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The Mayfly - Die Chemie des Bösen Thriller von Hazel, James (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.03.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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The Mayfly - Die Chemie des Bösen

Der Tod bringt Erlösung. Doch der Weg dorthin ist grausam ... In einer Hütte im Wald, irgendwo im walisischen Niemandsland, findet die Polizei eine schrecklich zugerichtete Leiche. Es scheint, als hätte der Tote sich selbst so zugerichtet. Wenig später wird der Anwalt Charlie Priest in seiner Londoner Wohnung von einem Mann angegriffen, der auf der Suche nach einer rätselhaften Liste ist. Nur Stunden später liegt der Angreifer tot in einer Lagerhalle und Priest ist unter den Verdächtigen. Er muss herausfinden, was es mit der Liste auf sich hat - und stößt auf einen skrupellosen Club und eine grausame Wahrheit aus den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs, die alles für ihn Vorstellbare übersteigt ... James Hazel war als Anwalt im Bereich Unternehmens- und Arbeitsrecht tätig, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Er interessiert sich für Kriminologie, liebt Krimis und Thriller, Indiemusik und alles, was retro ist. James Hazel lebt mit seiner Frau und ihren drei Kindern in Lincolnshire, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 04.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641220983
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: The Mayfly (Charlie Priest 1)
    Größe: 1137 kBytes
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The Mayfly - Die Chemie des Bösen

2

6. April 1945

Konzentrationslager Buchenwald, Deutschland

Captain Ainsworth stand vor dem Haupttor, eine Zigarette im Mundwinkel. In der letzten Stunde hatte der Regen etwas nachgelassen, zögerlich durchbrachen die ersten Sonnenstrahlen die Wolken.

Die 89th Infantry Division war vor zwei Tagen eingetroffen. Man hatte mit Widerstand gerechnet, doch stattdessen war das Lager bereits in der Gewalt der Insassen gewesen. Offenbar hatte die Nachricht von den anrückenden britischen und amerikanischen Truppen das Lager schon vor mehreren Tagen erreicht, und die Deutschen hatten sich eilig zurückgezogen. Nachdem die Hierarchie zusammengebrochen war und die Wachen entweder S elbstmord begangen oder die Flucht ergriffen hatten, w aren die Wachtürme von den Häftlingen gestürmt worden. Die tapferen Gefangenen - hauptsächlich Kommunisten - hatten die Waffen, die sie oft jahrelang versteckt gehalten hatten, endlich zum Einsatz bringen können. Dabei hatten sie ihren Peinigern gegenüber sogar Gnade walten lassen und Gefangene genommen.

Ainsworths Männer waren auf das, was sie in Buchenwald erwartete, nicht vorbereitet gewesen, obwohl sie von den Lagern und auch von Gerüchten über Massentötungen mit Giftgas gehört hatten. Ein polnisch-jüdischer Anwalt namens Lemkin hatte sogar ein neues Wort dafür geprägt: Genozid. Doch Wörter waren die eine Sache. Der Anblick eines Mannes, der aus Dankbarkeit für die Befreiung aus der Hölle auf Erden zu deinen Füßen tot zusammenbricht, war eine andere. Nichts hätte Ainsworth darauf vorbereiten können.

Zuerst waren sie auf die Tschechen gestoßen. Tausende, gedrängt auf einem Raum, der höchstens für ein paar hundert Menschen Platz bot. Nackt bis auf um die Hüften gewickelte Fetzen. Frierend. Sterbend. Ihre Körper waren durch die Mangelernährung so dürr geworden, dass sie kaum noch als menschlich zu erkennen waren. Lebende Tote mit gelblich-weißer Haut, die so schnell riss wie Papier und sich so fest über die Knochen spannte, dass Ainsworth jede Rippe zählen konnte.

Mit letzter Kraft hatten die Gefangenen die 89th Division wie Helden begrüßt. Obwohl sie kaum gehen konnten, hatten sie es irgendwie geschafft, mehrere Infanteristen auf die Schultern zu heben und im Triumphzug durchs Lager zu tragen. So peinlich es den Soldaten auch war, sie hatten die Gefangenen gewähren lassen, obwohl mehrere vor Anstrengung dabei zusammenbrachen.

Die Insassen stammten aus aller Herren Länder: Tschechen, Polen, Sowjetbürger, Franzosen und Kroaten. Auch Frauen waren darunter, von denen man viele zur Prostitution im Lagerbordell gezwungen hatte. Eine besondere Genugtuung für Ainsworth war die Befreiung mehrerer Landsleute: amerikanische und auch ein paar britische Piloten, die über Frankreich abgeschossen worden waren. Die falschen Papiere, die man ihnen mitgegeben hatte, damit sie leichter aus feindlichem Territorium entkommen konnten, hatten die Nazis erst recht misstrauisch gemacht. Die Piloten waren als Spione verhaftet und zusammen mit den Juden nach Buchenwald gebracht worden.

Die Juden. Ein ganzes Volk, von den Nazis als "nutzlose Esser" gebrandmarkt.

Ein höfliches Hüsteln riss Ainsworth aus seinen Gedanken. Er hatte Henderson, der hinter ihm stand, gar nicht bemerkt. Der Corporal war ein guter Soldat und für einen Infanteristen nicht auf den Kopf gefallen, wirkte aber nun genau wie die anderen jungen Männer der Truppe bleich und niedergeschlagen.

"Der erste Teil des Insassenverzeichnisses, Sir", sagte Henderson.

Ainsworth nahm das Papier entgegen, ohne es zu lesen. Stattdessen starrte er über die Tore hinweg zum Horizont. "Sir, wir haben nicht genug Medikamente für alle", sagte Henderson nach einer Weile. "Wir können das Sterben nicht aufhalten."

Ainsworth nickte grimmig. "Kein Grund, es nicht trotzdem zu versuchen." Sein Magen gurgelte. Er vertrug die Chlortabletten nicht, mit denen das Trinkwasser versetzt

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