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Tod auf dem Rolandsfest von Michael, Rolf (eBook)

  • Verlag: Uksak E-Books
eBook (ePUB)
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Tod auf dem Rolandsfest

Schicksalhaft treffen einige Menschen zum Rolandfest in Nordhausen aufeinander: Mosche Rosenthal kommt nach Jahrzehnten zurück in seinen Geburtsort - wo er, seine Eltern und sein Bruder Aaron als Juden verfolgt und nach Auschwitz deportiert wurden. Als Einziger hat er überlebt, und von Hass getrieben, trifft er unerwartet auf den Mann, der seinen Bruder tötete: Friedhelm Schüßler. Dessen Enkelin Gabi steht ebenso plötzlich ihrer Jugendliebe Dominik Klinger gegenüber, der inzwischen Reporter bei der 'Thüringer Allgemeinen' ist. Und der geheimnisvolle russisch-orthodoxe Pope Pjotr Grigoriwitsch Newski ist der Spur zur 'Silbernen Madonna von Smolensk', die seinerzeit von den Nazis gestohlen wurde, ebenfalls nach Nordhausen gefolgt. Doch ist er nicht der Einzige, der an der Ikone interessiert ist - auch der 'Patriarch', der mächtige Verbrecherkönig, will dieses wertvolle Kultbild um jeden Preis besitzen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 120
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738911497
    Verlag: Uksak E-Books
    Größe: 849 kBytes
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Tod auf dem Rolandsfest

2

Über fünfzig Jahre hatte Mosche Rosenthal seine Geburtsstadt Nordhausen nicht mehr gesehen. Zwar war der in Israel lebende Rosenthal seit dieser Zeit schon einige Male wieder in Deutschland gewesen, aber seine alte Heimatstadt war für ihn bis Ende der 80er Jahre durch die Staatsgrenze der DDR unerreichbar gewesen. So hatte er beim Aufenthalt in der Bundesrepublik nur die Verwandten in Nürnberg, Frankfurt und Kassel besucht und war spätestens nach zwei Wochen wieder zurück nach Israel geflogen. Für ihn gab es keine Chance, den eisernen Vorhang zu durchdringen.

Als er 1993 zum letzten Mal wieder in Deutschland gewesen war, hatte er mit sich gekämpft, ob er von Kassel einmal einen Tag nach Nordhausen fahren sollte. Die Grenze mitten durch das Land, die einst undurchdringlich und für die Ewigkeit geschaffen schien, war gefallen. Und es war ein harter, seelischer Kampf gewesen, den Mosche mit sich ausgefochten hatte. Einerseits hätte er gern die Stätten seiner Kindheit wiedergesehen und wäre durch die Straßen und Gassen geschlendert, in denen er aufgewachsen war. Doch da gab es auch die schlimmen Erinnerungen an die Nazizeit. An die Demütigungen, die seine jüdische Familie in jener dunklen Epoche ertragen musste. Die sinnlose Zerstörung ihres kleinen Lebensmittelladens während der sogenannten Reichskristallnacht. Und dann die Deportation der ganzen Familie in den Osten. Auf dem Bahnhof von Nordhausen hatte Mosche Rosenthal seine Eltern zum letzten Mal gesehen. Nur Gott, der Allmächtige, mochte wissen, wohin sie gekommen waren. Mosche selbst war mit seinem älteren Bruder Aaron nach Theresienstadt deportiert worden, weil beide vorzüglich Geige spielen konnten. Hier waren sie gezwungen worden, im Orchester mitzuspielen und ausländischen Besuchern vorzugaukeln, dass die Nazis den Juden eine menschenwürdige Behandlung zuteil werden ließen. Irgendwann wurden die Rosenthal-Brüder nach Auschwitz gebracht und mussten dort mit ihren Instrumenten den Weg der Todgeweihten begleiten, die von den SS-Schergen in die Gaskammern geführt wurden.

Als das KZ Auschwitz überstürzt aufgelöst wurde, und man die Überlebenden zurück nach Deutschland schaffte, schöpften Mosche und Aaron Rosenthal Hoffnung. Die Alliierten waren auf dem Vormarsch. Die Amerikaner hatten den Rhein überschritten, und die Russen standen bereits in Ostpreußen. Die Tage der Nazidiktatur waren also gezählt. Dennoch dachten die braunen Machthaber nicht daran, durch eine Kapitulation den Krieg zu beenden.

In Höhlen und Stollen im Südharz wurden sogenannte Wunderwaffen gebaut, die das Kriegsglück noch einmal zugunsten Hitlers wenden sollten. Es ging das Gerücht, dass man in der Heimkehle sowie anderen Höhlen und unterirdischen Stollensystemen Raketengeschosse produzierte, gegen die es keine Abwehr gab. Und auf dem Transport von Auschwitz zurück ins umkämpfte Reichsgebiet gab einer der SS-Männer den in Viehwaggons Zusammengepferchten bekannt, dass man die "hohe Ehre" habe, in diesen "geheimen Waffenschmieden des Führers" einen "Beitrag zum Endsieg" zu leisten. Im Lager "Dora" in der Gegend von Nordhausen würde man in der Produktion von Raketen und anderen "Vergeltungswaffen" eingesetzt.

Die Nähe der einstigen Heimat ließ neue Hoffnung in Mosche und Aaron aufkommen. Vielleicht gelang ihnen die Flucht aus dem Konzentrationslager. In Nordhausen wussten sie viele alte Freunde, die aus Furcht vor den Nazis von ihnen abgerückt waren. Aber jetzt, wo sich der Krieg seinem Ende näherte, und die Alliierten ein großes Strafgericht über die Kriegsverbrecher ankündigten, würde es sicher Leute geben, die sie solange versteckten, bis entweder die Amerikaner oder die Russen kamen, um dem braunen Spuk endgültig ein Ende zu bereiten.

Schon in der zweiten Nacht gelang es den Brüdern, sich durch die Stacheldrahtverhaue des Lagers zu schleichen. Doch während Mosche ein nahes Wäldchen erreichte, wurde Aaron von einer zuf

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