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Tod eines Holländers Ein Fall für Guarnaccia von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod eines Holländers

Überall in Florenz werden Touristen beraubt, Autos gestohlen, und in der Innenstadt gehen sogar Terroristen ans Werk. Dagegen sieht der Selbstmord eines holländischen Juweliers wie ein harmlos klarer Fall aus. Es gibt zwar ein paar Unstimmigkeiten, aber die einzigen Zeugen sind ein Blinder und eine alte Frau, die bösartigen Klatsch verbreitet. Trotzdem ist dem Maresciallo nicht wohl in seiner Haut - es wirkt alles ein bisschen zu einfach ... Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605921
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Death of a Dutchman
    Größe: 912 kBytes
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Tod eines Holländers

[44] 2

"Was ist mit seinem Koffer?"

"Nimm ihn mit, so wie er ist. Und dies hier, und die Schlüssel ..."

"Hey, Luciani, sieh mal hier!"

"Probier mal, ob du den Fensterladen aufkriegst. Das Licht hier drin ..."

"Platz da! Der Doktor kommt ..."

In der Wohnung war es voll geworden. Die einen schafften alle möglichen Sachen hinaus, die anderen nahmen die kriminalistische Untersuchung an Ort und Stelle vor. Wohin sie auch traten, überall wirbelten sie Staub auf. Ab und zu leuchtete das Blitzlicht der Fotografen durch den Raum. Als der Doktor eintraf, mußte er über den zerbeulten, schwarzen Metallsarg steigen, der mitten in dem schmalen Korridor stand. Es war nicht Professor Forli, sondern ein jüngerer Mann, der gerade erst sein Assistent geworden war. Er gab sich reserviert und förmlich und plauderte mit niemandem, so wie Forli es während der Vorbereitung seiner Arbeit getan hätte.

Der Wachtmeister hatte Bericht erstattet, Signora Giusti wieder in ihre Wohnung gebracht und kehrte jetzt so unauffällig wie möglich zurück, um den Technikern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Dieser Job gefiel ihm nicht besonders, dieses Auseinandernehmen eines Menschenlebens, um es anschließend unter dem Mikroskop zu studieren, und er selbst hätte gar nicht sagen können, warum er noch da war. Er wußte, daß er den Leuten im Weg war, während er in die Küche ging, um dort einem Mann in weißem Kittel zu [45] zusehen, der systematisch Essensreste und eine fast leere Kaffeekanne einsammelte. Überall auf dem Boden lagen Kaffeebohnen, und unter dem Tisch war jede Menge verkrustetes Blut zu sehen.

Als letzter erschien der Staatsanwalt am Ort des Geschehens, mit wehendem weißen Leinenjackett und einem gestreiften Hemd, das sich über dem Bauchansatz spannte, atemlos und mit rotem Gesicht nach dem vielen Treppensteigen und sichtlich verärgert, daß man ihn bei einem ausgiebigen Lunch gestört hatte und er in der Hitze auch noch seinen Urkundsbeamten hatte auftreiben müssen.

"Na? Was gibt's?"

Er sah den zuständigen Offizier kaum an. Der Wachtmeister kam zur Schlafzimmertür zurück und beobachtete die Szene. Den Offizier, der blutjung und sehr aufgeregt war, kannte er nicht. Ob es sein erster Fall war? Wie auch immer, nachdem er seinen Bericht gegeben hatte, wandte er sich wieder mit Anweisungen an seine Leute, blickte aber jedesmal unsicher zum Staatsanwalt, als erwartete er ein Wort der Bestätigung oder der Kritik.

"Mit anderen Worten: Selbstmord", sagte der Staatsanwalt, nachdem er dem ernsten und exakten vorläufigen Bericht des jungen Gerichtsmediziners mit kaum verhüllter Ungeduld zugehört hatte, "allerdings ein ziemlich schmuddeliger. Hat es sich zwischendrin wohl anders überlegt, was meinen Sie?"

"Schon möglich. Aber es gibt ein, zwei Dinge ..."

"Na, die Autopsie wird uns ja wohl Klarheit verschaffen." Er wandte sich wieder an den Offizier: "Wer ist es denn? Wissen wir das?"

[46] "Ein Holländer, besser gesagt: ein Italo-Holländer. Wurde hier in Florenz geboren, Vater Holländer, Mutter Italienerin, beide verstorben. Es gibt aber noch eine Stiefmutter, gegenwärtiger Aufenthaltsort unbekannt, vermutlich aber in England, nach Angaben der Nachbarin, die sie gut gekannt hat. Er hinterläßt eine Frau und eine Schwiegermutter, beide in Amsterdam. Wir sind gerade dabei, seine Papiere nach einer Adresse zu durchsuchen."

"Hm. Gut."

Der junge Offizier blickte dankbar zum Wachtmeister, der stumm und reglos in der Tür stehengeblieben war und gelegentlich einen prüfenden Blick durch den Raum warf.

Der Staatsanwalt wollte schon gehen, mußte aber auf den Untersuchungsrichter warten, der noch nicht gekommen war. Er sagte: "Ein Holländer ... Wird es diplomatische Verwicklungen geben? War er etwa ..."

"Nein", sagte der Offizier, "ich glaube nicht. Er war Juwelier und Goldschmied, ziemlich wohlhabend, mehr nicht

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