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Tod einer Queen Guarnaccias siebter Fall von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod einer Queen

Alle haßten die lebende Lulu, und die tote Lulu ist erst recht keine sympathische Erscheinung. Niemand will mit diesem Fall zu tun haben, schon gar nicht Wachtmeister Guarnaccia. Doch als schon wenige Tage später die erste Festnahme erfolgt, sind alle beeindruckt. Nur Guarnaccia kann sich, trotz aller Beweise, einfach nicht vorstellen, daß die launenhafte Peppina einen so kaltblütigen Mord verübt haben soll. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605969
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: The Marshal's Own Case
    Größe: 1436 kBytes
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Tod einer Queen

[5] 1

Die Herbstwoche, in der das neue Schuljahr beginnt, ist genauso schlimm wie Weihnachten. Jedenfalls war das die Meinung von Wachtmeister Guarnaccia. Im größten Kaufhaus von Florenz war, wie immer, eine ganze Etage freigeräumt worden, und nun lagen dort Stapel von schwarzen, weißen, blauen und karierten Schulkitteln, und die Regale waren vollgepackt mit Schreibheften, Stiften, Schultaschen und anderen Dingen. Überall genervte Eltern und quengelnde Kinder, die von Stand zu Stand drängten und nach den knallbunten Packungen mit Filzstiften und Mickymaus-Radiergummis griffen. Mütter konsultierten ihre Einkaufslisten, um festzustellen, welches Kind dreizeilig linierte Hefte benötigte und welches doppelt linierte. Väter protestierten gelegentlich wegen der unnötig hohen Ausgaben, hatten aber wenig Hoffnung, beachtet zu werden. Es war heiß im Kaufhaus, und es herrschte ein ohrenbetäubender Lärm.

Der Wachtmeister hatte bislang noch nicht protestiert. Genau eine Stunde und zehn Minuten trottete er seiner Frau und den beiden Jungen jetzt schon hinterher. Gerade erst hatte er auf seine Uhr gesehen. Um diese nachmittägliche Stunde lag er gewöhnlich mit der Zeitung auf dem Wohnzimmersofa und döste, während der Espresso auf dem kleinen Tisch daneben langsam kalt wurde. Daß er darauf verzichten mußte, war für ihn ebensowenig Grund [6] zur Klage gewesen, doch inzwischen fragte er sich, ob er es rechtzeitig zur Carabinieri-Wache Palazzo Pitti schaffen und um fünf wieder an seinem Schreibtisch sitzen würde. Eine gute Viertelstunde standen sie schon in einer langen Schlange vor der Kasse, als sich plötzlich zeigte, daß sie irgend etwas vergessen hatten, woraufhin die drei wieder loszogen. Totò brüllte: "Hier! Sie sind hier!" Er wurde von Teresa ständig ermahnt, leiser zu sein. Wozu das gut sein sollte, war dem Wachtmeister nicht klar, da alle anderen Kinder hier genauso brüllten. In dieser Menschenmenge konnte man nicht nachdenken, geschweige denn sich bewegen.

Sie waren wieder verschwunden. Er gab es auf, ihnen zu folgen, und blieb einfach stehen. Mit seiner Leibesfülle und in der schwarzen Uniform sah er aus wie ein gestrandeter Wal an einem belebten Strand. Ein leises "Uffa!" entrang sich ihm, während er nach einem Taschentuch suchte, um sich die Stirn abzuwischen. Ein Kind stolperte über seine großen schwarzen Schuhe, und eine Frau stieß ihn an:

"Stehen Sie hier an oder nicht?"

Ohne ihr eine Antwort zu geben, löste er sich aus der Menschentraube vor der Kasse. Nirgends konnte er sich hinstellen, ohne irgend jemand im Weg zu stehen. Na ja, egal. Soweit er sich erinnerte, hatte er in die Schule höchstens einen Bogen liniertes Papier für den wöchentlichen Aufsatz mitgenommen. Bleistifte lagen in der Küchentischschublade oder wurden geborgt.

"Aber Mamma! Er ist viel zu lang!" Ein kleiner Junge hinter dem Wachtmeister protestierte, als seine Mutter ihm einen schwarzen Kittel anhielt.

[7] "Ich werde ihn kürzen. Im nächsten Jahr soll er ja auch noch passen. Halt endlich still!"

Dem Wachtmeister fiel auf, daß kaum noch ein Kind mit der Satinschleife am Hals herumlief, wie sie seinerzeit üblich gewesen war. Seine Mutter hatte immer viel Tamtam darum gemacht, hatte stundenlang, wie ihm schien, an ihr herumgezupft, bis sie richtig saß, während er sich wehrte und hinaus wollte auf die staubige, gelbe Straße, um unterwegs noch etwas Zeit für einen kleinen Streich zu haben. Die Mutter pflegte außerdem sein widerspenstiges schwarzes Haar mit Wasser zu frisieren - auch so etwas, was er nicht hatte leiden können. Und wenn er dann wie ein freigelassenes wildes Tier aus der Küche schoß, rief sie ihm hinterher: "Und spiel unterwegs nicht, sonst machst du dich schmutzig! Denk dran!" Immer hatte er unterwegs gespielt, und immer hatte er sich schmutzig gemacht, und seine Mutter hatte es gewußt, ihn aber trotzdem immer wieder ermahnt. Jetzt war es T

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