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Strafsache van Geldern von Hyan, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.07.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Strafsache van Geldern

Ein Sensationsprozess aus dem Jahre 1931: der Berliner Rechtsanwalt Paulus van Geldern ist des Mordes an seiner Gattin angeklagt. Der erfolgreiche Anwalt kämpft nun selbst um seine Existenz, sein Leben. Schon an den ersten Verhandlungstagen wird offenbar, dass ihre Ehe zerrüttet war und die Tote ein Doppelleben führte. Sie war früher Inhaberin eines Modesalons. Ihr wertvoller Schmuck ist verschwunden, und darum wird Raubmord vermutet. Aber Frau Martha van Geldern stand mit fragwürdigen Kreisen, ja mit Hehlern und Hehlerinnen in Verbindung. Langsam, von Prozesstag zu Prozesstag, lichtet sich das tiefe Dunkel ... AUTORENPORTRÄT Hans Hyan (1868-1944) war ein deutscher Kabarettist, Gerichtsreporter und Schriftsteller. Er verfasste vor allem Kriminalromane, aber auch Drehbücher. Hyan besuchte das Gymnasium in Prenzlau, Brandenburg. 1901 hob er in Berlin das Kabarett 'Zur Silbernen Punschterrine' aus der Taufe, das bis 1904 bestand. Hyan war liberal und sozialkritisch eingestellt. Diese Haltung schlug sich auch in seinen zahlreichen Kriminalromanen nieder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 246
    Erscheinungsdatum: 17.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445877
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1230 kBytes
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Strafsache van Geldern

1

Am blauen, durchsichtigen Himmel zogen weisse Wölkchen friedlich von Osten nach Westen. Ein paar Schwalben schossen durch den Äther. Das und der Wipfel einer dunkelgrünen Kiefer waren das einzige, was Paulus van Geldern seit sechs Monaten, seit dem Beginn dieses Jahres 1931, von der Welt sah. Er stand in seiner hellgetünchten Zelle unter dem hohen Gitterfenster mit erhobenen Augen und blickte da hinaus durch das besonnte Rechteck, dessen Eisenstäbe in der Morgensonne glitzerten. Er dachte nichts. Seine Seele war hinausgeflogen in die leuchtende Weite, war eins und tief verbunden mit einer anderen, der er in Liebe ergeben war.

Hinter seinem Rücken rasselten die Schlüssel. Die wuchtige Eisentür ging auf, und der Aufseher, ein hoher, schlanker, blonder Mensch, stand in dem schmalen Türrahmen:

"Es ist Zeit, Herr van Geldern. Sie müssen zur Verhandlung!"

Van Geldern drehte sich langsam um. Er blickte durch den jungen Aufseher hindurch, als sei der Mann aus Glas. Er sah in diesem Augenblick schon den Schwurgerichtssaal vor sich, angefüllt mit Menschen, die gekommen waren, um seine Erniedrigung mitanzusehen, das Urteil über seine Schuld oder Unschuld zu hören.

Da richtete er sich mit einem Ruck in die Höhe, warf den Kopf mit dem kurzgeschnittenen dunklen Haar in den Nacken und trat an dem zurückweichenden Aufseher vorbei hinaus aus der Zelle auf die Galerie. Er ging schnell zur nächsten Eisentreppe, die er vor dem Aufseher hinunterlief, als wollte er entfliehen oder aber als könnte er nicht schnell genug diese letzte Station seines Golgatha erreichen.

Im Zentral stand der Oberaufseher Matthes, ein Mann in den Fünfzigern, der fast niemals sprach. Und dieser Schweigsame wandte sich zu Paulus van Geldern um mit den Worten:

"Schwere Stunde ... hm ... ja ... schwere Stunde ... Aber geht auch vorbei ... hm ..."

Van Geldern war stehengeblieben in der dienstlichen Haltung, die die Gefängnisnorm vorschreibt. Er sah in das starre graue Gesicht mit dem weissen Backenbart und nickte:

"Ich danke, Herr Oberaufseher!"

Dann schritt er hinüber zu dem grossen Tor, das das eigentliche Gefängnis abschloss. In dem dämmrigen Korridor traf er den Geistlichen. Der drückte ihm stumm die Hand.

Und wie er eben das Gefängnis verlassen wollte, kam von draussen von dem sonnenhellen Gefängnishof herein der Direktor Doktor Stupp, ein jovialer Mann, immer bemüht, es seinen unfreiwilligen Pflegekindern so leicht wie möglich zu machen, wenn sie ihn nicht durch Widersetzlichkeit reizten.

Er hielt van Geldern an, der wieder stramm stand, und klopfte ihm lächelnd auf die Schulter.

"Wer ein gutes Gewissen hat, der braucht sich vor keinem Gericht zu fürchten! ... Na und Sie ... Sie haben's doch ... nicht wahr?"

"Jawohl, Herr Direktor!"

Die Stimme van Gelderns kam wie aus einem leeren Raum. Dann ging er weiter, der Aufseher immer hinter ihm, und trat auf den Gefängnishof hinaus. Er sah die Gärtnergehilfen in ihrem blauleinenen Gefangenenkittel, die da Gemüse pflanzten und Kartoffeln hackten, und ging, ohne dass er wusste, wohin, über den gelben Kiesweg dem roten Hause zu, das durch einen Gang mit dem Untersuchungsgefängnis verbunden war.

In dem grossen Schwurgerichtssaal fiel durch die hohen, buntverglasten Fenster in hellem Farbenspiel das Sonnenlicht. Es sprühte über das Halbrund des grün bezogenen Tisches hin, an dem die neun Männer des Schwurgerichts schon Platz genommen hatten. Der Vorsitzende in der Mitte war ein kraftvoller Mann mit blondem Bart. Er hatte eine dröhnende Stimme, die er doch so dämpfen konnte, dass nur der Angeklagte, der aber mit um so grösserer Wirkung, sie spürte.

Der Zuschauerraum war überfüllt. Mehrere Schupos flankierten die Tür und hielten das Publikum in Schach, das immer wieder hereindrängen wollte.

Eben öffneten die beiden Justizwachtmeister den hohen Saaleingang, und wie eine Welle flutete die Menge d

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