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Tödliche Fortsetzung von Bischoff, Marc-Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2012
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Tödliche Fortsetzung

Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Glauser-Preis als bestes Krimidebüt 2012! Martin Kanthers beste Jahre, in denen er ein gefeierter, aber auch umstrittener Bestsellerautor war, liegen lange zurück. Umstritten deshalb, weil die in seinem Thriller Drachentöter beschriebenen Morde an Prostituierten bis ins Detail den Taten eines realen Serienmörders glichen. Kanther galt sogar als Hauptverdächtiger, wurde jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der wahre Mörder konnte nie gefasst werden. Inzwischen bestimmen Einsamkeit und Ödnis Kanthers Leben - bis er eine ungewöhnliche Anfrage erhält. Ein Fan seines Thrillers bittet ihn per E-Mail, sein Manuskript gegenzulesen. Als Kanther den Text bekommt, staunt er nicht schlecht: Er hält die Fortsetzung des Drachentöters in den Händen. Aber nicht nur der Roman hat eine Fortsetzung - eine Prostituierte wird tot aufgefunden. Beginnt auch eine neue Mordserie? Polizeipsychologin Nora Winter und ihre Kollegen von der Frankfurter Kripo stehen schon bald wieder vor Kanthers Tür ...

Marc-Oliver Bischoff wurde 1967 in Lemgo geboren und wuchs in einem kleinen Dorf am Stadtrand von München auf. Nach dem wirtschaftswissenschaftlichen Studium verschlug es ihn zunächst an den Bodensee, in die Schweiz und nach Frankfurt, der Stadt, der er sich bis heute am meisten verbunden fühlt. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern in Ludwigsburg und pendelt als Technologieberater zwischen seinem Wohnort und London. Für seinen ersten Kriminalroman ?Tödliche Fortsetzung? wurde er mit dem ?Friedrich-Glauser-Preis? in der Sparte ?Debüt? ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 348
    Erscheinungsdatum: 02.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894258641
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 578 kBytes
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Tödliche Fortsetzung

3. März

Das Taxi arbeitete sich den East Coast Parkway hinunter nach Südwesten, und wie zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit staute sich der Verkehr auf dem achtspurigen Freeway.

Siegfried Bär fror. Draußen herrschten beinahe vierzig Grad und eine erdrückende Luftfeuchtigkeit, doch im Inneren des Taxis war es eisig wie in einem Kühlschrank. Durch die getönten Scheiben betrachtete er die Küstenlinie der Straße von Singapur. Die Wasserfläche leuchtete metallisch vor einem schmutzigen Horizont, am gegenüberliegenden Wagenfenster zogen die Hochhäuser des Central Business District vorbei.

Der Sikh, der den Wagen chauffierte, drehte das Radio noch ein wenig lauter und sang einen indischen Schlager mit. An seinem Handgelenk klimperte Goldschmuck. Das Taxi verließ den Parkway und fädelte sich in Höhe Tanjong Rhu in den neu gebauten Marina Coastal Expressway ein. Marina South war das jüngste Geschäftsviertel Singapurs und im Marina Bay Financial Centre unterhielt der Mann, den Siegfried aufzusuchen gedachte, ein repräsentatives Büro.

Der Taxifahrer entließ seinen Fahrgast direkt vor der Eingangshalle in die Hitze. Siegfried legte den Kopf in den Nacken und betrachtete kurz den zweiundvierzigstöckigen Wolkenkratzer. Dann bahnte er sich den Weg vorbei am Empfangstresen und fuhr mit einem der sechs Aufzüge in den einundvierzigsten Stock. Die junge Dame an der Rezeption der Singapore Link Trading Company Ltd. ließ ihn zwanzig Minuten warten, dann endlich öffnete sich die schwere, mit Intarsien verzierte Holztür. Siegfried trat ein und grüßte sein Gegenüber, leicht vornübergeneigt und den Blick zu Boden gerichtet, mit knappem Händedruck.

Am frühen Abend verließ er das luxuriöse Büro und bestieg ein Taxi zum Flughafen. In seinem Gepäck hatte er ein Flugticket, über neuntausend Euro in bar, einen britischen Pass und einen neuen Auftrag. Er bestaunte ein letztes Mal die Skyline des kleinsten Staates in Südostasien. Als die Betonmauern und Hochsicherheitszäune des Changi-Gefäng-nisses am Autofenster vorbeihuschten, zog er es vor, seine Hände zu betrachten. Am Flughafen checkte er für einen Lufthansaflug nach Frankfurt ein. Im Duty-free-Shop erstand er eine Flasche Chivas Regal und in einem Geschäft für Herrenbekleidung ein Outfit, das besser in die heutige Zeit passte als die Kleidung, mit der er im zwanzigsten Jahrhundert eingereist war. Dann bestieg er als einer der ersten Passagiere die Maschine. Die blonde Stewardess, die ihm während der Wartezeit einen Orangensaft servierte, war die erste europäische Frau, der er seit zwanzig Jahren nahe kam. Er schätzte sie auf Anfang dreißig und fand sie attraktiv. Ein Blick auf das kleine Metallschild an ihrem Revers verriet ihm ihren Namen.

Es wird nicht allzu schwer sein, ihre Adresse und Telefonnummer herauszufinden, dachte Siegfried, als die Erschöpfung und das gleichmäßige Rauschen der Triebwerke ihren Tribut verlangten. Es wird nicht schwer sein, aber vorher muss ich eine alte Rechnung begleichen.

Dreizehn Stunden später stieg ein ausgeschlafener Siegfried Bär am Frankfurter Flughafen erneut in ein Taxi. Der Taxifahrer war ein Sikh und an seinem Handgelenk klimperte goldener Schmuck. Im Radio lief ein Bollywood-Song. Das Innere des Wagens war überheizt und draußen stießen die Menschen in der eisigen Morgenluft Dampfwölkchen aus. Genau wie in Singapur, dachte Siegfried. Nur umgekehrt.

Kanther stand in der Elbestraße und leuchtete blau. Sein Trenchcoat reflektierte das grelle Neonlicht, in das die Balkone der Gründerzeithäuser getaucht

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