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Teddybär, Teddybär, dreh dich um ... von Berg, Rosa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2015
  • Verlag: KSB Media GmbH
eBook (ePUB)
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Teddybär, Teddybär, dreh dich um ...

Es gibt nur zwei Menschen im verpfuschten Leben von Hanna Malchau, die ihr etwas bedeuten: Ihre Tochter Tonja, die sie nicht sehen darf, und Otto, der im Wohnwagen nebenan lebt. Wenn er unter Hannas Bettdecke kriecht, um sich zu wärmen, achtet er darauf, dass ihn niemand beobachtet, denn Hanna ist ein Outlaw, sogar auf dem Campingplatz.
Als Hanna Morddrohungen erhält, weiß sie sich nicht anders zu helfen, als sich an Kommissar Jan Sander zu wenden, der sie wegen kleinerer Delikte schon mehrmals festgenommen hat, aber Sander kann nichts für sie tun, denn es gibt keine Beweise. Möglicherweise hat Hanna sich alles nur ausgedacht? Er schenkt ihr erst Glauben, als sie Amok läuft und ihre Tochter entführt.

Rosa Berg lebt in Emden und auf Spiekeroog. Sie ist Autorin und Schauspielerin, sie schreibt Krimis und Thriller. In ihren Romanen lotet sie mit Vorliebe die menschlichen Abgründe aus, ihre Geschichten sind dementsprechend schwarz und herzfrequenzsteigernd wie Espresso.
Wenn Rosa Berg nicht schreibt oder spielt, genießt sie die norddeutsche Küste, stürmisches Wetter und hin und wieder einen alten irischen Whiskey.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 10.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945195567
    Verlag: KSB Media GmbH
    Größe: 630kBytes
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Teddybär, Teddybär, dreh dich um ...

1.

Hanna hatte schlecht geschlafen. Oskar war zwar in der Nacht wieder zu ihr in den Wohnwagen gekrochen und hatte sich neben sie gelegt, aber sie hatte trotzdem kein Auge zugetan. Diesmal lag es nicht daran, dass er schnarchte, als hätte er Polypen so groß wie Hühnereier, sondern an der blöden Ziege vom Jugendamt, die ihr wieder mal verboten hatte, ihre Tochter zu sehen. Zum zweiten Mal hintereinander. Dabei hatte sie Tonja schon vor Wochen eine Barbie geklaut. So eine mit langen, blonden Haaren und einem rosa Kleid. Sie hatte vorgehabt, Tonja die Puppe heute zu schenken. Man, die hätte Augen gemacht! Von Elisabeth bekam sie so was nicht. Hannas Mutter hielt nichts von solchen Modepuppen. Und Tonja wuchs ausgerechnet bei ihr auf. Hanna konnte sich noch genau daran erinnern, wie sehr sie sich eine Barbie gewünscht hatte. Aber Elisabeth hielt nur dieses todlangweilige, pädagogisch wertvolle Zeugs für gut. Auch Tonja bekam nur solchen Kram. Holzpuzzle und Memorys. Obwohl, oder vielleicht auch weil, die Kleine im Kopf nicht ganz richtig war. Deshalb hätte sie Tonja die Barbie heute so gerne geschenkt. Heimlich natürlich. Aber die Bullen hatten ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie sie einkassierten und in die Zelle sperrten. Obwohl sie nichts getan hatte, außer im Park mit ihren Freunden rumzuhängen. Gut, sie hatten was eingeworfen und waren ein bisschen übermütig gewesen. Nur ein ganz kleines bisschen. He, keiner war irgendjemandem an die Wäsche gegangen! Sie hatten nur ein wenig gepöbelt. Aber niemanden angefasst, ne, so was machten sie nicht. Weder Franky noch Ratte und zuallerletzt sie selbst. Ihr eigener Spitzname war übrigens Twiggy, obwohl der so gut zu ihr passte, wie Flöhchen zu einem Pottwal.

Sie drehte sich auf den Bauch und griff unter das Kopfkissen, um die Barbie darunter hervorzuziehen. Ihr Haar war platt gedrückt, weil sie darauf gelegen hatte, und das schöne Kleid knittrig, aber sonst war sie noch in Ordnung. Sie strich der Puppe über die nach vorne abstehenden Brüste, über die magersüchtige Taille und den vollkommenen flachen Bauch. In ihren Träumen sah sie ebenso schön aus. Aber eben nur in ihren Träumen. Sie legte die Puppe zurück. Jetzt würde es wieder vier lange Wochen dauern, bis sie die nächste Chance bekäme, Tonja für zwei Stunden zu sehen und ihr die Barbie zu schenken. Mühsam rollte sie sich auf den Rücken zurück und zog sich die Bettdecke bis über das Kinn. Es war verflucht kalt im Wohnwagen. Kein Wunder, denn die Temperaturen lagen in der Nacht unter dem Nullpunkt. Sie starrte gegen die Lüftungsklappe über ihrem Bett. Der milchige Kunststoff sah von dem Moos, das auf dem Wohnwagendach wucherte, ganz schwarz aus. Sie sollte den Wagen endlich mal sauber machen. Die anderen Dauercamper auf dem Platz redeten schon. Na ja, die redeten immer. Oskars Wagen sah genauso aus wie ihrer, aber über den redete keiner. Wie Hanna lebte er das ganze Jahr über auf dem Platz, weil es draußen, im richtigen Leben, keinen für sie beide gab. Vielleicht kroch er deswegen nachts in ihr Bett, um sich an ihr zu wärmen. Sie warf ihn nicht raus, denn sie mochte es, wenn er neben ihr lag, und er wollte sie auch nicht vögeln, was sie manchmal bedauerte. Aber eben nur manchmal. Es lag wohl daran, dass sie das genaue Gegenteil von Barbie war. Nicht Twiggy, sondern der Wal. Wenn es herauskäme, dass Oskar bei ihr schlief, würden sie doch über ihn reden, ebenso wie über Hanna. Er wäre bei den anderen Dauercampern untendurch. Man ging eher zu einer der Damen, die ihre Wohnmobile unter der Brücke ganz in der Nähe abstellten, bevor man die Nacht mit Hanna verbrachte. Die Damen hatten blinkende Herzen in den Fenstern, sie selbst waren geschmückt wie ein Tannenbaum und sie rochen gut. Hanna stank. Sie müffelte wie ihr moosbewachsener Wohnwagen. Man mochte zu den Losern gehören, die auf dem Campingplatz eine schäbige Zuflucht gefunden hatten, aber zu Hanna ins Bett

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