frieda kauerte jetzt im Schlosspark hinter einer der Bänke, den Schal fest ins Gesicht gezogen. Besser, niemand sah ihr Gesicht. Falls sie kommen sollten. Sie holen. Noch einmal draufhauen. Sie töten wie den Mann gestern, der mit ihr an der Haltestelle die Nacht verbringen wollte, weil es unter der Brücke am Westfalendamm, wo sie in der Nacht meist auf Platte waren, Stunk gegeben hatte. Ein paar Berber, Herumstreunende, die mal hier, mal dort in den Städten unterwegs waren, hatten Ansprüche angemeldet, weil sie in der Obdachlosenunterkunft keinen Platz mehr bekommen oder sie gar nicht erst gefunden hatten. Was auch immer. Frieda hatte nicht so genau hingehört. Jedenfalls war der Plastikkönig ausgetickt, hatte sich als Boss aufgespielt, und Frieda war gegangen.

Die Haltestelle erschien ihr eine gute Idee. Aber nach dem Angriff hatte sie ihre Habseligkeiten dort liegen lassen. Bis auf die Alditüte, die hielt sie stets fest umklammert. Darin befand sich alles, was sie zum Leben brauchte: ihre Taschenlampe, eine Kerze mit einer halben Packung Streichhölzer, ein Dosenöffner. Dazu ihre Waschsachen, wie eine abgewetzte Zahnbürste mit Zahnpasta und eine Haarbürste, an der die meisten Borsten aber schon abgebrochen waren. Viel mehr brauchte man nicht, um auf der Straße zu überleben. Der Rest ergab sich jeden Tag neu. Manchmal ging sie ins "Bunte Kaufhaus" zum "Shoppen", manchmal in den Tagesaufenthalt. Aber ihre Besuche dort wurden seltener. Sie kam sich danach immer besonders klein und niedrig vor. Auch wenn es ihr widerstrebte, musste sie die Isomatte und den Mantel später holen gehen. Letzte Woche hatte ihr jemand den Schlafsack

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