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Tod durch Erinnern Kriminalroman. von Waffender, Corinna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2009
  • Verlag: Querverlag
eBook (ePUB)
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Tod durch Erinnern

Die 36-jährige Maike Ebling wird vergiftet im Berliner Tiergarten aufgefunden. Die Ermittlungen von Hauptkommissarin Inge Nowak führen nach Granada: Wurde die Ökologin zur Bedrohung für einen profitsüchtigen Solarzellenhersteller in der Sierra Nevada, ist der Täter unter ihren ehemaligen Studenten zu suchen oder hatte ihre andalusische Geliebte ein Motiv, sie umzubringen? Was hatte Maike Ebling zu verbergen und mit wem traf sie sich kurz vor ihrem Tod? Inge Nowaks erster Fall konfrontiert sie nicht nur mit der erschütternden Vergangenheit des Opfers, sondern verändert auch ihr eigenes Leben: Auf den Spuren der Toten verliebt sich die Kommissarin Hals über Kopf. Corinna Waffender erzählt in ihrem ersten Kriminalroman von Schuld und Vergebung, von Verantwortung und Kontrollverlust, von Rache und Leidenschaft. Gewohnt stilsicher verbindet die Autorin dabei spannende Unterhaltung mit anspruchsvoller Literatur.

Corinna Waffender, 1964 in Mainz geboren, lebt in Berlin. Mehrfach literarisch ausgezeichnet, Herausgeberin verschiedener Anthologien und Initiatorin von Literaturprojekten (www.textwaren.de). Im Querverlag sind von ihr folgende Romane erschienen: Zwischen den Zeilen (2002), Schnitt (2005), Flüchtig bleiben (2007), Laut gedacht (2008) sowie die beiden Kriminal romane Tod durch Erinnern (2009) und Töten ist ein Kinderspiel (2010) in der Reihe quer criminal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 19.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896565006
    Verlag: Querverlag
    Größe: 345kBytes
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Tod durch Erinnern

"Hilfe", schrie sie, "bitte helfen Sie mir! Ich werde hier festgehalten!"

Wie in Trance ging er auf sie zu, als sie ihn sah, verstummte sie sofort und machte sich klein. Nahm die Hände schützend vor das Gesicht. Stammelte, flehte. Es war ein Elend, sie so zu sehen. Die Frau, die er liebte für ihr anmutiges Lächeln, für ihr makelloses Aussehen, saß verheult und mit zotteligen Haaren vor ihm wie ein Tier. Am liebsten hätte er sie genommen und über die Brüstung geworfen. Aber er war ja kein Mörder. Jedenfalls nicht einer von der vorsätzlichen, brutalen Sorte. Er griff sie unsanft am Handgelenk und zog sie hinter sich her in die Wohnung. Da fing sie wieder an zu schreien. Er musste ihr den Mund zuhalten, bis sie drinnen waren. Sie wehrte sich, er drehte ihr den Arm auf den Rücken, bis sie damit aufhörte. Ruhiger wurde. Sich willenlos ins Badezimmer führen ließ, wo er den Bademantelgürtel aus den Schlaufen zog. Sie gluckste und starrte ihn mit Glupschaugen an. Hässlich. Wie hässlich sie plötzlich war. Ihre Maske war abgefallen und darunter war nichts als unansehnliche Schwäche. Rotz und Wasser. Unter größter Anstrengung band er ihr mit dem Frotteegürtel den Mund zu, ihre Handgelenke hatte er fest im Griff. Schnürte sie mit dem schmalen Gürtel aus Leder, den er ihr aus der Hose zerrte, zusammen. Ließ sie dann los. Erbärmlich. Sie stand vor ihm wie ein dreckiges kleines Mädchen. Was sollte er jetzt bloß mit ihr machen? Ihr die Kleider vom Leib reißen und sich an ihr vergehen? Die Vorstellung ekelte ihn an und machte ihn geil. Widerlich. So tief war er also gesunken. In so kurzer Zeit. Er ließ sie einfach im Bad stehen und ging ins Wohnzimmer zurück. Holte aus dem Glasschrank die Flasche Whiskey, die er seit Jahren für besondere Anlässe aufbewahrt hatte. Zweifellos der richtige Augenblick für ein Glas davon.

Der Spaziergang hatte sie direkt zum Hotel geführt. Das Fenster des Zimmers ging auf eine Straße hinaus, die erwachte, als die beiden Frauen gerade eingeschlafen waren. Kurze Zeit später war Inge aus einem wirren Traum hochgeschreckt, der keine Bilder hinterlassen hatte, nur ein Gefühl des freien Falls. Nun wanderten ihre Augen unruhig in der Dunkelheit herum, um sich wieder zu erden. Ein Stuhl mit hingeworfenen Kleidern, ein Aschenbecher auf dem Nachttisch. Der Ventilator surrte leise, von draußen drangen Wärme und das Leben fremder Menschen herein. Granada. Inge setzte sich vorsichtig auf, lehnte sich mit dem Kopf an die Wand. Neben ihr atmete Verónica ruhig und gleichmäßig, ihr Gesicht war in den Kissen vergraben, sie hatte die nackten Beine leicht angewinkelt. Zum ersten Mal betrachtete Inge ihre Füße. Sie schauten unter der dünnen Decke hervor, die rot lackierten Fußnägel stachen dunkel auf dem weißen, zerknitterten Laken hervor. Sie ist wunderschön, dachte Inge, was will sie ausgerechnet von mir? Und was soll daraus werden? Ihnen blieben noch ein Tag und eine Nacht, dann würde sie zurück nach Berlin fliegen. Zurück in ihren Alltag, in dem eine erwachsene Tochter und noch ein ungelöster Fall mehr auf sie warteten. Würde sie sich in Zukunft nach Frauen sehnen? Oder würde Verónica eine Ausnahme bleiben, ein Urlaubsflirt ohne Folgen? Sie hatte sich ohne Scheu von ihr lieben lassen, ihren Körper nicht zurückgehalten, nicht genug bekommen können von den weichen Lippen, dem Duft ihrer Haut. Das Feuer, das in ihr entbrannt war, ließ sich in jedem Moment wieder entfachen. Ein Blick genügte, ein Streifen mit den Fingerspitzen über ihren Arm, ihre Stimme, wenn sie ihren Namen sagte oder Dinge, die Inge nicht glaubte, aber immer wieder hören wollte.

" Te quiero ."

" ¿Por qué? "

"Weil du ein Wunder bist. Un milagro ."

Sie hatten einander langsam entdeckt. Sich behutsam erkundet, erstaunt über die Vehemenz, mit der sie aufeinander reagierten, hatten sich neugierig genähert, mit Zungen und Händen gesprochen, nur vorsichtig Fragen gestellt und l

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