text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tod einer Verrückten Guarnaccias sechster Fall von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tod einer Verrückten

Warum sollte jemand Clementina ermorden, jene liebenswerte Verrückte, die jeder kennt im Florentiner Stadtviertel San Frediano? Wie sie in ihrem abgetragenen Kleid immer vor der Bar mit dem Besen herumfuhrwerkte - das war ein allen vertrautes Bild. Erst als Clementina tot ist, wird klar, wie wenig man eigentlich von ihr weiß. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605983
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1610 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tod einer Verrückten

[36] 2

Die Szene der vergangenen Woche wiederholte sich, mit denselben Personen, der gleichen Ansammlung von Menschen, die sich unter den Fenstern des Eckhauses eingefunden hatten und hinaufschauten, und dem Maresciallo, der sich den Weg zur Haustür bahnte. Allerdings gab es winzige Unterschiede. Das Licht bei Sonnenuntergang war gedämpfter, und dasselbe galt für den Lärm, den die Leute machten. Außerdem war er diesmal in Uniform, so daß sich die Menge teilte, um ihn durchzulassen. Als er zum Fenster der verrückten Frau hinaufsah, erblickte er anstelle des plumpen, nackten Körpers einen dünnen Mann in weißem Hemd. Über das laute Gemurmel hinweg rief eine heisere Frauenstimme: "Pippo! Mach auf, der Maresciallo ist da."

Der Mann im weißen Hemd schaute kurz hinunter und verschwand dann. Der Maresciallo ging eilig auf die Haustür zu, die mit einem Klicken aufging, sobald er sie erreichte. Die Treppen waren sehr steil und düster, beleuchtet nur von einer schwachen, nackten Glühbirne auf jedem Treppenabsatz. Eine hübsche, pausbackige junge Frau stand in der Tür zu der Wohnung im ersten Stock, aus der warmes Licht und verlockende Essensgerüche drangen. Obwohl sie sich zurückzog, als sie den Maresciallo sah, hörte [37] er sie, während sich die Tür schloß, noch leise "Guten Abend" murmeln.

Er nickte nur zu der geschlossenen Tür hin, da er seinen ganzen Atem benötigte, um, den Hut in der Hand, mühsam die Treppen hinaufzustapfen.

Pippo, der dünne Mann im weißen Hemd, erwartete ihn auf dem obersten Treppenabsatz. Noch bevor der Maresciallo ihn erreicht hatte, überfiel er ihn: "Das war Franco, der Sie angerufen hat. Ich dachte, ich bleibe lieber hier bei ihr."

Er war schlaksig und hatte eine große Nase und graue Augen, die unruhig hin und her flitzten und denen nichts entging.

Der Maresciallo, ganz außer Atem, ging nicht darauf ein, folgte ihm aber durch die abblätternde schwarze Tür in die schäbige kleine Wohnung.

"Sie ist da drin."

In der Küche war kaum genug Platz für den altmodischen Ausguß, einen uralten Gasherd und einen kleinen Tisch mit einer Plastikdecke. Das Fenster, nicht größer als dreißig Zentimeter im Quadrat, stand weit offen, so daß man auf das Durcheinander roter Ziegeldächer vor der untergehenden Sonne hinausblickte, und vor der schmalen Nische links neben dem Herd hing ein fadenscheiniger geblümter Vorhang. All das registrierte der Maresciallo, ohne den Raum zu betreten, da ihm der Weg durch den Körper versperrt war, der unmittelbar hinter der Tür lag. Nach ein paar Sekunden stieg er darüber, um hineinzugelangen. Pippo blieb draußen vor der Tür.

"Wer hat ihr das draufgelegt? Sie?" Der Kopf war mit [38] einem ausgewaschenen Geschirrtuch bedeckt, so daß nur ein Büschel grauer Haare zu sehen war.

"Was anderes konnte ich nicht finden."

Der Maresciallo zog das Tuch weg und betrachtete das Gesicht, das nach oben gewandt war, als wollte es zu ihm aufschauen. Die Augen standen leicht offen, der Mund war nach einer Seite verzogen, und auf der Backe hatte die Frau einen dunklen Fleck. Er runzelte die Stirn und beugte sich über die Leiche. Sie lag auf der Seite, halb bedeckt von der geblümten Kittelschürze, vorn entblößt, und nun bemerkte er, daß sie deshalb offen war, weil sämtliche Knöpfe fehlten. Er mußte an die plumpe, nackte Gestalt denken, sprühend vor Leben und bebend vor Zorn, die ihren Nachbarn wild mit der dicken kleinen Faust gedroht hatte. Jetzt waren die fetten Arme seltsam nach hinten ausgestreckt, als hätte sie damit ihre Schürze zurückgestreift. Die Knie waren abgewinkelt und wiesen Flecken in demselben Weinrot auf wie die rechte Wange. Auf den schlaffen Brüsten befand sich jeweils ein ähnlicher Fleck.

Der Maresciallo richtete sich auf und strich sich seufzend mit seiner großen Hand übers Gesicht. Draußen auf der Straße verstummte eine heulende Sirene.

"Wo haben Sie sie

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen