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Tiefes Grab Jeder Held hat eine dunkle Seite. Man muss nur tief genug graben.. Thriller von Ripley, Nathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Tiefes Grab

Familienvater Martin Reese pflegt ein ungewöhnliches Hobby. Er spürt die lang verschollenen Opfer von Serienkillern auf, gräbt ihre Überreste aus und meldet seinen Fund dann anonym der Polizei. Martin selbst sieht sich als aufrechter Kämpfer für die Gerechtigkeit, fast schon als Held. Bis er bei seinem nächsten Streifzug eine schockierende Entdeckung macht: Offenbar ist jemand bestens informiert über ihn und sein kleines Hobby. Martin muss erkennen, wie gefährlich es ist, einem Serienkiller ins Handwerk zu pfuschen ... Nathan Ripley ist das Pseudonym des preisgekrönten Journalisten, Literaturkritikers und Sachbuchautors Naben Ruthnum. Er lebt und arbeitet in Toronto. Tiefes Grab ist sein Thriller-Debüt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 28.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572250
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Find You in the Dark
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Tiefes Grab

1. KAPITEL

Diesmal dauerte es länger, die Grabungsstelle zu säubern. Zum Schlafen blieb mir daher nur wenig Zeit. Ich legte mich in meinem Zelt noch mal zwei Stunden aufs Ohr, bevor ich pünktlich um vier Uhr früh auf den Highway nach Seattle einbog - ausgerüstet mit einer Thermoskanne Kaffee und einigen dieser legalen Energydrinks, die bei Truckern so beliebt sind.

Vierzehn Stunden später befand ich mich kurz vor meinem Ziel. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich die Sporthalle schon fünfzig Minuten früher erreicht. Nur schien es dem Verkehr in Seattle nicht ganz so wichtig zu sein wie mir, dass meine Tochter rechtzeitig vom Schwimmtraining abgeholt wurde. Ich überprüfte im Rückspiegel noch mal, dass ich die Ausrüstung richtig verstaut hatte. Ja, nichts zu sehen außer den Campingsachen. Der ganze Rest war abgedeckt, kein Teil schaute irgendwo hervor. Den Laptop hatte ich wohlweislich unter die Rückbank gelegt statt darauf. Denn dorthin würde Kylie gleich ihre Sporttasche pfeffern. Ich ließ meinen Blick über die Sitze gleiten auf der Suche nach irgendwelchen Spuren, die ich vielleicht übersehen hatte - Erde oder schlimmere Dinge. Dank dieses Manövers hätte ich fast den alten Camry übersehen, der unerlaubterweise meine Fahrbahn kreuzte. Ich tippte die Bremse an, um sie dann komplett durchzutreten. Verständlicherweise versetzte das die Fahrer hinter mir ein wenig in Aufregung. Wildes Gehupe ertönte. Ich fuhr weiter, um schließlich am Bordstein direkt vor der Sporthalle zu halten.

"Du bist zu spät", verkündete Kylie, nachdem sie die Tür geöffnet hatte. Sie ließ sich auf den Beifahrersitz fallen und schleuderte mit geübtem Schwung die Sporttasche über die Schulter nach hinten. Prompt erwischte mich der Riemen der Tasche am Auge. Blinzelnd beobachtete ich, wie Kylie ihrer Freundin Danielle zuwinkte, wobei ich aus der Entfernung nicht ganz sicher war, ob es sich wirklich um Danielle handelte. Ebenso gut konnte das Ramona oder ein anderes Mitglied des Schwimmteams sein. Wenn sie vom Training kamen, sahen diese vierzehnjährigen Mädchen alle beunruhigend ähnlich aus mit ihren hochgeschlagenen Jackenkragen und den feuchten Haaren, die sie unter den Mützen verborgen hatten.

Kylie ließ ihre Schultasche in den Fußraum plumpsen. Dann drehte sie sich zu mir und musterte mich kritisch.

Natürlich grenzte es an Wahnsinn, meine Tochter die halbe Woche um fünf Uhr früh zum Seattle Athletic Club zu kutschieren und sie die andere Hälfte um siebzehn Uhr abzuholen. Väterlicher Ehrgeiz hätte mich nie dazu bewegen können, das zu tun. Liebe vermutlich auch nicht - jedenfalls nicht die Art von Liebe, die ich für Ellen, meine Frau, empfand. Aber für Kylie tat ich es. Eine Tatsache, die mich manchmal selbst erstaunte. In den letzten zwei Jahren war ich nur acht Mal zu spät gekommen. Heute war das neunte Mal.

Meine Tochter hatte die schmale Nase und den großzügig geschwungenen Mund ihrer Mutter geerbt. Von mir hatte sie die dunklen Brauen und diese hellblauen Augen. Wenn Kylie mich, wie jetzt, leicht kritisch anstarrte, wirkte es dank der zweifachen Ähnlichkeit, als würde ich auf eine Strafpredigt meiner Frau zusteuern, während ich gleichzeitig mein eigenes enttäuschtes Gesicht im Spiegel betrachtete.

"Fahr los, Dad. Bevor noch jemand zu uns rüberkommt und dich genauer ansieht. Quietschende Reifen und so, wenn du verstehst."

Ich fuhr in normalem Tempo los, auch wenn die Botschaft angekommen war. "Tut mir leid. Ich komme direkt vom Zelten. Natürlich hätte ich an einer Raststätte angehalten und mich gewaschen, wenn ich geahnt hätte, dass dir das derart peinlich ist."

"Wo warst du noch mal?"

"In der Nähe von Tacoma. Wirklich schön dort." Was der Wahrheit entsprach - zumindest der halben Wahrheit. Ich hatte tatsächlich auf einem Campingplatz in Kent nahe Tacoma die Anmeldung ausgefüllt, alle Gebühren bezahlt und ein kleineres Zelt aufgebaut. Er

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