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Tod eines Engländers Ein Fall für Guarnaccia von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod eines Engländers

Florenz, kurz vor Weihnachten: Guarnaccia hat es eilig, nach Sizilien zu seiner Familie zu kommen, doch da geschieht ein Mord. Betrug und gestohlene Kunstschätze kommen ans Licht, aber sie sind nur der Hintergrund zu einer privaten Tragödie. Zu allem Übel wirft den Maresciallo noch eine schlimme Grippe um, und es ist fraglich, ob er den Mörder und den letzten Zug nach Syrakus erwischen wird. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605877
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Death of an Englishman
    Größe: 879 kBytes
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Tod eines Engländers

[5] ERSTER TEIL

1

Es war dunkel in dem kleinen Büro, nur die rote Nachtlampe auf dem Schreibtisch neben dem Telefon brannte, und die weißen Glacéhandschuhe auf dem Papierstapel hatten im Lichtschein eine hellrote Färbung angenommen. Eine schwarze Uniformjacke hing über einer Stuhllehne, und hinter der Tür, neben einer makellosen Uniformmütze, hing ein gleichfarbiger Militärmantel mit roten Litzen ordentlich auf einem Kleiderbügel. Im Zimmer war gerade noch Platz für ein Feldbett an einer weißgetünchten Wand; darauf lag, die Beine sorgfältig ausgestreckt, damit die Hose mit den roten Seitenstreifen nicht knitterte, der Carabiniere Bacci. Er hatte Nachtdienst. Sein Gesicht mit den florentinischen Zügen wirkte entspannt. Er schlief.

Er war sehr jung und schlief fest; ein Exemplar des Codice di Procedura Penale lag aufgeschlagen auf seiner Brust, ein Lehrbuch der Militärtaktik neben ihm auf dem Fußboden. Ursprünglich hatte er die ganze Nacht über wachbleiben und lernen wollen, doch die Enge des Zimmers, das sanfte rote Licht und die Stille hatten bewirkt, daß ihm die braunen Augen zugefallen waren, wenngleich er im Traum noch weiterlas.

Das Telefon schrillte laut und nachdrücklich. [6] Carabiniere Bacci war halbwach aufgesprungen und salutierte, noch ehe er richtig auf den Beinen stand. Als ihm klar wurde, woher das Geräusch kam, griff er, bevor es den Wachtmeister aufwecken würde, schnell zum Hörer.

"Wachtmeister Guarnaccia, Herr Wachtmeister ... es wäre gut, wenn Sie sofort hier vorbeikommen könnten, der Engländer, er ..."

"Einen Moment, bitte." Carabiniere Bacci tastete nach dem Lichtschalter und griff nach einem Stift.

"Herr Wachtmeister?"

"Ich bin nicht Wachtmeister Guarnaccia, sondern Carabiniere Bacci. Mit wem spreche ich?"

Es entstand eine Pause, dann sprach die Stimme folgsam weiter: "Cipolla, Gianpaolo Maria."

"Und die Adresse?"

"Meine Adresse?"

Die Stimme war so dünn, daß Carabiniere Bacci sich fragte, ob sie einem Mann oder einem Jungen gehörte.

"Ihre Adresse und die Adresse, von der aus Sie sprechen, wenn es nicht dieselbe ist."

"Meine Adresse ist Via Romana dreiundachtzig rot."

"Und von wo aus sprechen Sie?"

"Via Maggio achtundfünfzig."

"Und dort ist ein Verbrechen verübt worden?"

"Ja, der Engländer ... Ist der Wachtmeister denn nicht da? Meine Schwester wohnt gleich neben dem Revier, ihr Mann arbeitet als Gärtner im Boboli, daher kenne ich ihn, und der Wachtmeister ..."

"Dürfte ich erfahren", sagte Carabiniere Bacci mit all der Kühle seiner praktischen Erfahrung von zwei Monaten, [7] "was Sie mitten in der Nacht in der Via Maggio machen, wenn Sie in der Via Romana wohnen?"

Wieder eine Pause. Dann sagte die dünne Stimme: "Aber ... es ist doch schon Morgen ... ich arbeite hier."

"Aha. Na gut. Bleiben Sie, wo Sie sind, ich bin in fünf Minuten bei Ihnen." Carabiniere Bacci zog sich die Jacke und den Mantel an und überprüfte sorgfältig den Sitz von Mütze und Handschuhen. Es verdroß ihn, daß er sich nicht waschen und rasieren konnte, aber vielleicht war es dringend ... er zögerte, sah zur Tür, wo sein Mantel gehangen hatte und jetzt eine Beretta Neun zu sehen war, die dort im weißen Lederhalfter mit Gürtel hing. Der Wachtmeister lag mit einer beginnenden Grippe im Bett und schwitzte; deshalb hatte Carabiniere Bacci auch darauf bestanden, hier unten im Büro zu schlafen und nicht oben - völlig überflüssigerweise, wie der Wachtmeister fand -, aber Carabiniere Bacci galt eben als "Musterschüler". Ruhig nahm er die Dienstwaffe, überprüfte sie und schnallte sie sich um, während er einen Blick auf die innere Tür warf. Vielleicht sollte er den Wachtmeister doch lieber wecken oder im Borgo Ognissanti anrufen, für den Fall, daß er Hilfe brauchte ... aber wenn er in der Zentrale anrief, würden sie ihm bestimmt sagen, er

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