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Tödliche Aussicht Kriminalroman. von Dullin, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.08.2010
  • Verlag: Querverlag
eBook (ePUB)
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Tödliche Aussicht

Ein Sturz in die Tiefe und Klaus ist tot. Dabei wollte er nur mit seinen schwulen Freunden zusammen Urlaub machen und das Naturspektakel Grand Canyon genießen. Kurz darauf bekommt Hauptkommissarin Monika Seyfarth in Berlin unangemeldeten Besuch: Carsten, der Halbbruder und ein Reisegefährte von Klaus, behauptet, bei dem vermeintlichen Unfall handele es sich um Mord. Seyfarth ist versucht, der Sache nachzugehen, nicht zuletzt, weil ihr eigener Sohn Zeuge des Geschehens war. Doch dann entscheidet sie sich dagegen: Die Beweislage ist zu dürftig und die Rechtslage, den Fall zu übernehmen, kritisch. Und Lust, sich in die Untiefen der Berliner Schwulenszene zu vertiefen, verspürte sie eben sowenig. Als einige Tage später ein weiteres Mitglied der Reisegruppe von einem Berliner Hochhaus stürzt. Glaubt auch die Hauptkommissarin nicht an einen Zufall und beginnt zu ermitteln. Dabei muss sie feststellen, dass alle sechs Verdächtigen ein Motiv haben. Aber auch ein Alibi. In seinem Krimi-Debüt beweist Markus Dullin nicht nur kriminalistischen Spürsinn, sondern einmal mehr sein erzählerisches Talent. Der Berliner Autor führt den Leser in einen Strudel aus Intrige und Erpressung und zeigt, wozu vermeintliche Freunde tatsächlich bereit sind, wenn es im Freundeskreis um Macht und Angst geht.

Markus Dullin, geboren 1964 in Berlin, lebt seit einem dreijährigen Aufenthalt in Nairobi/Kenia wieder in seiner Heimatstadt. Studium der Anglistik und Wirtschaftswissenschaften. 1998 wurde er für den Literaturpreis der Schwulen Buchläden nominiert. Mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 30.08.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896565150
    Verlag: Querverlag
    Größe: 432kBytes
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Tödliche Aussicht

Kapitel 1

Seit über einer Stunde hatte Sven kein einziges Wort mehr gesagt, und auch davor war er nicht besonders gesprächig gewesen.

Monika Seyfarth sah ihren Sohn nur manchmal kurz aus den Augenwinkeln heraus an, obwohl die Straße kerzengerade verlief und kaum ein Auto unterwegs war, auf das sie hätte achtgeben müssen. Apathisch starrte Sven neben ihr durch die Windschutzscheibe, den Blick getrübt und die Lider ein wenig gesenkt, als würde er jeden Moment einschlafen wollen. Zugegeben, die Fahrt bisher war alles andere als aufregend gewesen, eine endlos sich dahinziehende Ebene, gesäumt von ein paar Bergen am Horizont, ohne eine Stadt oder einen noch so winzigen Ort weit und breit. Auf dem sandigen, rötlichen Boden wuchsen Sträucher, einige verkrüppelte Bäume, mehr nicht. Monika selbst musste sich zusammenreißen, um bei dieser Eintönigkeit nicht einzunicken.

Sven war keineswegs müde, wie sie sehr wohl wusste, er war gelangweilt, zu Tode gelangweilt. Jetzt drehte sie den Kopf, um sich davon zu überzeugen, so dass der Wagen aufgrund dieser kurzen Unachtsamkeit von der Spur abkam und die beiden rechten Reifen über den ungepflasterten Seitenstreifen holperten.

"Ups", sagte sie entschuldigend und lenkte den Wagen zurück in die Spur.

Dieses kleine Malheur erzeugte zumindest eine Reaktion im Gesicht ihres Sohnes, der erschrocken aus seiner Lethargie zuckte.

Monika lächelte ein wenig gezwungen, innerlich dankbar für diese Aufmerksamkeit, die Sven ihr plötzlich zuteilwerden ließ.

"Wenn wir hier liegenbleiben, war's das gewesen", murmelte er.

"Ach, was", antwortete sie, "es kommen andauernd Autos vorbei. Außerdem ist ja nichts passiert."

Sven machte ein grunzendes Geräusch und verdrehte die Augen.

So langsam, bemerkte sie, ging er ihr auf die Nerven. Ihre Finger krampften sich stärker um das Lenkrad, bemüht, ihren Unmut herunterzuschlucken. Da musste er ein Mal für einige Stunden im Auto sitzen, und schon war sein Leben ruiniert und vergeudet. Dabei hatte sie bisher alles getan, um ihn bei Laune zu halten.

"Es kann ja nicht mehr weit sein", sagte sie.

Als Antwort lehnte er den Kopf gegen den Sitz und zog das rechte Bein nach oben, um den Fuß angewinkelt auf das Armaturenbrett zu stützen, was alles andere als bequem aussah. Dann atmete er übertrieben laut aus.

"Noch mal siebzehn müsste man sein", entkam es ihr ungewollt zynisch.

"Was soll ich denn machen? Die Gegend ist stinklangweilig."

"Andere wären froh, wenn ihre Mütter sie auf so eine Reise mitnehmen würden."

Diese alberne Antwort war ihr augenblicklich peinlich. Zumindest aber verursachten ihre Worte ein, wenn auch nicht ganz ehrlich gemeintes Lächeln, das Monika sofort erwiderte.

"Nein, im Ernst", fuhr sie fort. "Du könntest ein bisschen aufgeschlossener sein. Selbst wenn es mal nur durch den wilden Westen geht. Das ist kein Vegas mehr, aber ebenso beeindruckend."

"So, wie das hier aussieht, kann ich mir nicht vorstellen, wo hier ein Canyon sein soll."

"Millionen von Touristen können nicht irren", sagte sie, obwohl auch ihr erste Bedenken kamen. Den Grand Canyon kannte Monika bisher nur von Bildern, auf denen ein gewaltiger Grabenbruch zu sehen war, von dem es hier allerdings nicht das geringste Anzeichen gab.

"Seit Stunden nur diese verdorrten Sträucher und Sand, Sand, Sand."

"Soll ich das Radio anmachen?", fragte sie, um ein weiteres Schweigen aufzuhalten, das sich in seiner Stimme allzu deutlich abzuzeichnen begann.

"Wenn die wieder nur Kenny Rogers oder Emmylou Harris spielen, drehe ich durch."

"Vielleicht bringen sie irgendwo deine Cher."

Das hätte sie nicht sagen sollen. Sven verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust und sah seitlich aus dem Fenster.

Es war immer wieder erstaunlich, wie schnell ihr Sohn beleidigt sein konnte, und wie lange diese vermeintl

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