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Tödliches Karma von Strobl, Ingrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Tödliches Karma

Katja Leichter, freie Journalistin und praktizierende Buddhistin, ist pleite. Aber anstatt neue Aufträge zu akquirieren, verbringt sie ihre Zeit damit, ihre neue Freundin Nele Achtsamkeits-Meditation zu lehren. Doch dann wird Nele von der Polizei gesucht: Ihr ehemaliger Dealer wurde ermordet, und auf der Tatwaffe sind ihre Fingerabdrücke. Nele taucht ab, Katja macht sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Und gerät in Teufels Küche.

Ingrid Strobl, geboren 1952 in Innsbruck, studierte Germanistik und Kunstgeschichte. 1979 zog sie nach Köln, arbeitete sechs Jahre lang als Redakteurin bei der Zeitschrift 'Emma' und machte sich 1986 als freie Autorin, Sachbuch-, Roman-, Hörfunk- und Fernsehautorin selbständig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863587246
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Köln Krimi Bd.34
    Größe: 3430 kBytes
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Tödliches Karma

EINS

Ich hasse es, wenn das Telefon klingelt, während ich meditiere. Dabei sollte ich als Buddhistin natürlich nicht hassen. Nichts und niemanden. Noch nicht einmal das Telefon. Aber so, wie ich gestrickt bin, werde ich wohl noch ein paar weitere Leben lang in Samsara herumirren. Die Aussicht auf das Nirwana schwand vollends, als der Anrufbeantworter ansprang und mein geliebtes Bruderherz "Nun geh schon ran, ich weiß, dass du da bist!" knurrte. Ich knurrte zurück. Versuchte, mich wieder auf meinen Atem zu konzentrieren. "Katja, ich bitte dich! Es ist wirklich wichtig!" War da etwas Flehendes in seiner Stimme? Mein Bruder Paul fleht nie. Ich ging dran.

"Ich wusste ja, dass du da bist. Was zierst du dich denn immer so?"

Er kann so freundlich und mitfühlend sein. Das war er schon immer. "Ich habe gerade meditiert", erklärte ich ihm. Nicht ohne Vorwurf in der Stimme.

"Das trifft sich gut."

Es verschlägt mir nicht oft die Sprache, aber das war so ein Fall. Ich starrte mit offenem Mund ins Leere.

"Katja, bist du noch dran?"

Mehr als ein staunendes "Ja" brachte ich noch immer nicht heraus.

"Hör zu", begann mein Bruderherz, und ich wusste, jetzt war Geduld angesagt. Eine buddhistische Grundtugend, die ich täglich aufs Neue zu entwickeln trachte. Meistens vergeblich. Die Story, die der Aufforderung folgte, ließ mich an meinem Verstand zweifeln oder besser gesagt an vierzig Jahren schwesterlicher Lebenserfahrung. Er habe eine Klientin, teilte mir mein großer Bruder mit, die wolle meditieren lernen. Außerdem sei sie Junkie. Und da wäre ich ja wohl die Richtige. Ich klärte ihn darüber auf, dass ich keine Meditationslehrerin bin und dass ich außerdem als freie Journalistin keine Zeit für derlei gute Taten habe. "Und", fügte ich sicherheitshalber hinzu, "ich darf das auch gar nicht machen. Ich habe keine Befugnis, Meditation zu lehren."

"Aber du meditierst doch seit zig Jahren", konterte mein Bruderherz, das sich seit ebenso vielen Jahren genau darüber lustig macht. Woran ich ihn stante pede erinnerte.

"Katja", stöhnte er, "ich habe jetzt keine Zeit für Grundsatzdebatten. Kannst du nicht einfach heute Nachmittag um vier kommen und wenigstens mal mit der Frau reden?"

"Wieso kümmerst du dich plötzlich um Junkies? Das ist doch nicht dein Genre?" Ich konnte es mir nicht verkneifen. Mein Bruder ist das, was man einmal einen linken Anwalt nannte. Seit er keine Hausbesetzer und militanten Demonstranten mehr verteidigen kann, begnügt er sich mit Migranten, Flüchtlingen und anderen unterdrückten Minderheiten, die seinem politischen Anspruch halbwegs genügen. Junkies gehören nicht dazu.

"Eben", blaffte er. "Deshalb bin ich ja auf deine Hilfe angewiesen."

Das wuchs sich zu einem Tag der Aha-Erlebnisse aus. Mein großer Bruder war aus Prinzip nicht, und zwar nie, auf meine Hilfe angewiesen. Ich ließ mich weichklopfen.

"Okay", erklärte ich huldvoll, "ich komme um vier."

Pauls Anwaltskanzlei liegt mitten im Belgischen Viertel, eine Adresse, die ich mir nicht leisten könnte. Er sich eigentlich auch nicht, dafür aber Meike, seine Frau. Die ist Notarin und nagt nicht gerade am Hungertuch. Was man den Räumlichkeiten ansieht. Die Mondrian-Drucke und der echte Polke im Wartezimmer vermitteln das, was man wohl als modern, aber solide bezeichnen könnte. Mein Geschmack ist es nicht, aber ich muss hier auch nicht herumwarten. Ich stellte mir vor, wie die Italo-Design-Stühle und die Chrom-Glas-Theke auf Pauls Junkieklientin und seine kurdischen Flüchtlinge wirken mochten, kam aber zu keinem Schluss. Vielleicht waren sie beeindruckt.

Die Vorzimmerlady war neu, türkisch, jung und filmreif attraktiv. Sie musterte mich, als müsste sie mich sofort in eine Klientenschemadatei eintragen, bis sie sich herabließ, mich zu fragen, ob sie mir helfen könne. Der Dharma lehrt, dass jede Begegnung, die dir widerfährt, ein Grund zur Dankbarkeit ist. D

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